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Horst Seehofer erlebt Facebook-Shitstorm

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zog gegen seinen Rivalen bei der kommenden Bayernwahl in seinem Wahlkreis her. Der Grund: Mahmoud Al-Khatib von der SPD zog "aus familiären und beruflichen Gründen" seine Kandidatur zurück. Seehofer verspottete ihn daraufhin auf Facebook, ohne die eigentlichen Hintergründe für den Rückzug zu kennen – die "sehr komplizierte Schwangerschaft mit zum Teil lebensbedrohlichen Begleiterscheinungen" seiner Frau. Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten.

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Es klang nach einem typischen Horst Seehofer-Satz, wie man ihn vom bayerischen Politik-Urgestein gewohnt ist: "Ich habe in meinem Stimmkreis noch gar nicht mit dem Wahlkampf begonnen und mein Gegenkandidat hat trotzdem schon aufgegeben. Das soll mir erstmal einer nachmachen", postete Bayerns amtierender Ministerpräsident auf seiner Facebook-Seite – und zwar persönlich, gezeichnet als "HS".

Zum Posting folgte eine Verlinkung zu einem Artikel von Welt Online. "Die SPD muss sich einen neuen Gegenkandidaten für Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Wahlkreis Neuburg-Schrobenhausen suchen", war da zu lesen. Der Grund: Herausforderer Mahmoud Al-Khatib zog seine Kandidatur "aus familiären und beruflichen Gründen“ zurück.

"Klares Dislike, Herr Ministerpräsident"

Was nun genau hinter diesen Gründen stecken mochte – Seehofer wusste es nicht, setzte aber trotzdem voller Siegesgewissheit sein Triumph-Posting am Montag um 14:26 Uhr ab. Nach einigen verbalen Schulterklopfern folgten die ersten kritischen Worte eines Users nicht mal zehn Minuten später.

"Wenn jemand aus familären und beruflichen Grünen auf eine Kandidatur verzichtet, sollte man damit auch respektvoll umgehen." Dafür gab es allein bis heute morgen über 50 Likes. "Berufliche oder gar familäre Gründe sollten bei Nichtberufspolitikern aber noch viel mehr bei Berufspolitikern nicht als Plattform für Wahlkampf oder Sonstiges dienen. Klares Dislike, Herr Ministerpräsident", meinte ein anderer Nutzer.

Seehofer-Herausforder Mahmoud Al-Khatib:  "Sie sollten sich schämen…"

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Einen Tag später brachte Mahmoud Al-Khatib dann selbst Licht ins Dunkel – und zwar direkt auf Horst Seehofers Facebook-Seite, als Kommentar auf den Post des bayerischen Ministerpräsidenten. Due Stellungnahme Al-Khatibs hatte es in sich:

"Meine hochschwangere Frau durchlebt eine sehr komplizierte Schwangerschaft mit zum Teil lebensbedrohlichen Begleiterscheinungen. Sie braucht mich JETZT und nicht erst nach der Wahl!!! Daher auch der Entschluss, mit sofortiger Wirkung zurückzutreten. Ich bitte inständig darum, dies zu respektieren. Wer sind Sie nochmal, Herr Seehofer ? Vorsitzender der CHRISTLICH Sozialen Union? Sie sollten sich schämen…"

Seehofer entschuldigt sich – und lässt Posting online

Der Wind drehte schnell: Auf Horst Seehofers Facebook-Seite entlud sich ein veritabler Shitstorm auf dem bayerischen Ministerpräsidenten. Kostproben: "Nein, mit "christlich" hat das wirklich nichts zu tun – ganz offensichtlich verliert die CSU im Wahlkampf auch noch ihr letztes bisschen Anstand." Oder: "Offene Freude über das Leid anderer…haben Sie überhaupt keinen Anstand Herr Seehofer?" Und: "Was für eine geschmacklose Entgleisung. Eines Ministerpräsidenten absolut unwürdig."

Immerhin: Seehofer reagierte verhältnismäßig schnell und antwortete binnen zweieinhalb Stunden unter sein Posting: "Sehr geehrter Herr Al-Khatib,
das tut mir aufrichtig leid! Ich habe mit großer Betroffenheit durch Ihr Posting von den Beweggründen Ihres Rückzuges und vom Gesundheitszustand Ihrer hochschwangeren Frau erfahren. Selbstverständlich hätte es von mir nie eine Bemerkung gegeben, wenn dies auch nur ansetzweise bekannt gewesen wäre. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie von Herzen alles Gute. Meine Gedanken sind bei Ihrer Frau. Horst Seehofer."

Der Schaden indes war angerichtet – die Nutzerkommentare richteten sich mit unverminderter Wut gegen bayerischen Ministerpräsidenten: "Jeder disqualifizert sich, so gut er kann. Der Herr Seehofer kann’s besonders gut", schreib ein Nutzer. Interessant: Anders als in vielen Fällen von Krisenkommunikation bei Unternehmen und Politikern üblich, blieb Seehofer im Shitstorm standhaft und löschte das verhängnisvolle Posting nicht einfach wieder. Bis am Mittwochmorgen war es weiter online.

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