Justins Hamster und die stern-Verschwörung

Der US-amerikanische Popstar Justin Bieber musste diese Woche einen schweren Verlust verkraften: sein Ex-Hamster Pac ist gestorben. Nicht nur der dpa war das traurige Ereignis des prominenten Nagers eine Nachricht wert. Außerdem erschien erstmals der ganz und gar revolutionäre, neue stern. Jetzt endlich auch mit Reportagen und Fotografien. Außerdem: Liebe Kollegen wittern eine Pro-stern-Verschwörung bei MEEDIA und eine bizarre Enthüllung über Warren Buffet und Hubert Burda.

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Na, haben sie auch einen News-Alert-Push-Dingens auf ihr Smartphone-Gelöt gebimmelt bekommen als diese Woche ….nein, nicht diese Sache in Rom… viel wichtiger: Der ehemalige (!) Hamster vom Justin Bieber ist gestorben. Die Nachrichtenagentur dpa (das ist die, die nicht pleite ist) hat das Thema in ihrem Basisdienst und in ihren Weblines gemeldet: “Justin Biebers ehemaliger Hamster ist tot.” Als der Twitter-Nutzer @neuigkeitenchef sich darüber lustig machte, wurde es der dpa zu peinlich und man hat die Hamster-News schnell wieder gelöscht:

Aber wieso eigentlich? Für viele Qualitätsmedien war die Hamster-Meldung echtes Content-Gold. U.a. die Berliner Morgenpost hat berichtet, n-tv (ein Nachrichtensender), Bunte und auch der stern.

A propos stern. Da war doch diese Woche auch irgendwas … ach richtig: Chefredakteur Dominik Wichmann hat den ganz und gar revolutionär relaunchten stern, den er und die Redaktion “neu erfunden” haben in Hamburg vorgestellt. Der stern setzt laut Verlagsmitteilung jetzt in seinem Hauptteil auf “große Bilder, Reportagen, Portraits und Essays”. Es gibt “starke Fotografie, eindringliche Geschichten, nah an der Lebensrealität der Leser.” Donnerwetter. Alles wirklich ganz und gar revolutionär neu. Aber nun mal Spaß beiseite: Um den neuen stern möglichst vielen Lesern schmackhaft zu machen, wird die aktuelle Ausgabe für einen Euro am Kiosk ver…äh … kauft. Modell: vom Focus lernen. Das Fachblatt “dnv” hat nun ausgerechnet, dass der Verlag mit jedem verkauften stern dieser Woche abzüglich Steuer und Anteil für Handel und Grosso 8 Cent Verlust einfährt. Je mehr Leute den neuen stern also kaufen, desto größer wird der Verlust. Hallo?

Im letzten stern nach altem Strickmuster befasste sich die Titelgeschichte mit dem Bruder eines C-Promis, der mal alkoholkrank war und ein Buch darüber geschrieben hat. Im neuen stern nun finden sich u.a. ein Interview mit Michail Gorbatschow, der auch ein Buch geschrieben hat, und ein Report von und mit der Journalistin Maike Winnemuth die irgendwann bei Günther Jauch 500.000 Euro gewann und damit um die Welt düste. Ja, auch sie hat ein Buch darüber geschrieben, das nicht nur der neue stern promotet, sondern einen Tag vorher schon die Frauenzeitschrift Donna. Liebe, hoch geschätzte Print-Medien: Macht doch bitte künftig ein bisschen weniger Buch-Promotion und denkt Euch auch mal eigene Themen aus. Meint ihr, das geht?

So. Jetzt ist aber wirklich genug mit diesem unangebrachten stern-Bashing. Laut aktueller Twitter-Verschwörungstheorien von wuv-Mann Frank Zimmer und Michael Ziesmann sind wir hier bei MEEDIA nämlich bis zum jüngsten Tag dazu verdammt, den stern nur noch ganz, ganz toll zu finden, weil unser Ex-Chefredakteur neulich zu Gruner + Jahr gewechselt ist. Leider ist Herr Zimmer zu "schüchtern", das so auszusprechen. Kein Problem – dafür sind wir ja da!

Und falls Sie sich wundern, liebe Leser: Artikel wie “Anzeigenmarkt: stern verliert immer heftiger”, “Das verzögerte Lustmolch-Outing im stern”, “ProQuote fühlt sich von stern verprellt” u.v.m., die haben wir natürlich nur gemacht, um von dieser Pro-stern-Verschwörung abzulenken. Und alle Artikel, bei denen der stern irgendwie gut wegkommt haben wir nur geschrieben, um uns gepflegt einzuschleimen. Dass man einfach seine Meinung schreibt und einem neuen, großen Print-Projekt auch mit ein bisschen gutem Willen und Kredit begegnet – das kann ja nun wirklich nicht der Fall sein.

Wunderbares Wochenende!

PS: Aus der beliebten Rubrik Zwillinge, bei Geburt getrennt: US-Investment-Guru Warren Buffet, Meta-Verleger Hubert Burda.

Who is who?
Update: In einer früheren Version dieses Wochenrückblicks hieß es, die dpa hätte die Nachricht von Justin Biebers totem Ex-Hamster via Twitter versendet. Das war nicht korrekt. Die dpa hatte die Nachricht vom toten Hamster in ihrem Basisdienst und in ihren Weblines. Nachdem die Hamster-News von mehreren Twitter-Nutzern aufgespießt wurde, entschied man sich dort, die News wieder zu löschen und dies via Twitter zu kommunizieren. Laut dpa war der Hamster-text schon vorher dpa-intern sehr kritisch diskutiert worden. Der Wochenrückblick nun auch wurde entsprechend korrigiert. Sorry für das Missverständnis.

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