Freien-Ranking: Journalisten als Schlusslicht

Noch nie gab es in Deutschland so viele Freiberufler. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sei ein Anstieg der freiberuflichen Tätigkeit um 62 Prozent zu verzeichnen, heißt es in dem 60-seitigen Papier. Mittlerweile sind demnach rund drei Millionen als Freiberufler aktiv. Neben Ärzten und Anwälten sind auch die Kulturschaffenden in der Studie gelistet. Das Schlusslicht bilden ausgerechnet freie Journalisten.

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Das Umsatzranking führen die Apotheken mit rund zwei Millionen Euro Umsatz pro Jahr an. Auf Platz zwei liegen die Wirtschafts- und Buchprüfungskanzleien mit durchschnittlich 1,7 Millionen Euro. Es folgen Steuerberater und Archtitekturbüros mit Umsätzen bis rund 400.000 Euro. Das Schlusslicht bilden allerdings die selbstständigen Journalisten und Pressefotografen, die jährlich rund 70.000 Euro umsetzen.
Der Deutsche Journalisten-Verband widerspricht der Studie in einigen Punkten. So sei das Bundeswirtschaftsministerium zu dem Ergebnis gekommen, dass freiberufliche Journalisten über ein Einkommen von 19.000 Euro pro Jahr verfügen – im Monat 1583 Euro also. Gemessen am Umsatz von 70.000 Euro läge der Betriebskostenanteil bei über 200 Prozent. Nach Umfragen des DJV liege der durchschnittliche Betriebskostenanteil bei freien Journalisten allerdings bei 30 Prozent, bei Bildjournalisten (wegen des erheblichen Equipments) auch um die 40 Prozent und mehr, heißt es auf der Webseite. Insofern bestünde bei der Studie, die jetzt dem Bundestag zugeht, sicherlich Überarbeitungsbedarf.
Wer verdient eigentlich wieviel? Dieser Frage ging auch die Vereinigung Freischreiber nach und startete zu diesem Zweck den Tumblr-Blog “Was Journalisten verdienen”. Dort können freie Autoren und Texter anonym Honorar-Details ihrer Kunden veröffentlichen. Dabei förderte das Projekt gleich zu Beginn Interessantes zu Tage: So gehen die Freien-Honorare im Magazin-Segement enorm auseinander: von 250 Euro für 6.000 Zeichen in der c’t bis zu 1.500 Euro für 12.000 Zeichen in der P.M.
Noch stärker gehen laut dem Blog die Zeilensätze bei Tageszeitungen auseinander. So bietet die Westfalenpost auch mit Nachverhandlungen maximal 20 Cent pro Zeile, beim Hamburger Abendblatt sind es 1,10 Euro – inklusive der Weiterverwertung in anderen Springer-Publikationen. Schlusslicht bei den Tageszeitungen ist im Blog allerdings der Schwarzwälder Bote mit 10 Cent pro Zeile. Viel mehr gibt es mit 13 Cent allerdings auch nicht im Lokalsport-Teil der Ruhr Nachrichten.
Der DJV ermittelte 2008 in einer großen Umfrage unter über 3000 freien hauptberuflichen Journalisten ein Durchschnittseinkommen von 2150 Euro ermittelt. Bildjournalisten verdienten demnach im Durchschnitt 1.800 Euro. Noch weniger verdienten die Bildjournalisten bei den Tageszeitungen. Laut DJV-Umfrage lag das durchschnittliche Monatseinkommen bei rund 1.500 Euro. Dieser Wert kommt ungefähr an die aktuellen Zahlen aus dem Bundeswirtschaftsministerium heran.

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