Verfügung gegen Amazon-Doku der ARD

Das Leipziger Job-Touristikunternehmen CoCo hat gegen den Hessischen Rundfunk in Sachen Amazon-Doku eine einstweilige Verfügung erwirkt. Konkret geht es darum, dass in dem ARD-Film “Ausgeliefert”, in dem die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Amazon angeprangert wurden, eine unzulässige Schmähkritik an dem Touristikunternehmen geübt worden sei. Im Film war die Rede davon, dass Leiharbeiter “abgefüttert” würden “wie die Schweine”.

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Die Leipziger Firma war für Transport und Unterbringung der Amazon-Leiharbeiter, die in dem ARD-Film gezeigt wurden, zuständig. Nach Ausstrahlung der Doku hat Amazon den Vertrag mit CoCo nicht mehr verlängert. Die Firma fühlt sich von den Machern der ARD-Reportage zu Unrecht an den Pranger gestellt. Die Firma erklärte bereits kurz nach der Ausstrahlung, dass es sich bei den Unterkünften für die Leiharbeiter um ordentliche Ferienanlagen handle. Im Film wurden die Unterkünfte als “heruntergekommen” bezeichnet.  Ein Speiseraum im Keller des Hotels, der in dem ARD-Film in einer gezeigten E-Mail vorkam ("… im Keller des Restaurants abgefüttert wie die Schweine."), existiere überhaupt nicht. “Das ist schlicht eine Erfindung der ARD-Journalisten, gegen die wir auch juristisch vorgehen”, so die Stellungnahme der Firma.

In einer Stellungnahme der beauftragten Kanzlei Höcker heißt es zu der nun erlassenen einstweiligen Verfügung: “Obwohl der Fernsehbeitrag nach Auffassung der Kritiker an vielen Stellen fragwürdige und angreifbare Behauptungen enthält, wurde der Antrag des Touristik-Unternehmens bewusst nur auf einen Punkt beschränkt: Exemplarisch wurde eine besonders krasse Formulierung angegriffen, um den juristischen Aufwand überschaubar zu halten und um eine schnelle Entscheidung zu bekommen.” Das Landgericht Hamburg habe dem Antrag voll entsprochen.

Schon vor der Gerichtsentscheidung habe die Rechtsabteilung des HR eine Manipulation freiwillig eingeräumt, heißt es in der Kanzlei-Stellungnahme weiter: “Eine im Film als Beweis für die behaupteten Missstände als Screenshot gezeigte E-Mail war fingiert, die angebliche polnische Zeugin frei erfunden. Wörtlich teilte die HR-Rechtsabteilung dazu mit: „Dass eine Frau Agnieszka Lewandowska niemals als Leiharbeiterin bei Amazon beschäftigt war, ist richtig".

Der HR kann gegen die Verfügung Rechtsmittel einlegen. Der Film, der für eine bundesweite Diskussion über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern gesorgt hat, darf in seiner ursprünglichen Fassung nun nicht mehr in der ARD-Mediathek gezeigt werden.
Update (8.April 2013): Der HR hat erklärt, dass das Zitat der HR-Rechtsabteilung von der Kanzlei Höcker unvollständig widergegeben worden sei. Es habe der Satz gefehlt: "Hierbei handelt es sich um eine Legende, derer sich die Autoren zum Schutz ihres Informanten bedient haben." Den Informanten und die Mail gebe es wirklich. Der Alias-Name Agnieszka Lewandowska seit aus Gründen des Quellenschutzes eingefügt worden. Man habe bei der Produktion des Filmes lediglich vergessen, auf die Änderung des Namens hinzuweisen. Darauf angesprochen erklärte Marcel Leeser von der Kanzlei Höcker: „Wir wissen nicht, ob das eine Schutzbehauptung ist. Wenn man eine Quelle unkenntlich machen will, macht man sie ganz einfach unkenntlich und erfindet nicht eine möglichst spektakuläre Alternativquelle in Form einer überhaupt nicht existierenden polnischen Leiharbeiterin namens Agnieszka Lewandowska.

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