Springer-Bilanz: Digital überholt Zeitungen

Zeitenwende bei der Axel Springer AG: In der aktuell vorgelegten Bilanz für das Jahr 2012 erwirtschaften die digitalen Medien mit 1,174 Mrd. Euro erstmals mehr Umsatz als die deutschen Zeitungen (1,126 Mrd.). Während Digital um 22 Prozent zulegte, schrumpfte das Geschäft mit Zeitungen hierzulande um 3,3 Prozent. Insgesamt steht Springer gewohnt gut da - der operative Gewinn kletterte um knapp sechs Prozent auf 628 Mio. Euro. Der Gesamtumsatz stieg um knapp vier Prozent auf 3,31 Mrd. Euro.

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Unterm Strich blieben bei der Axel Springer AG 2012 knapp 348 Mio. Euro in der Kasse (Vorjahr.: 343 Mio. Euro). Der Wandel der Axel Springer AG vom Zeitungs- und Zeitschriftenverlag zum Digitalunternehmen wird in dieser Bilanz überdeutlich. Bisher waren stets die Zeitungen in Deutschland der größte Umsatz- und Ergebnisbringer. Wegen sinkender Werbeerlöse und sinkender Auflagen befindet sich das traditionelle Geschäft aber bereits seit geraumer Zeit im Sinkflug. Die digitalen Medien haben mit dieser Bilanz beim Umsatz die Zeitungen erstmals überflügelt – ein Trend, der sich in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken dürfte.

Beim Geldverdienen haben die inländischen Zeitungen trotz der Verluste noch knapp die Nase vorn: Die Zeitungen machten 2012 noch 256,1 Mio. Euro operativen Gewinn (EBITDA). Das dürfte sich aber schon in der nächsten Bilanz drehen. Trotzdem bleibt – wie stets – festzuhalten, dass die Zeitungen und Zeitschriften bei Springer immer noch sehr profitabel laufen und hervorragende Gewinne erzielen.

Was den operativen Gewinn betrifft, so haben die digitalen Medien bei Springer um satte 53,6 Prozent auf 242,9 Mio. Euro zugelegt. Andere deutsche Medienhäuser werden sich nach solchen Zahlen die Finger lecken. Wobei der Begriff “digitale Medien” bei Springer ein wenig in die Irre führt. Die Umsätze aus dem Digitalgeschäft kommen weniger von klassischen, journalistischen Medienangeboten, sondern aus der Vermarktung und von Anzeigen-Portalen. Hier ist Springer gut aufgestellt und wird sich wahrscheinlich noch verstärken. Der Konzern wird als möglicher Käufer der Scout-Gruppe gehandelt, die sich noch mehrheitlich im Besitz der Telekom befindet.

Angesichts dieser glänzenden Zahlen sei die Randbemerkung erlaubt, dass einem so proper aufgestellten und offensichtlich gut gemanagten Konzern wie Springer es gut zu Gesicht stehen würde, sich nicht so stark in Sachen Lobbyismus für das Leistungsschutzrecht zu engagieren. Der beste Beweis dafür, dass Medienunternehmen auch ohne diesen Unfug gut zurecht kommen, liefert Springer mit seiner Bilanz selbst.

Angesichts der Bilanz ist es kein Wunder, dass Vorstandschef Mathias Döpfner weiter aufs digitale Pferd setzt: “Wir wollen den digitalen Umbau des gesamten Unternehmens deutlich forcieren, um unsere Position als Vorreiter der Digitalisierung weiter auszubauen.” Springer wolle das “führende digitale Medienunternehmen werden”, so Döpfner. Für Deutschland dürfte er das Ziel schon heute erreicht haben.

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