MyWay: Dr. Feelgood trifft Dr. Sommer

Mutiert Bauer zum gute-Laune-Verlag? Im Herbst nahmen die Hamburger MyWay, ihr frisch gestartetes Magazin für "Frauen im besten Lebensabschnitt", wieder vom Markt, um es noch einmal zu überarbeiten. Jetzt liegt die neue Version am Kiosk, die unter der Regie der Tina-Chefredakteurin Sabine Ingwersen entstand. Das Ergebnis liest sich so, als ob eine Special-Force für Service-Themen zusammen mit dem Dr. Sommer-Team und Dr. Feelgood ein Magazin gemacht hätte. Wichtigste Vorgabe: Das Heft soll Spaß bringen.

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Mit seinem oftmals fast schon zu penetrant-fröhlich vorgetragenen Gute-Laune-Ansatz setzt sich MyWay von den meisten Konkurrenten ab. Ob nun Brigitte Woman oder andere Magazine: Kein Heft für Frauen über 40 gibt sich so viel Mühe, ausschließlich Lust auf alles zu machen. "MyWay ist die Zeitschrift, die uns Frauen im besten Lebensabschnitt trifft und zum Leuchten bringt", erklärt Ingwesen in ihrem Editorial. "Unser Motto: aufregend erwachsen."

Das Magazin soll die Leserin als "lebenslustige Freundin" begleiten, "mit der Sie lachen können, von der Sie immer noch gerne etwas lernen. Redaktionsleiterin Joy Jensen und ich sind der festen Überzeugung, dass es allerhöchste Zeit für dieses durch und durch positive Magazin ist. Lasst und gemeinsam genießen, lasst uns feiern".

Inhaltlich ähnelt MyWay sehr stark einem klassischen Women’s-Weekly. Ob zu Mode, Essen oder Fitness: Es gibt eine Vielzahl an Service-Themen, die vor allem auf einen klaren Berater-Ansatz setzen. So wird exakt erklärt, zu welchem Körpertyp welche Schnitte und Stoffe passen, wie bestimmte Rezepte gekocht werden oder wie man beim Anti-Aging die besten Ergebnisse erzielt.

Wichtiges Oberthema bleibt immer die Frage: Was muss Frau tun, um sich endlich oder noch mehr selbst zu verwirklichen? Dabei geht es auch stets um Themen wie Partnerschaft und Ehe. Selbst auf ein Beratungsteam in Sachen "Leben & Lieben" verzichtet MyWay nicht. Statt Dr. Sommer heißt die Rubrik schlicht "Dr. Liebe".

Im Vergleich zu den ersten Testheften setzen die Macherinnen bei der Neustartausgabe auf eine großzügigere Optik und noch mehr Lebensgefühl. Trotzdem gelingt es dem Heft nie so ganz, das Feeling eines echten Monatsmagazins zu transportieren. Dazu fehlen die längeren Text-Strecken und die intellektuelle Tiefe. Allerdings ist es auch wahrlich schwer, diese bei dem grenzenlosen Willen zur guten Laune zu erzeugen. Es gibt kaum ein Magazin auf dessen Bildern noch mehr gelächelt und gelacht wird, als in der neuen MyWay.

Nach ihrer "Kreativpause" (Verlagssprech) präsentiert Bauer nun ein Heft, dass äußerlich ein monatliches Frauenmagazin ist, bei den inneren Werten jedoch noch zu stark der Tradition der Women’s Weeklys verhaftet scheint. Aber bei so viel positivem Denken und dem unbedingten Willen, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen und glücklich zu werden, wird es den Macherinnen bestimmt gelingen, diese kleinen Schönheitsflecken erst wegzulächeln und dann auszumerzen. Bei aller Emotionalität hätte Bauer den Titel niemals wieder zurück an den Kiosk gebracht, wenn die Marktforschung MyWay nicht klare Erfolgschanchen einräumen würde. Gelingt der Redaktion ein kleiner Büdchen-Hit, wird das auch die Laune im Verlagsmanagement heben.

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