Spiegel: Wohin segelt Müller v. Blumencron?

Ganz schön langweilig gewesen, die Medienwoche, was? Nee, war nur Spaß. Die Spiegel-Chefredakteure wurden beurlaubt, alle fragen sich, was Mathias Müller von Blumencron jetzt macht, Julia Jäkel hat die Macht bei Gruner + Jahr ergriffen, die dapd hat endgültig den Betrieb eingestellt usw. Kein Wunder, dass die Bild den Allzweck-Adeligen Alexander von Schönburg zum Medien-Kolumnisten ernannt hat. Und dann war da noch die Sache mit dem Affen von Justin Bieber ...

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Die Branchen-Soap-Opera “Deutschland sucht den Spiegel-Superstar” nimmt ihren Lauf. Gerade hat Erbin Franziska Augstein beim Leitmedium Statement TV ein – äh – Statement abgegeben und öffentlich bejammert, dass Interna der peinvollen Spiegel-Chefsuche mal wieder an die Öffentlichkeit gelangt sind. Ja, wo gibt‘s denn sowas! Das Statement von Frau Augstein bei Statement TV: "Wer da Spiegel-Interna nicht für sich behalten konnte, scheint übersehen zu haben, dass er oder sie damit nicht bloß einen lächerlichen Medienwirbel auslöst und dem guten Ruf des Hauses schadet, sondern auch sich selbst keinen Gefallen tut: Dergleichen Gequatsche macht die Jahresbilanz nicht besser."

Hört, hört. Aber, Moment mal! Dass jemand Interna nicht für sich behalten kann und damit einen Medienwirbel auslöst – hat Franziska Augstein damit nicht ziemlich präzise die Geschäftsgrundlage des Spiegel beschrieben? Sollte der Spiegel in Kürze damit anfangen, Pressemitteilungen nachzudrucken, wissen wir woran es liegt.

Unterdessen weint die Zeit dem ausgeschiedenen Spiegel Digital-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron publizistisch die eine oder andere Träne nach. Unter einem Foto, dass den markigen Hanseaten mutmaßlich an Bord seines Class40-Rennseglers “Red” zeigt, wird “MvB” nur in den allerhöchsten Tönen gelobt: “Der erfolgreichste Online-Journalist des Landes”, “Mister Online”, “der erfolgreiche Digitalchef”, der “einflussreiche Journalist” usw. Aus seiner Abschiedsrede zitiert ihn die Zeit mit den Worten “Es tut mir leid, dass wir uns als Konkurrenten wiedersehen werden.” Was uns zur spannenden Frage bringt: Was macht Mathias Müller von Blumencron nach seinem Zwangsurlaub? Dockt er bei Axel Springer an? Kann man sich kaum vorstellen. Bei Gruner + Jahr? Dort wurde ja gerade eben ganz groß der Vorstand und einiges andere umgebaut. Ohne Zweifel könnten die Gruners einen Mann wie Blumencron gut gebrauchen. Aber würde man für ihn auch einen geeigneten Posten finden? Oder geht er vielleicht nach Berlin?  Wir werden sehen.

Der heiß umkämpfte Markt für Medienjournalismus, er wird immer enger. Immer heißer. Jetzt steigt auch noch die Bild groß ein. Alexander von Schönburg (Autor von “Alles was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten”) hat diese Woche bei Bild.de unter der Überschrift “Steife Brise in Hamburgs Blätterwald” ein Stück über die Spiegel-Chefsuche und den G+J-Vorstand verfasst. Darin erfahren wir u.a. dass Julia Jäkel ihre Vorstandskollegen bei G+J “rasiert” habe und dass die ältere Tochter von Spiegel-Gründer Jakob Augstein als Junge zur Welt kam und einst eine bei der Münchner Justiz gefürchtete Staatsanwältin war. Grund: Sie habe immer auf “Freispruch” plädiert. Am Schluss erzählt von Schönburg noch, dass er selbst mal bei der FAZ gefeuert wurde. Das nennt man wohl aus dem Nähkästchen plaudern.

Haben Sie’s mitbekommen? Die Breaking News, dass sich Oliver Pocher von seiner Frau getrennt hat? Es gibt gewisse Medien in diesem Land, die das für berichtenswert halten. Und es gibt Anwälte, die diese Medien gerne vorab darauf hinweisen, dass sie lieber nix berichten sollten und besser auch Niemanden fragen sollten. In Sachen Trennung versteht der sonst nicht eben empfindliche Komiker Oliver Pocher offenbar keinen Spaß. Er hat den Anwalt Christian Schertz beauftragt und der hat die versammelte Journaille am Freitag Nachmittag via Pressemitteilung, pardon "presserechtlichem Informationsschreiben" wissen lassen, dass man bitte auch nicht beim Management der Eheleute Pocher nachfragen möge. Liebe Journalisten, bitte auf keinen Fall nachfragen! Eine erfrischend neues Verständnis von Journalismus, das sich hier zeigt.

Und weil wir gerade so schön auf dem Boulevard flanieren – hier noch das Fundstück der Woche. Normalerweise lese ich wirklich jeden (!) Kram. Aber vor dieser Geschichte hatte ich Angst:

Schönes Wochenende!

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