BGH: Kachelmann verliert gegen Bild.de

In den vergangenen Monaten lief es für Kachelmann gut vor Gericht. Vor dem BGH musste er nun eine Schlappe einstecken. Der Meteorologe unterlag Bild.de. Mit einer Unterlassung waren die Anwälte des Wettermoderators während des Vergewaltigungsprozesses gegen einen Bericht mit "intimen Details“ des Boulevard-Portals vorgegangen. In dem BGH-Urteil ging es aber auch um die grundsätzliche Frage, inwieweit Journalisten über das, was in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung gesagt wird, auch berichten dürften.

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Die Vorgeschichte: Kachelmann musste sich ab März 2010 gegen den Vorwurf der Vergewaltigung wehren. Bevor der entsprechende Prozess beginnen konnte, hatte der Focus bereits aus einer Vernehmung Kachelmanns vor dem Untersuchungsrichter berichtet. In dieser Aussage ging es auch Sexual-Praktiken. Über den Focus-Artikel berichtete damals auch Bild.de.

Gegen diesen Artikel gingen dann auch die Anwälte des Meteorologen vor, deshalb landete der Fall nun vor dem BGH. Allerdings wurde die betreffende Kachelmann-Aussage, die dieser vor dem Untersuchungsrichter gemacht hatte, später auch öffentlich während des Prozesses verlesen.  

Der BGH entschied nun, dass die Veröffentlichung der intimen Details in den Medien vor Prozessbeginn rechtswidrig war und das Persönlichkeitsrecht Kachelmanns verletzt wurde. Allerdings: Mit der öffentlichen Verlesung des Protokolls im Prozess wurden die Berichte über die Sexpraktiken von der Pressefreiheit gedeckt. Damit ist sein Unterlassungsanspruch gegen die Berichterstattung von Bild.de entfallen.

Der Fall landete vor dem BGH, weil im Februar 2012 das OLG Köln der Kachelmann-Klage noch stattgegeben hatte.

Dazu erklärte Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker: „Nur weil das Gericht die Öffentlichkeit nicht ausgeschlossen hat, heißt das nicht, dass die Prozessparteien, Zeugen und sonstigen Verfahrensbeteiligten auf den Schutz ihrer Privatsphäre verzichtet haben“, zitiert die Frankfurter Neue Presse den Kachelmann-Anwalt.

Nach Meinung des Kachelmann-Anwalts Matthias Siegmann, der den Meteorologen vor dem BGH vertrat, veröffentlichte Bild.de die Details jedoch nur, "um den Voyeurismus der Leser zu befriedigen”.

Springer wies diese Vorwürfe stets zurück. Immerhin stammen die kritisierten Darstellungen von Kachelmann selbst und seien vom Gericht in öffentlicher Verhandlung verlesen worden. Weiter sagte der Verlagsjurist Reiner Hall gegenüber AFP, dass der Artikel zudem bereits in der Überschrift darauf hingewiesen hätte, dass es sich um Indizien handele. Der Vorwurf einer aus dem Zusammenhang gerissenen Darstellung sei deshalb falsch.

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