Marmor: „Jugendkanal erst 2017 ist zu spät“

Auf der ARD-Pressekonferenz haben sich NDR-Intendant Lutz Marmor und Programmdirektor Volker Herres zur Debatte um öffentlich-rechtliche Digitalkanäle geäußert. Kernproblem sei die Finanzierung. Marmor: "Die Zeiten, in denen jemand 30 Millionen Euro in Schubladen liegen hatte, sind vorbei." Aus Kostengründen sei es naheliegend, einen Jugendkanal gemeinsam mit dem ZDF zu betreiben. Das Zweite hatte dem ARD-Vorstoß, Digitalkanäle gemeinsam zu betreiben, jedoch gerade eine Absage erteilt.

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Neben der öffentlichen Absage habe es auch ein Telefonat "mit allen Regeln des Respekts" zwischen Lutz Marmor und ZDF-Intendant Thomas Bellut gegeben. Die Pressemitteilung mit der Absage des ZDF wollte der ARD-Vorsitzende Marmor jedoch nicht kommentieren. Dass ein gemeinsamer Jugendkanal, wie vom ZDF dargestellt, erst 2017 kommen könne, sei nicht akzeptabel: "Ein Jugendkanal erst ab 2017 ist zu spät", so Marmor. Aber vielleicht haben sie beim ZDF ja auch gar keine Lust auf gemeinsame Digitalkanäle mit der ARD.
Der ARD-Chef rief dazu auf, sich generell vom Begriff der Digitalkanäle zu verabschieden. Mittlerweile sei alles digital und man müsse daher sehen, wie die neuen Sender in das Gesamtkonzept passen. Das gelte auch für einen Nachrichtensender. Laut Vorschlag der ARD sollten tagesschau24 und ZDFinfo zu einem gemeinsamen Nachrichtenkanal werden. Bereits jetzt genieße tagesschau24 hohe Akzeptanz.
ARD will im Sommer Kosten transparent machen
Der Sender biete mehr Nachrichten als n-tv oder N24, wo lange Dokumentations-Strecken laufen, so Lutz Marmor. Er sagte: "Es gibt ein Bedürfnis für trockene, harte Nachrichten." tagesschau24 müsse nicht auf die Quote schauen, setze als Nachrichtenkanal nicht auf Verweildauer und sei dadurch den Inforadios ähnlich. Für alle Digitalkanäle gelte jedoch: "Am Ende des Tages entscheiden die Länder." 
Auf Nachfrage bezog Lutz Marmor auch zum Punkt Rundfunkbeitrag Stellung. Das Thema Transparenz sei ein wichtiger Punkt der Intendantenkonferenz gewesen. Man habe den Auftrag erteilt bis in den Sommer "bestimmte Zahlen im Netz zu veröffentlichen". Marmor: "Wir haben da nichts zu verbergen." Konkret nannte er zum Beispiel die Kosten der "Tagesschau" pro Minute.
Talkshows kommen auf den Prüfstand 
Auch über die ARD-Talkshows sei gesprochen worden, bestätigte Programmdirektor Volker Herres. Das Gespräch hierzu sei jedoch sehr knapp ausgefallen: "Es ist nicht das Thema, von dem wir sagen, es sei die größte Fragestellung." Allerdings: Man werde sich noch mit der Frage beschäftigen, ob das Gesamtvolumen der Talkshows angemessen sei. Die einzelnen Formate seien qualitativ jedoch gut.
Herres kündigte zudem an, auch in Zukunft weiter auf Themenabende im Hauptprogamm des Ersten zu setzen. Geplant seien Veranstaltungen zu den Themen Alzheimer, Hungerlöhne und Mobbing. Außerdem vorgesehen: ein Abend zum Einsatz in Afghanistan zum Jahrestag des Luftangriffs in Kunduz.
Auch zu den Programmplanungen zum Bundestagswahlkampf gab Herres Informationen bekannt. So wolle man wie bisher im Sommer Portraits der bedeutenden Kandidaten ausstrahlen. Außerdem seien sogenannte "Townhall-Meetings" geplant, in denen sich Politiker den Fragen von Bürgern stellen. Höhepunkt sei freilich das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück. 
Das Duell werde von allen vier großen Sendern gemeinsam veranstaltet und neunzig Minuten lang sein. "Wir hätten uns durchaus auch zwei Begegnungen vorstellen können", so Herres. Dies läge jedoch nicht in der Hand der ARD.

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