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Marina Weisband – It-Girl für Intellektuelle

Die Marina-Weisband-Festspiele in den Medien sind in vollem Gange. Vergangene Woche Titelstory im Zeit-Magazin, am Sonntag großes Interview in der Bild am Sonntag. In den kommenden Tagen diverse Talkshow-Auftritte bei Beckmann, Lanz und Illner. Der Grund ist, dass die Piraten-Politikern für ihr Buch “Wir nennen es Politik” trommelt. Einerseits versteht es Marina Weisband perfekt auf der PR-Klaviatur zu spielen, andererseits kokettiert sie mit Naivität. Und wickelt Medien um die Finger.

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Marina Weisband, wie sie sich in den Medien präsentiert, ist eine flüchtige, eine widersprüchliche Persönlichkeit. Auf ihrer privaten Website “Marinas Lied” ist alles ganz Schnörkel, ganz Mädchen, ganz Bleistiftzeichnung. Hier vermittelt sie Unbedarftheit und Naivität. Eine kleine Person, die mit hellem Geist und großen Augen in die weite Welt schaut.

Andererseits lässt sie sich in der Bild am Sonntag vom Promi-Fotografen Wolfgang Wilde als heißblütiger Tango-Vamp mit weiblicher Partnerin in Szene setzen. Fürs Zeit Magazin posierte sie vor Reichstag-Pappe und Bücherwand als eine Art It-Girl für Intellektuelle. Auf dem Cover ihres Buches “Wir nennen es Politik” (eine Anspielung auf den Bestseller “Wir nennen es Arbeit” von Sascha Lobo und Holm Friebe) kultiviert sie wiederum einen Fräulein-Rottenmeier2.0-Stil.

In ihrem Blog “Marinas Lied” hat sie bereits 2011 über sich und ihre Rolle in den Medien räsoniert. Sie beklagte sich darüber, dass sie als “schöne Politikern” auf ihre Rolle als Frau reduziert werde. Sie schrieb: “Natürlich ist das nicht nur ein Sexismus-Problem. Nein, es ist ein Auflagen-Problem. Medien sind Konsumgüter und befinden sich im Wettbewerb. Was sich am besten verkauft, wird gedruckt, oder gesendet. Ja, ja, das verstehe ich, und deshalb mache ich euch nicht mal persönlich einen Vorwurf, liebe Journalisten. Aber war es wirklich das, warum ihr Journalisten werden wolltet? Damals? Um bei einer neu aufkommenden politischen Bewegung, die überraschend viel Zulauf erfährt, über den Lippenstift der politischen Geschäftsführerin zu schreiben? Und nein, ehe hilfreiche Hinweise kommen: Ich werde mich nicht unauffälliger kleiden, oder mir die Haare kurz schneiden, oder mich nicht mehr schminken. Mich zu verbiegen, kann nicht die Antwort sein.”

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Sie muss sich auch gar nicht verbiegen – so wenig greifbar wie sie als Person scheint. Nicht nur die Demokratie ist bei ihr liquide, fließend, auch ihre Persönlichkeit. Wer sich vom Bunte-Haus-und-Hof-Fotografen Wolfgang Wilde für die Bild am Sonntag als rotlippige Tango-Sexbombe ablichten lässt, den dürfte eigentlich nicht überraschen, was dabei herauskommt. Die BamS teaste das Interview mit Pointen-Profi Weisband u.a. mit den Worten an: “Die Piratenpolitikerin rechnet mit den Streithähnen in ihrer Partei ab.” Auf Twitter kommentierte Weisband nach Erscheinen des Artikels: “Ich habe heute gelesen, dass ich anscheinend "mit der Parteiführung" abrechne.” Und: “Man erfährt nirgends so viel Neues über sich, wie in der Zeitung. :)” Naivität oder Koketterie – schwer zu sagen, kaum zu greifen.

Es gab schon einmal richtig Ärger zwischen Marina Weisband und den Medien. Der Spiegel brachte im November vergangenes Jahr eine Story über ein mögliches politisches Comeback der früheren Geschäftsführerin der Piratenpartei. Die Zitate, mit denen die Aussage des Artikels belegt wurden, seien verfälscht und aus dem Zusammenhang gerissen worden, beschwerte sich Weisband nach der Veröffentlichung. U.a. die Bild hatte aus dem Spiegel-Stück die leicht überdrehte Story von der “schönen Piratin”, die vielleicht ihre Partei rettet, zusammengeschraubt.

Und jetzt ließ sich Marina Weißband mit eben jener Bild ein, gab ein langes Interview inklusive Foto-Produktion. Und nach Veröffentlichung ist sie auf Twitter wiederum ganz erstaunt, was der Boulevard daraus macht. Auch eine Art von „Liquid Feedback“. Laut Zeit-Magazin stehen noch diverse Auftritt in Talkshows an: “Maybrit Illner” und “Markus Lanz” im ZDF, “Beckmann” in der ARD. Die übliche Promo-Ochsentour eines Medienprofis eben. Nur dass dieser Medienprofi keiner sein will.  Oder zumindest so tut.

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