Die Times und die peinliche Fußball-Ente

Die Familie des Emirs von Katar plant eine Art Club-WM im Wüstenstaat. Das vermeldete die Londoner Times vor etwa einer Woche. Schnell war die Nachricht auch auf anderen Seiten zu finden. Die Zeitung geriet derweil in die Defensive, denn kurz zuvor hatte eine französische Seite die gleiche Meldung als frei erfundene Satire veröffentlicht. Hatten die Briten etwas falsch verstanden? Offenbar, denn jetzt geben sie zu, falsch gelegen zu haben, auch wenn viele der Hintergründe weiter unklar bleiben.

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"Eklatantes Versagen von Journalismus", nennt Sportjournalist Jens Weinreich das, was bei der Times und anderen Medien in den vergangenen Tagen in Sachen "Dream Football League" Katar passiert ist. Auf seinem Blog verfolgte Weinreich schon sehr früh die Entwicklung rund um die umstrittene Geschichte. 
Was war passiert? Die Times berichtete am 13. März in einem dreiseitigen Exklusiv-Beitrag über die geplante "Dream Football League" in Katar. Dabei sollten ab 2015 im Zweijahresrhythmus 24 Topvereine aus der ganzen Welt in sechs Golfstaaten um ein Preisgeld von zwei Milliarden Euro spielen. Kurz zuvor hatte das französische Medium Les cahiers du football bereits in einem satirischen Beitrag über das Thema berichtet. Preisgeld, Anzahl der Vereine, ja sogar das Bild dazu: alles identisch. 
Und so dauerte es nicht lange bis nach der Veröffentlichung französische Leser die Times auf den entsprechenden Beitrag hinwiesen und spekulierten, man sei einem Hoax aufgesessen. Times-Reporter Oliver Kay stritt dies jedoch schnell via Twitter ab. Cahiers du football sei nicht seine Quelle. Die Franzosen wiederum antworteten, dass sie nichts von einer anderen Quelle wüssten und selbst alles frei erfunden hätten.
Die Times verteidigte ihre Geschichte weiter, andere Medien relativierten ihre Berichterstattung und versahen sie mir einigen Zweifeln. Die Sportbild löschte ihren entsprechenden sogar Beitrag ganz.
Die Franzosen schrieben kurz darauf noch einen Beitrag – auf Englisch – in dem sie sich auf die Thematik bezogen. Darin schreiben die Autoren: "Ok, lasst uns zugeben, wahre Informationen können die Folge von falschen Informationen sein. Rein durch Zufall oder als ein Auslöser. Ein Fußball-Club, der fälschlicher Weise mit einem Spieler in Verbindung gebracht wird, könnte sich Informationen über diesen einholen, ihn interessant finden und eventuell verpflichten." Allerdings betonen die Franzosen im Hinblick auf die Times-Geschichte: "Aber in diesem Fall hier scheint es um einiges eindeutiger."
Nun hat die Times zugegeben, mit der Meldung falsch gelegen zu haben: "Es gibt Zeiten, in denen alles, was du tun kannst, ist zuzugeben, dass du falsch lagst", schreiben sie in einem Beitrag. Allerdings habe man nicht von Les cahiers du football abgeschrieben. Die Times erklärt das Zustandekommen der Geschichte anders.
Demnach habe Autor Oliver Kay seit längerer Zeit einen Kontakt, der scheinbar aus dem Umfeld der aus Katar kommenden Besitzer von Paris Saint-German stammt. Über mehrere Monate habe dieser Kontakt den Time-Mann mit Informationen versorgt, die sich als wahr herausgestellt hätten. Diese Informationen habe er jedoch nicht benutzt, weil er sie nicht mit einer zweiten Quelle belegen konnte. "Wie auch immer, jedes Mal, wenn ein Tipp zu einen Fakt wurde, ein Element des Vertrauens wuchs", ist zu lesen. 
Im Fall der "Dream League" habe man mehrere Vereine angefragt, wovon einige mitgeteilt hätten, man habe von solchen Plänen bereits gehört. "Und das ist wo The Times einen massiven Fehler gemacht hat. Weil so viele bedeutende Personen im Fußball nicht über die Idee lachten, schien es, als sei die Geschichte wahr", schreibt die Zeitung. Vieles an der Katar-Geschichte habe plausibel geklungen.
Man habe nicht nur die Geschichte und den Reporter streng verteidigt, sondern ebenso eine Untersuchung durch den Ombudsmann eingeleitet. Abschließend heißt es, die Situatiuon sei ungewöhnlich, da normalerweise bei Falschmeldungen Anwälte involviert seien, Organisationen und Einzelpersonen Dementis ablegten. Dies sei im vorliegenden Fall nicht passiert.
Man hätte das Ganze daher auch aussitzen können, dies sei jedoch nicht die Art, wie die Times mit derlei Vorkommnissen umgehen wolle: "Wir wertschätzen unsere Reputation. Es wird nun Veränderungen geben in der Art, wie wir operieren und eine extra Portion Skepsis wird in unsere Arbeitsweise integriert sein." Eine Sache werde sich jedoch nicht ändern: Wenn etwas falsch sei, werde man es zugeben. Das Wort "sorry" taucht im Text jedoch nicht auf.

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