Ei, Ei: Burda hat G+J beim Umsatz überholt

Publishing Für Gruner + Jahr war 2012 ein  - wie soll man das nennen? - schwieriges Jahr. Minus 11 Mio. Euro unterm Strich - das ist nicht schön. Und jetzt muss sich der Hamburger Verlag von den Münchner Burdas auch noch vorrechnen lassen, dass er als Zeitschriftenhaus umsatzmäßig nur noch zweite Geige spielt. Und sonst: kein Grimme-Preis fürs Dschungelcamp, das Quoten-Bollwerk “Tatort”, eine lustig platzierte Anzeige für Herren-Windeln und: kein Wort über Kapuzenpullis.

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Der stolze Verlag Gruner + Jahr vom Hamburger Baumwall hat gar keine schönen Tage hinter sich. Erst die ganze Arie mit der Abwicklung der FTD, jetzt rote Zahlen in der Bilanz für 2012. Und nun muss sich das traditionsbewusste Haus, das gerne damit warb, der “größte Zeitschriftenverlag Europas” zu sein, auch noch vorhalten lassen, überholt worden zu sein. Nach Bekanntgabe der G+J-Zahlen veröffentlichte Burda Media im Intranet zeitig eine kleine Meldung, dass man umsatzmäßig nunmehr vor Gruner liege. Zitat aus dem Intranet Burdas: “Während die Umsätze von Gruner + Jahr im vergangenen Jahr gegenüber 2011 um 3,0 Prozent auf 2,22 Milliarden Euro gesunken sind, stiegen sie bei Burda im gleichen Zeitraum um 12,6 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro.” Bauer Media, das dritte große Zeitschriftenhaus der Republik, hat noch keine Zahlen für 2012 bekanntgegeben. Laut einer Prognose rechnen die Bauers mit rund 2,18 Mrd. Euro Jahresumsatz. Die News, dass Burda G+J beim Umsatz überholt, haben übrigens die Kollegen von media-tribune.de zuerst veröffentlicht. Interessanterweise ist der dort veröffentlichte Text zu 100 Prozent deckungsgleich mit der Meldung aus dem Burda-Intranet. Ein ganz kleines bisschen umschreiben, hätte man’s ja schon können …

Beim G+J-Mutterkonzern Bertelsmann fiel die Bilanz nicht so schlimm aus. Immerhin 619 Mio. Euro wurde unterm Strich eingenommen. Wobei laut SZ die Hausfrauen-Pornos der “Shades of Grey”-Reihe alleine 100 Mio. Euro Nettogewinn beigesteuert hätten. Das muss man sich mal vorstellen! Mitarbeiter des “Shades”-Verlags Random House haben wegen des Mega-Bestsellers laut Wall Street Journal 5.000 Dollar Prämie erhalten. Dazu passt dieser Tweet hier sehr schön: “50 Shades of Grey = 5.000 shades of green.” Wegen der grünen Farbe der amerikanischen Dollarscheine.

Diese Woche wurden die Gewinner des Grimme-Preises bekanntgegeben. Ganz viel ARD und ZDF, der “Tatortreiniger” bekommt nochmal einen und das Dschungelcamp ging leer aus. Der Untergang des Abendlandes konnte also einstweilen abgeblasen werden. Dabei verfielen die feinen Fernseh-Pinkel beim Grimme-Institut schon allein wegen der geradezu revolutionären Nominierung des angeblichen Trash-Formats schon in kollektive Schnappatmung. Grimme-Jurorin und Spiegel-Online-Redakteurin Hannah Pilarczyk schrieb nach der Preis-Entscheidung, warum es angeblich genau richtig gewesen sei, diesem Dschungelcamp keinen Preis zu geben: “Es ist Unterhaltung zu rein kommerziellen Zwecken, weder vorbildlich noch modellhaft, sondern konventionell und austauschbar.” “Konventionell und austauschbar”? Hat sie sich die vergangenen drei Staffeln Dschungelcamp angeschaut? Oder die zahlreichen Versuche der Konkurrenz, das angeblich “austauschbare” Format nachzuahmen? Liest man sich den Text der Grimme-Jurorin, dann entsteht der Eindruck, dass das Dschungelcamp nie eine Chance hatte zu gewinnen. Die Nominierung war offenbar nur dazu da, damit man mal ein bisschen aus der Marler Schnarchzapfigkeit aufgewacht ist.

Viel wurde diese Woche über das Phänomen “Tatort” räsoniert. Während sich die restliche Medienlandschaft und das Fernsehen sowieso immer weiter fragmentieren, steht der sonntägliche ARD-Krimi als Bollwerk im Quotensturm. Erst die Rekordquote für Til Schweigers Action-“Tatort”, dann stellte der Münster-”Tatort” am vergangenen Sonntag schon wieder einen neuen Rekord auf: 12,81 Mio Zuschauer. Egal, was man von dem einen oder anderen Sonntagskrimi-Gespann halten mag: Das schafft in dieser Kontinuität sonst kein zweites TV-Format in Deutschland. Jan Josef-Liefers, der im Münster-”Tatort” den bornierten Herrn Börne spielt, stellte nach Bekanntgabe der Quoten dieses Foto auf Instagram. Schön, dass sich einer so freuen kann.

Und hier noch ein kleiner auf Twitter gefundener Gag als Rausschmeißer zum Thema Fußball-Hools und Herren-Windeln (beachten sie bitte, dass an dieser Stelle keine abgeschmackten Witze über “dicke Eier” gemacht werden):

Frohe Ostern!

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