App-Zeitung: VHB startet Handelsblatt Live

Publishing Es ist das wohl wichtigstes Projekt der neuen Handelsblatt-Führung um Geschäftsführer Gabor Steingart und Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs. Handelsblatt Live ist die erste deutsche digitale Tageszeitung, die drei Mal am Tag – nur auf dem iPad – erscheint. Seit dem heutigen Montag ist sie erhältlich. Der erste Eindruck: die Idee ist mutig, der Aufwand, den die Düsseldorfer betreiben ist immens. Allerdings überzeugt das Angebot bei der Übersichtlichkeit nicht wirklich.

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Die neue iPad-Zeitung bricht mit einer über viele Jahre gelernten Internet-Gewohnheit. Bei Online-Nachrichten gehört es zum Standard, dass die Nutzer auf einen Blick die wichtigsten Nachrichten erfassen können. Das ist beim Handelsblatt anders. Pate für die Umsetzung der App-Idee war eindeutig die gedruckte Version. Heißt: Die Nutzer bekommen von der Redaktion einen klaren Aufmacher präsentiert, der die gesamte Titelseite des neuen Angebotes dominiert. Was sonst noch wichtig ist, muss der Leser sich entweder "erwischen", in dem er durch die Ausgabe blättert oder er nutzt eine kleine Detail-Navigation am linken Rand. Die ist allerdings wenig leserfreundlich.

Trotzdem gehört Handelsblatt Live zu den spannensten und innovativsten Verlagsprojekten des ersten Halbjahres. Für die Düsseldorfer ist sie der wichtigste Baustein „der Initiative Neustart 2013“, die Steingart gerade erst mit dem Umbau der Verlagsgruppe ausgerufen hat. Obwohl sich der Verlag von rund 80 seiner 813 Mitarbeiter trennen musste, will der ehemalige Chefredakteur und Neu-Manager das Innovationstempo erhöhen.

Für Handelsblatt Live wird jetzt die gesamte Redaktion 24-Stunden am Tag im Einsatz sein. Wenn die Kollegen in Düsseldorf Feierabend machen übernimmt das frisch erweiterte Büro in New York. Morgends um 6 Uhr, Mittags und um 20 Uhr wird es jeweils eine komplett neue Ausgabe der iPad-Zeitung geben. Die 20 Uhr-Version wird dabei allerdings sehr viele Übereinstimmungen mit der gedruckten Zeitung des kommenden Tages haben.

Die Inhalte und die Themengewichtung wird sich im Laufe der Nacht allerdings schon wieder ändern. "Zwischen den einzelnen Ausgaben, fassen wir schon 20 bis 25 Artikel an“, sagt Katrin Elger, Redaktionsleiterin von Handelsblatt Live. Heißt: Neue Stücke kommen hinzu und ältere Texte werden aktualisiert.
 
Statt einer immerwährenden Aktualisierung setzt Handelsblatt Live auf feste Zeiten, zu denen den Lesern ein fertiges, abgeschlossenes Produkt geliefert wird. Dahinter stehen vor allem zwei grundsätzliche Überlegungen. Zum einen: "Die Informationsflut im Internet kann einen auch überfordern. Manchmal ist es ganz schön, wenn eine Lektüre eine erste und eine letzte Seite hat.“, erklärt Elger. Zum anderen glaubt die Redaktionsleiterin, dass es eine wichtigsten Aufgabe eines Journalisten sei „zu priorisieren. Wir sichten alle Nachrichten und sagen dann, was wirklich wichtig ist. Das ist der große Unterschied und unser großer Vorteil gegenüber dem Internet."
 
Von ihrer Zielgruppe haben die Macher klare Vorstellungen. "Unser Angebot wendet sich vor allem an zwei Gruppen: Neben den Lesern der Printausgabe sprechen wir vor allem wirtschaftlich interessierten Tablet-Nutzer an. Eine weitere Zielgruppe sind im Ausland lebende Deutsche.“

Im Vergleich zur Print-Version wird Handelsblatt Live günstiger ein. Für sieben Tage werden 9,99 Euro fällig und für 30 Tage müssen die Leser 39,99 Euro zahlen. Für digitalen Paid-Content trotzdem ein absoluter Premium-Preis.

Um überhaupt erst einmal Leser und Abonnenten zu gewinnen, wird die Verlagsgruppe Handelsblatt in Werbung investieren. So soll die Einführungskampagne, einen Anzeigenwert von über 2,5 Millionen Euro haben. Alle Motive stehen unter dem Claim „Journalismus für eine neue Generation“. Genau diesen wollen die Journalisten aus Düsseldorf, New York und den anderen Korrespondenten ab diesen Montag liefern – und das sogar drei Mal pro Tag.

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