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„Spiegel verlässt man im Tumult oder Streit“

Selten waren sich die Medienbeobachter so einig, wie im Fall von Georg Mascolo und Mattias Müller von Blumencron: Das Ende der Doppelspitze sei abzusehen gewesen, die schlechte Verzahnung von Print und Online der Knackpunkt und der kommunikative Umgang mit der Abberufung nicht gut. Das Handelsblatt will zudem erfahren haben, dass auch der Geschäftsführer Ove Saffe angeschlagen sei. Spannend: Die FAZ spekuliert, dass es eine Lösung mit einem Chefredakteur plus einem Herausgeber geben könnte.

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Im Handelsblatt schreibt Hans-Martin Siebenhaar: "Die Gesellschafter suchen nun nach einem neuen Chefredakteur. Aus Spiegel-Kreisen heiß es, auch Geschäftsführer Ove Saffe sei angeschlagen. Beim Krisenmanagement hatte der ansonsten unaufgeregte Manager fahrig gewirkt."

Kai-Hinrich Renner erklärt bei Abendblatt.tv, wie er zu seiner Spiegel-Story kam
In einem Analyse-Stück beschreibt Kai-Hinrich Renner wie die Spiegel-Chefs mit der Abberufung umgingen. So soll sich Müller von Blumencron mit einer Abschiedsrede von der Spiegel-Online-Redaktion verabschiedet haben. Die Redakteure reagierten mit Standing Ovations. Mascolo trat dagegen offenbar nicht vor die Print-Truppe. Nach Renners Meinung wartet auf den oder die neuen Chefredakteure eine Herkulesaufgabe. "Es gilt die bisher recht autark agierenden Fürstentümer Nachrichtenmagazin, Spiegel Online und das schwer angeschlagene Spiegel TV zu bündeln. Im Multimedia-Zeitalter ist das bisherige Nebeneinanderhergewurschtel kontraproduktiv."

Als Dolchstoßlogende bezeichnet Renner einen Text in der FAZ von Michael Hanfeld, der unter anderem zu dem Schluss kam, dass erst durch die Berichterstattung im Abendblatt die Spiegel-Chefredaktion derart bloßgestellt wurde, dass die Gesellschafter am Dienstag dann handeln mussten und die Führungsspitze abberiefen.

In einem weiteren Artikel beschäftigt sich Hanfeld noch einmal mit der undankbaren Situation, mit der die beiden Chefredakteure zu kämpfen hatten: "Drei Tage lang rätselraten zu dürfen, woran man sei, ist nicht gerade erfreulich. Und auch die interne Nachrichtengebung war nicht vom Feinsten. Den beiden Chefredakteuren wurde ihre Absetzung zwischen Tür und Angel mitgeteilt".

Zum Schluss bringt der Medienexperte der FAZ noch die interessante Spekulation ins Spiel, dass die Hamburger eine Lösung mit einem Chefredakteur oder einer Chefredakteurin plus einem Herausgeber anstreben könnten. Über einen möglichen Herausgeber wurde bislang noch gar nicht gesprochen oder geschrieben.

In der Süddeutschen Zeitung berichten Caspar Busse und Claudia Fromme
davon, dass sich viele Spiegel-Mitarbeiter entsetzt vom Umgang mit Mascolo und Müller von Blumencron gezeigt hätten. "Über die Art aber, wie das Regnum nach fünf Jahren endet, sind viele empört. ‚Es ist unfassbar, was hier passiert‘, sagt einer aus der Redaktion. ‚Völlig gespenstisch, wie hier mit Menschen umgegangen wird‘, sagt ein anderer. So ein Umgang schade nicht nur den Betroffenen, sondern vor allem der Marke Spiegel."

Die taz führte ein Interview mit Klaus Meier, Professor für Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, zum Thema. Er äußerte sich vor allem zur schwierigen Verzahnung von Print und Online beim Hamburger Nachrichtenmagazin: "Momentan sind – zumindest nach außen – Spiegel und Spiegel Online mit Sicherheit zwei getrennte Medienwelten, die keine crossmediale Strategie erkennen lassen. Denken Sie nur an das Blogprojekt namens Spiegelblog: Die Printredaktion schreibt auf den Onlineseiten ein Blog über die eigene Arbeit, in das die Onlineredaktion aber nicht eingebunden ist und das die Onlineredaktion ziemlich geschickt auf der Website versteckt".

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