Hitler-Tagebücher: Telefonate veröffentlicht

Publishing 30 Jahre liegt der Recherche-GAU des stern zurück. Die Zeit widmete ihr Dossier einer Chronik der Recherche zu den Hitler-Tagebüchern, das ZDF lässt für eine Doku Christoph Maria Herbst aus den gefälschten Tagebüchern vorlesen und auch die Bild befasst sich dem legendären Presse-Skandal. Besonders interessant: Bild.de veröffentlicht die Telefonate zwischen dem Ex-stern-Journalisten Gerd Heidemann, der den Tagebuch-Deal einfädelte, und Tagebuch-Fälscher Konrad Kujau als Ton-Dokumente.

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"Garantiert Echt", beteuert Bild.de in der Dachzeile zum Artikel "Die Tonband-Protokolle zu den gefälschten Hitler-Tagebüchern". Die Tonaufnahmen sollen Ex-stern-Journalist Gerd Heidemann in Gesprächen mit Tagebuch-Fälscher Konrad Kujau dokumentieren. 
In über 300 Gesprächen organisierten Heidemann und Kujau die Überführung der angeblichen Hitler-Bücher aus der damaligen DDR. Heidemann ließ ein Tonband mitlaufen, berichtet die Bild und veröffentlicht Auszüge der Gespräche zwischen April 1981 und Mai ’83.
Im April 1981 sollte die Lieferung eines zweiten Satzes über drei Bände organisiert werden. Die Gesprächsatmosphäre zwischen Heidemann und seinem Mittelsmann ist gelassen. Sie reden über Rückenschmerzen, die den Reporter plagen. Der Versand sei über Kujaus Schwester bereits geregelt, die Bücher seien unterwegs zum Reporter.
Zwei Jahre später sind die meisten Notizen Hitlers in Hamburg, schreibt Bild. Ein weiteres Telefonat soll den Verbleib der restlichen Bände klären. Obwohl es beim Telefonat nur noch um die Sache geht, sind die Parteien weiterhin in entspannter Stimmung. "Morgen, Sir! Grad hab ich dich anrufen wollen", grüßt Kujau seinen Abnehmer. "Ja, das ist schön, das hab ich geahnt", so Heidemann. Die Überlieferung der letzten Manuskripte scheint sich komplizierter herauszustellen, als die bisherigen. Kujau spricht von einem Container, auf dessen Öffnung er erst warten müsse. Heidemanns Antworten werden knapp. Immer wieder: "Ja". Kujau betont am Ende noch mal den Preis, den der stern zahlen müsse. "für 36"… An dieser Stelle steigt die Bild-Redaktion aus dem Gespräch aus.
Nur wenige Wochen nach diesen Gesprächen veröffentlichte der stern die Geschichte um die Hitler-Tagebücher. Wenig später folgte die Nachricht des Bundeskriminalamtes: Das Papier in den Büchern stamme aus unterschiedlichen Zeiten, auch aus der Nachkriegszeit, so das Fazit der Untersuchungen. Heidemann setzt sich sofort mit Kujau in Verbindung, konfrontiert ihn mit den Vorwürfen, dass es sich bei den Büchern um Fälschungen handelt. Der Journalist ist sichtlich nervös, glaubt offenbar nicht an die Schuld seines Mittelsmannes. Dieser kann die Aufregung kaum fassen. "Das kann doch nicht sein – verschiedene Zeiten zusammengeheftet!" Für Heidemann scheint die Stasi hinter den Fälschungen zu stecken.
Bild veröffentlicht ein letztes Telefonat vom 9. Mai 1983, in dem Heidemann angerufen wird. Der Reporter klingt bedrückt, gesteht im Telefonat seine Verzweiflung. "(…) Also, ich kann auch jeden Moment damit rechnen, dass sie mich deshalb verhaften, weil sie glauben, ich hätt’ das gefälscht", berichtet er Kujau. Kujau spielt weiter den Fassungslosen: "Ich kann mir nur eine Kugel in den Kopf schießen. Alles ist aus. Es gibt überhaupt keine Rettung mehr."
Die vorgebliche Aufdeckung des Jahrhunderts wurde zu Gruners Super-GAU, wie sich Sprecher Kurt Otto in einem Gastbeitrag bei MEEDIA erinnert.
Die morgige ZDF-Dokumentation "Die Jahrhundertfälschung" (Dienstag, 20.15, ZDF) befasst sich neben Heidemann und Kujau auch mit den Fälschungen selbst. In der Doku wird Hitler-Parodist Christoph Maria Herbst ("Er ist wieder da") aus den gefälschten Tagebüchern vorlesen.

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