Horror-Jahr 2012: G+J mit 11 Mio Euro Miesen

Einen Tag nach der Konzernmutter Bertelsmann legt auch Gruner + Jahr seine Bilanz vor und die ist so schlecht wie erwartet. Nach Zinsen und Steuern ergibt sich unterm Strich für das Geschäftsjahr 2012 ein Jahresfehlbetrag von elf Millionen Euro. Im Jahr zuvor erwirtschaftete das Verlagshaus noch einen Überschuss von 160 Mio. Verantwortlich für das Minus sind die Einstellung der FTD, das schlechte Druck-Geschäft in den USA, die Krise in Spanien sowie Abfindungen und Anzeigenrückgänge.

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Das Geschäft mit Druckereien ist überall schwierig. Gruner machte besonders das Druck-Geschäft in den USA mit Brown Printing Probleme. In der aktuellen Bilanz ist eine Sonderabschreibung auf das Anlagevermögen von Brown Printing in Höhe von 37 Mio. Euro enthalten. Hinzu kommen die hohen Kosten für die Abwicklung der G+J Wirtschaftspresse, insbesondere die Einstellung der Financial Times Deutschland, das schwache, von der Wirtschafts- und Finanzkrise geprägte Verlagsgeschäft in Spanien sowie weitere Abfindungen für personelle Umstrukturierungen.
Auch das operative Ergebnis blieb deutlich unterhalb der Vorjahreswerte. So erreichte der Umsatz bereinigt 2,22 Milliarden Euro (2011: 2,29 Milliarden Euro), das Operating EBIT 168 Millionen Euro (2011: 233 Millionen Euro). In Deutschland hatte das Medienhaus mit Umsatzverlusten in den Anzeigenmärkten bei den Publikumszeitschriften zu kämpfen. Das Wachstum in China und bei der digitalen Vermarktung konnte diese Verluste nur teilweise kompensieren. Die Umsatzrendite lag im Berichtszeitraum bei 7,6 Prozent nach 10,2 Prozent im Vorjahr. 

Innerhalb des G+J-Managements wird 2012 sicherlich als Jahr des Umbruches gesehen. Im Herbst übernahm Julia Jäkel den Posten als Deutschland-Chefin. Die Hamburger haben gewiss alle negativen Sondereffekte und Abschreibungen wo es irgend möglich war in die aktuelle Bilanz reingepackt. Das Jahr 2012 soll als Annus Horribilis abgehakt werden und 2013 werden die Karten neu gemischt.
Immerhin: In China konnten G+J 2012 dank wachsender Anzeigen- und Digitalumsätze ein Rekordergebnis erzielen. Auch das Geschäft in Indien soll kräftig anziehen. Die Verlagsmanager betonen immer wieder, dass sie weiterhin ein operativ profitables Geschäft betreiben. Finanzvorstand Achim Twardy versichert den Kunden, den Mitarbeitern und der Konzernmutter Bertelsmann: „Gruner + Jahr wird auch in 2013 alles in Bewegung setzen, um ein starkes, zukunftsfähiges Medienunternehmen zu bleiben.“ Was G+J will ist klar, die Frage ist nun das "Wie". Für die drängenden Probleme des rückläufigen Anzeigengeschäfts und der lahmenden Digitalisierung des Unternehmens stehen überzeugende Antworten noch aus.

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