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Der Spiegel soll sich an der Zeit orientieren

Der deutsche Medienmarkt ist einer der größten der Welt. Trotzdem scheint sich im Ausland kaum jemand für Springer, ProSiebenSat.1 & Co. zu interessieren. Um so erstaunlicher, dass sich nun der Economist mit der Abberufung der Spiegel-Chefredaktion beschäftigt. In gewohnt analytischer Manier nimmt sich Berlin-Korrespondent David Shirreff die Situation an der Ericusspitze vor und kommt zu dem Schluss, dass sich der künftige Blattmacher des Nachrichtenmagazins stärker an der Zeit orientieren sollte.

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Erster wichtiger Punkt in der Economist-Analyse ist die Erkenntnis, dass der oder die neuen Chefredakteure vor einer „Herkules-Aufgabe“ stünden. Immerhin haben sowohl die Print- wie auch die Online-Redaktion in der deutschen Presselandschaft eine mächtige Position. Allerdings seien die Internet- und Papier-Angebote wenig kompatibel, so der Economist. Der neue Chef müsste die Lager vereinen und eine Paid-Content-Strategie entwickeln, die Print schützt, die Web-Einnahmen erhöht und trotzdem nicht die Reichweite und Relevanz der Webseite schwächt. Kurz zusammengefasst: „Der Spiegel-Verlag ist ein gespaltenes Haus“.

Zweiter wichtiger Punkt ist die Feststellung, dass es dem Spiegel – im Gegensatz zur Zeit – nicht gelinge, die Auflagenverluste zu stoppen. Shirreffs Erklärung: Die Zeit ist analytischer, positiver und nicht so zynisch wie der Spiegel. Georg Mascolo hätte vor allem versucht mit „Germans’ hates and fears“ oder mit Geschichten über Gesundheits-Risiken (Zucker, Rücken etc.) und psychischen Krankheiten (Burnout) Auflage zu machen. Das Fazit des Economist: Der neue Chefredakteur muss bessere Titel machen als der Vorgänger.  

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Mit dem Vergleich zur Wochenzeitung Die Zeit scheint Shirreff einen Nerv getroffen zu haben. In den Kommentaren geht die Diskussion zu diesem Thema munter weiter, inklusive der Klage, dass der Spiegel bei vielen Geschichten nicht mehr tief genug in die Materie einsteigen würde und bei wissenschaftlichen Geschichten, Studien so verwenden würde, wie es dem jeweiligen Redakteur in der Kram passe. Das sei bei der Zeit anders.

Natürlich kommt der Economist-Text auch nicht ohne einen länglichen Abschnitt über die schwierigen Mehrheits- und Machtverhältnisse beim Spiegel aus. Dieser Teil gipfelt in der Bemerkung, dass Dank der Beteiligung der Mitarbeiter KG die Hamburger der einzige Verlag seien, bei denen selbst die Redakteure mit Porsches im hauseigenen Parkhaus parken. Unterschwellige Botschaft: So schlecht kann es dem Spiegel nicht gehen.

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