ARD will Digitalkanäle mit ZDF fusionieren

Die Intendantinnen und Intendanten der ARD sprechen sich für eine Zusammenlegung ihrer Digitalkanäle mit denen des ZDF aus. Aus insgesamt sechs öffentlich-rechtlichen Digital-Kanälen sollen drei werden. Entstehen sollen ein Sender für 14 bis 29 Jährige, einer für 30 bis 49-Jährige sowie ein Informations- und Nachrichtensender. Das ZDF weist die Vorschläge jedoch zurück: Der Sender sehe darin lediglich kompliziertere Strukturen.

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Die grundlegende Reform, die die ARD vorschlägt, sei zum einen der veränderten Mediennutzung geschuldet, zum anderen jedoch dem Zwang mit den bewilligten Finanzmitteln auszukommen. Konkret sieht der Vorschlag der ARD-Intendanten so aus, dass jeweils ein Sender von ARD und ZDF verschmolzen werden. Ein gemeinsames Programm für junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren könnte auf Basis der bisherigen Kanäle EinsPlus und ZDFkultur entstehen, ein gemeinsame Programm für jüngere Erwachsene von 30 bis 49 Jahre aus den beiden Digitalsendern EinsFestival und ZDFneo. Weiter schlagen die ARD-Verantwortlichen vor, im Informationsbereich tagesschau24 und ZDFinfo zu einem gemeinsamen Nachrichtenkanal zusammenzulegen.
Dies böte zugleich die Chance zu einer weiteren Profilschärfung der schon bestehenden Gemeinschaftsprogramme Phoenix und 3sat, heißt es in einer ARD-Mitteilung. Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor hat demnach die Grundzüge des Konzepts seinem ZDF-Kollegen Thomas Bellut bereits telefonisch erläutert und ihm weitere Gespräche angeboten.
In den vergangenen Monaten hatten sich die ARD-Verantwortlichen bereits darum bemüht, einen gemeinsamen Jungendkanal mit dem ZDF auf dem Weg zu bringen. Das ZDF steht diesem Vorhaben zwar grundsätzlich positiv gegenüber, setzt aber einen klaren Auftrag der Politik sowie eine ausreichende Finanzierung voraus. ZDF-Intendant Bellut kündigte im Februar an, aus Kostengründen den Digital-Sender ZDFkultur einstellen zu wollen
Mit dem ARD-Vorschlag kommt nun neue Bewegung in die Debatte um die öffentlich-rechtlichen Digital-Kanäle. Die ARD möchte mit dem Konzept verhindern, dass der geplante Jugendkanal erst 2017 auf Sendung gehen kann, wie es das ZDF aus finanziellen Gründen bislang vorsieht. 
Aus Mainz kam prompt eine ablehnende Reaktion auf die ARD-Vorschläge. Es sei zwar nachvollziehbar, dass sich die ARD am Erfolg der ZDF Digitalkanäle ZDFneo und ZDFinfo beteiligen möchte, die beide mit 0,9 und 0,6 Prozent Marktanteil weit mehr Zuschauer erreichen als die Digitalableger der ARD, das ZDF sehe in dem Vorschlag aber keine Sparpotentiale, sondern lediglich kompliziertere Strukturen. 
Die ZDF-Digitalsender erfüllen, so heißt es weiter, für das ZDF wesentliche Funktionen, wie die Erprobung neuer Formate und neuer Moderatoren. Die Kanäle ermöglichten zudem eine sinnvolle Verwertung des ZDF-Programmarchivs. Diese Funktionen würden bei der ARD die Dritten Programme erfüllen.
Das ZDF lehnt daher den Vorschlag der ARD ab. Dafür kommt ein Gegenvorschlag aus Mainz: Die Zielgruppe der Jugendlichen könnte mit einem Jugendkanal der ARD versorgt werden, während das ZDF mit den Informations- und Unterhaltungsangeboten in ZDFneo und ZDFinfo stärker die 30- bis 50-Jährigen adressiere.

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