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Journalismus als Gratis-Dienstleistung

Der freie Journalist Nate Thayer hat in den USA eine Debatte um die Bezahlung von Journalisten losgetreten. Hintergrund: Die renommierte Zeitschrift The Atlantic fragte ihn für einen Artikel für ihre Website an, wollte aber nichts dafür zahlen. Thayer war empört und machte den Mail-Verkehr mit dem Magazin öffentlich. Nun wird in US-Medien diskutiert, ob und unter welchen Umständen Journalismus zur Gratis-Dienstleistung verkommt. Die Debatte hat auch für die hiesige Medienlandschaft durchaus Relevanz.

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Nate Thayer hat sein viel beachtetes Posting vom Montag überschrieben mit “Ein Tag im Leben eines freien Journalisten  – 2013”. Im Wesentlichen veröffentlicht er darin eine Mailwechsel mit  Olga Khazan, der Chefredakteurin der internationalen Website theatlantic.com. Khazan fragt an, ob The Atlantic online ein langes Stück von Thayer übernehmen könne, in dem er die Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea anhand von Basketball analysiert. Der Text wurde ursprünglich von der auf Nordkorea spezialisierten Website NKNews.org unter dem Titel “25 Years of Slam Dunk Diplomacy” veröffentlicht.

Theatlantic.com hätte gerne eine kürzere Fassung gehabt, gab aber an, leider nichts dafür bezahlen zu können. Stattdessen warb Khazan damit, dass die Website 13 Mio. Leser pro Monat erreicht. Thayer verwies darauf, dass er von seiner Arbeit leben und seine Rechnungen bezahlen muss. Olga Khazan antwortete, dass theatlantic.com selbst für eigens recherchierte Geschichten nicht mehr als 100 Dollar zahlen könne und das Budget für den aktuellen Monat bereits ausgeschöpft sei.

Die Veröffentlichung des Mail-Verkehrs sorgte für eine Flut an Reaktionen bei Twitter und diverse weitere Artikel in US-Medien. Bei theatlantic.com selbst schrieb der dort angestellte Online-Redakteur Alexis C. Madrigal eine lange und lesenswerte Replik auf Thayer unter dem Titel “Ein Tag im Leben eines Online -Redakteurs – 2013”. Darin reflektiert er über den Zustand des Journalismus im Allgemeinen und den des Online-Journalismus im Besonderen: “Es hat sich die Konvention etabliert, dass Print-Anzeigen etwas sind, für das Leute den Betrag X zahlen und Digital-Anzeigen zu etwas geworden, wofür Leute 0,10 X zahlen.”

Während weniger für Anzeigen gezahlt wird, gibt es online stattdessen immer mehr zu lesen. Will heißen: der Wert der Inhalte fällt mit den Anzeigenpreisen. In ein ähnliches Horn stößt die Website Paidcontent.org. Dort schreibt Mathew Ingram, dass sich die Ökonomie des Schreibens” grundlegend verändert habe. Mittlerweile existiere eine fast unendliche Menge an kostenlosen Inhalten. Und das, was nicht gratis zur Verfügung gestellt wird, wird oftmals ab- und umgeschrieben vulgo: aggregiert. Praktisch alle Medien praktizieren diese Methode des Aggregierens heute. Die Website “Huffington Post” wurde damit groß und ist dafür bekannt, dass sie ihre Blogger generell nicht bezahlt.

Ingram verweist darauf, dass diese neue Ökonomie des Schreibens aber auch Vorteile biete. Autoren hätten heutzutage vielfältige Möglichkeiten, ihre Texte zu vermarkten. Als einziges Beispiel nennt er E-Books. Dass dabei das komplette unternehmerische Risiko bei dem einzelnen Autoren hängen bleibt, lässt er freilich unter den Tisch fallen. Das Rezept “dann veröffentlicht halt ein E-Book” scheint zu simpel, als das es eine zufriedenstellende Antwort auf die von Nate Thayer thematisierten Probleme freien und fest angestellten Journalisten sein könnte.

Madrigal bietet bei theatlantic.com stattdessen lieber gar keine Lösungsvorschläge an. Er weist darauf hin, dass die Medienwirtschaft schon immer “bizarr” gewesen sei. Magazine mit hoch bezahlten Redaktionen seien von Tageszeitungen subventioniert worden, als diese noch funktionierende Rubriken-Anzeigenmärkte hatten. Viele Magazine seien zudem von reichen Menschen gegründet worden, die in Kauf nahmen, moderate Verluste zu erwirtschaften. Selbst zur guten, alten Zeit sei das Medien-Geschäft hart gewesen. Madrigal schließt mit den Worten: “Die Branche ist nicht mehr das, was sie mal war. Andererseits war sie das für die meisten Leute noch nie.” Und er bedauert, dass er keine besser Antwort für Nate Thayer und seine Probleme hat. Was möglicherweise daran liegen mag, dass es gar keine Antwort gibt.

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