Facebook: zunehmend uncool bei Teenagern

Trügerische Jubellaune bei Facebook: Am Wochenende feierte die deutsche Facebook Unit ihren fünften Geburtstag – so lange gibt es das weltgrößte soziale Netzwerk nun schon in deutscher Sprache. Doch statt Aufbruch-, könnte bald Abschiedsstimmung bei Facebook herrschen: Dem weltgrößten Social Network laufen zunehmend die Nutzer weg, berichten US-Blogs. Ausgerechnet die trendbewusste junge Zielgruppe wendet sich ab. Ist Facebook nach neun Jahren uncool geworden?

Anzeige

Ironische Abschiedsmails sind schwer in Mode. Groupon-Gründer Andrew Mason schrieb vergangenen Donnerstag vielleicht die beste dieser Art: "Nach viereinhalb wunderbaren und intensiven Jahren als Groupon-CEO habe ich mich dafür entschieden, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Kleiner Scherz – ich wurde gefeuert."
 
Vielleicht hatte sich Mason eine Woche zuvor auf Facebook in Sachen "Große letzte Worte" inspirieren lassen. Blake Ross, scheidender Produktdirektor des Social Networks, postete Folgendes: "Ich verlasse Facebook, weil ein Journalist vom Forbes Magazin den Freund seines Sohnes gefragt hatte, ob Facebook noch cool wäre und er das verneint hat. Mehr noch: Keiner seiner Freunde findet das mehr, selbst Leila nicht, die es immer geliebt habt. Dieses Stück Journalismus hat mich dazu veranlasst, die langfristigen Perspektiven des Unternehmens zu überdenken."

Facebook warnt selbst vor Exodus seiner jüngeren Nutzer

Es war als Witz gemeint, der einen Satz später mit den üblichen Phrasen von "einigen neuen Dingen", die Ross ausprobieren wolle, relativiert wurde. Doch einmal in die Welt gesetzt, entwickelte der laue Scherz wie so vieles im Netz eine Eigendynamik. Ross löschte sein Posting, doch das Techblog The Verge hatte es längst festgehalten.

Auch ohne Witz ist sich Facebook der Gefahr eines Exodus seiner jüngeren Mitglieder durchaus selbst bewusst: "Wir glauben, dass einige unserer Nutzer, vor allem die jüngeren, aktiv andere Produkte ausprobieren, die Facebook ähnlich sind oder es ersetzen könnten", hatte das Social Network selbst in seinem Geschäftsbericht des abgelaufenen Jahres erst im Januar hingewiesen.

Neue Rivalen Snapchat und Tumblr

Wie akut ist die Gefahr nun wirklich? Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren mit Instagram und Snapchat neue und schnellere mobile Konkurrenzprodukte entstanden, mit denen Inhalte, vor allem Fotos, einfach und unkompliziert geteilt werden können. Die gute Nachricht für Facebook: Es besitzt die beliebte Fotosharing-App Instagram seit einem Jahr.

The Verge zitiert den Mitbegründer des Startups Branch, Josh Miller, dessen 15-jährige Schwester über Facebook eine klare Meinung hat: "Sie versucht es so oft wie’s geht zu vermeiden." TechCrunch-Kolumnist Adam Rifkin hat unterdessen Tumblr als das bessere Facebook ausgemacht. "Tumblr ist Facebook 2.0!" ruft Rifkin den bereits 2007 gegründeten Mikrobloggingdienst zum neuen Rivalen des nach Google, Amazon und eBay viertwertvollsten Internetkonzerns aus.

Wie viel Wahrheitsgehalt im üblichen Social Media-Buzz des Silicon Valley tatsächlich steckt, sei dahin gestellt – die Debatte über die Zukunft ist zumindest losgetreten. Vielleicht hat Facebook ja schon selbst die passende Antwort parat: Am kommenden Donnerstag lädt man zu einem PR-Event – mit einer Überholung des Newsfeed eineinhalb Jahre nach der Einführung dürften nun  die größten Veränderungen an der Seite seit 2011 bevorstehen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige