Hildebrandts neue Web-TV-Entschleunigung

Web-TV muss schrill und schnell sein. Das mag man zumindest meinen, wenn man sich die erfolgreichsten Formate auf YouTube anschaut. Da wird getanzt, geschminkt und gesungen, was das Zeug hält. Deutschlands wohl bekanntester politischer Kabarettist Dieter Hildebrandt will dieses Bild stören. Am Montag ist sein neues Format Störsender TV gestartet, für das sein Team vorab bereits 150.000 Euro per Crowdfunding kassierte. Einstündiges Web-TV mit Paid Content? Kann das funktionieren?

Anzeige

Ausgestrahlt wird Störsender TV über YouTube. Rund 14.000 Nutzer schauten die ersten Folge, in der sich Dieter Hildebrandt, HG.Butzko, Hans Scharpf, Helge Peukert, Konstantin Wecker, Ecco Meineke, Dieter Hanitzsch und Sigi Zimmerschied zum Thema Finanzkasinokapitalismus auslassen. Man befasst sich nach eigenen Angaben mit der Frage nach Sinn und Gerechtigkeit und den Alternativen zum bestehenden System, “die Volkswirtschaftler abseits des Mainstreams eifrig diskutieren”.
###YOUTUBEVIDEO###
Ist Störsender.TV also nur eine Web-TV-Sendung? Nein. Zumindest nicht, wenn es nach dem Willen der Macher geht. Die verstehen das Projekt viel mehr als eine Art Web-TV-Plattform für Störenfriede – für NGOs, politische Journalisten, Kabarettisten, Bands und eben all jene, die nicht mit der gängigen Mainstream-Meinung einverstanden sind. Für kommende Folgen hätten bereits Georg Schramm und Roger Willemsen zugesagt, heißt es auf der Supporter-Seite der Crowdfunding-Plattform StartNext.
Dort konnten Hildebrandt und Co. bereits über 150.000 Euro für ihr Projekt zusammentragen. Je nach Höhe der gespendeten Summe bekommen Nutzer entweder vorgezogenen Zugang zur neuen Folge oder werden im Abspann genannt. Die Staffelung reicht von fünf Euro bis 9.999 Euro, für die man fortan als “Gründergottheit” in jedem Abspann genannt wird, in Reihe Eins bei einer Sondervorstellung der Münchner Lach- & Schießgesellschaft sitzt und ein 7-Gänge-Menü mit dem 85-Jährigen serviert bekommt.
Und was bekommt der Zuschauer bei Störsender TV serviert? Politisches Kabarett und Interviews mit Menschen, die gegen das Finanzsystem in seiner jetzigen Form protestieren, wie etwa der Anwalt Hans Scharpf, der mehrere Banken verklagt. Die Macher verzichteten bewusst auf eine Studio-Atmosphäre. Es wurde in Wohnungen, Lobbys und Kantinen gefilmt. Das schaut nicht immer hochwertig aus, auch die Tonqualität lässt hier und da zu wünschen übrig. Aber für ein Web-TV-Format scheint es zu genügen. Immerhin sind die alten Kabarett-Künstler vor ihren Bücherwänden eine willkommene Abwechslung zum ewig schrillen YouTube-Einerlei. Ob sich auf Dauer genug Störenfriede finden, um zweiwöchentlich eine neue Folge zu produzieren, muss die Zeit zeigen. Für 2013 sind insgesamt 20 Episoden geplant.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige