Ex-Kika-Chef Kottkamp teilt gegen MDR aus

Schaltet man den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal (Kika) ein, dann sieht man lustige Kaninchen, die Biene Maja oder quietschbunte Wissenssendungen für die lieben Kleinen. Hinter den Kulissen ist von heile Welt keine Spur. Da regieren Missmanagement und Geldgier. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der gefeuerte Kika-Geschäftsführer Steffen Kottkamp in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung. Im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal erhebt er schwere Vorwürfe.

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Hintergrund ist der Kika-Betrugsskandal, bei dem der ehemalige Herstellungsleiter des Kindersenders, Marco K., viele Millionen Euro veruntreut hat, um damit seine Spielsucht zu finanzieren. Nachdem bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Affäre auch gegen Kottkamp ermittelt, wurde dieser zunächst beurlaubt.

Beim MDR (der federführende ARD-Sender für den Kika) wurden dann eigene Ermittlungen durchgeführt und nach Akteneinsicht wurde Kottkamp im März gefeuert. Schon zu diesem Zeitpunkt, bezeichnete er sich in einem offenen Brief als “Bauernopfer” und kündigte an, vor Gremien und Medien auszupacken. Dies tut er nun in der Süddeutschen Zeitung.

Dass er beim MDR die Einrichtung schwarzer Kassen in Auftrag gegeben habe, bezeichnet er als “völlig abwegig”. Auch wisse er nichts von illegalen Geldtransfers. Bei den internen Ermittlungen des MDR habe man “den Bock zum Gärtner” gemacht, so Kottkamp. Mit den Maßnahmen gegen ihn, wollten die MDR-Verantwortlichen vom eigenen Fehlverhalten ablenken. Der MDR würde ihn “kriminalisieren”.

Gegen die Kündigung habe er Klage eingereicht. Sich selbst bezeichnet Kottkamp erneut als “Bauernopfer”. Als Programmgeschäftsführer sei er nur für Inhalte zuständig gewesen, beteuert er in der SZ. Rund 200 Tage pro Jahr sei er unterwegs gewesen. Ergo: Er habe von nichts gewusst.

Stattdessen hätten der frühere MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze sowie die frühere MDR-Juristin und heutige Intendantin Karola Wille “aktiv weggeschaut”. Sie hätten laut Kottkamp wissen müssen, dass die interne Kontrolle beim Kika nicht funktionierte, da sich Marco K. offenbar seine Scheinrechnungen von eigenen Untergebenen abzeichnen ließ. Mit Karola Wille geht Kottkamp hart ins Gericht. Der MDR habe außerdem Druck auf ihn ausgeübt, die MDR-Kinderserie “Schloss Einstein” aus Kika-Mitteln mit zu finanzieren.

Kottkamps Fazit: Dem MDR müsse die Federführung beim Kika weggenommen werden. Die Aufarbeitung des Betrugs-Skandals rund um den lustigen Kinderkanal ist noch lange nicht vorbei.

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