Shopping2.0: Aldi Süd entdeckt das Web

Vor zehn Jahren standen die Menschen Schlange, wenn es einen neuen Aldi-Rechner gab. Die Fachpresse machte aus den Tests der Discounter-PCs sogar Titelgeschichten. Selbst im Web aktiv wurde der Discounter allerdings nie. Das ändert sich jetzt endlich. So startet Aldi Süd gerade eine erste Online-Offensive mit neuer Site, Facebook-Einbindung und großen Web-Werbedruck. Vor allem die Netz-Vermarktung dürfte den Regional-Verlagen den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

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Seit Jahren fährt der Discounter sein Engagement in der lokalen Print-Werbung schrittweise herunter. Ein Umstand, der viele Verlagsmanager schon länger beunruhigt und auch immer wieder gerne als Argument für Entlassungen herhalten muss. Jüngst geschehen bei den massiven Kürzungen in der Funke-Gruppe. So hieß es in einer internen Stellungnahme an die Mitarbeiter: “Unsere Anzeigenerlöse haben sich in den vergangenen fünf Jahren dramatisch verringert. Discounter werben immer weniger in der Gattung Tageszeitung, auch die Handelsbranche spart. Aldi prüft bereits in mehreren Regionen den Verzicht auf Printwerbung.”

Nach Meinung des Supermarkt-Bloggers und Medienjournalisten Peer Schader trifft dieser Vorwurf allerdings nur indirekt zu. Allerdings zittert die Branche trotzdem immer dann, wenn einer der großen Discounter beschließt neue Vermarktungswege zu prüfen.

Wie Horizont nun berichtet, testet Aldi Süd seit Anfang März Online-Anzeigen für Tagesangebote auf reichweitenstarken Websites wie Ebay, Gmx.de und Web.de. Testregion für die Web-Kampagne sind offenbar Baden-Württemberg und Bayern.

Die Anzeigen verlinken direkt auf die neue Webseite von Aldi-Süd. In gewohnt trögen Design gibt sie jetzt Hinweise zu Sonderangeben, Berichte zu Testergebnissen, eine Übersicht zum Sortiment und den Angeboten sowie Weiterleitungen zum Fotoservice und zu Aldi-Reisen.

Auch der neue Facebook-Auftritt wirkt noch wenig innovativ. Auf seiner Social-Network-Präsenz verspricht der Discounter schlicht „Informationen rund um unser Angebot“. Bislang konnten die Mühlheimer so über 11.600 Fans gewinnen, für einen Konzern mit dieser Größe und diesem riesigen Kundenpotential keine sonderlich beeindruckende Zahl. Allerdings ist die Site auch erst seit Anfang des Jahres online.

Was in Sachen Discounter und Social-Web möglich ist, zeigt dagegen Wal Mart. Der US-Rivale von Aldi hat längst alle seine Filialen mit eigenen Unterseiten bei Facebook vernetzt. Dadurch können die Kunden direkt mit dem Markt in ihrer Nachbarschaft sprechen. Die Läden selbst haben so die Möglichkeit Angebote, die speziell zu Zielgruppe und zur Region passen, via Facebook zu pushen.

So könnte ein Shopping2.0-Konzept aussehen. Davon ist Aldi Süd weit entfernt. Immerhin ist allerdings ein Schritt bereits getan.

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