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Über die Hälfte sitzt alleine vor dem Fernseher

Die Familie, die sich am Abend vor dem Fernseher trifft, um sich gemeinsam eine Unterhaltungsshow anzusehen - ein Bild, das nach Meinung vieler Experten allmählich in die Vergangenheit gehört und nicht mehr in die Gegenwart. Wie eine Studie der ZDF-Medienforschung zeigt, findet mittlerweile 67% der kompletten Fernsehnutzung allein statt - also ohne Gesellschaft. Vor 20 Jahren dominierte die gemeinsame Fernsehnutzung noch mit mehr als 50%. Es gibt sie allerdings noch: die TV-Events in Gemeinschaft.

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Im Verlauf der Jahre hat sich das Alleinfernsehen von weniger als 50% auf die inzwischen erreichten 67% Stück für Stück nach oben entwickelt. Mehr als 140 Minuten des täglichen Konsums finden allein statt, weniger als 80 in Gesellschaft. Besonders im Sommer dominiert laut der Studie, die in der Ausgabe 12/2012 der Fachzeitschrift Media Perspektiven erschienen ist, der Allein-Konsum. Die höhere Zahl an Freizeitmöglichkeiten sorgt hier offenbar für eine höhere Zersplitterung der Aktivitäten vor oder abseits des Fernsehers. Insgesamt unterscheiden sich die Zahlen im Laufe der Monate aber nur wenig, sie schwanken zwischen 64% im Januar und 69% in den Sommermonaten.

73% des Fernsehkonsums findet bei den 14- bis 29-Jährigen allein statt – der höchste Wert in allen Altersstufen. Am seltensten allein vor dem Fernseher sitzen erwartungsgemäß die 3- bis 5-Jährigen – hier schauen offenbar vor allem die Eltern mit. Immerhin 36% des TV-Konsums findet allerdings auch hier allein statt – das Bild vom Kind, das vor den Fernseher gesetzt wird, damit es ruhig ist, drängt sich hier auf.

Als Gründe für die Entwicklung sehen die Forscher verschiedene Faktoren. So ist zum einen die Haushaltsgröße geschrumpft. Lebten 1992 noch 2,25 Personen im deutschen Durchschnitts-Haushalt, waren es 2011 nur noch 2,01. So sank die Chance auf gemeinsames Fernsehen automatisch. Zudem hat die Zahl der Fernseher pro Haushalt im selben Zeitraum stark zugenommen – von 1,09 auf 1,46. Auch diese Tatsache sorgt fast automatisch dafür, dass mehr allein geschaut wird. Ebenfalls einen großen Einfluss auf die Entwicklung hat die Zahl der Sender: 15 Stück konnte ein Haushalt 1992 im Durchschnitt empfangen, 78 waren es 2011.

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Immer weniger Leute pro Haushalt besitzen also immer mehr Fernseher und ein viel größeres Senderangebot. Dass da das Fernsehen zunehmend zum Single-Medium wird, ist wenig verwunderlich. Doch das viel beschworene Lagerfeuer, an dem sich die Familie versammelt, ist noch nicht aus. Interessanterweise verlor der TV-Konsum in Gesellschaft nach Minutenzahlen in den vergangenen 20 Jahren nämlich nur leicht. Der Grund dafür: Die Menschen sehen insgesamt deutlich mehr fern. Man trifft sich also durchaus noch mit der Familie oder dem Partner vor dem Fernseher. Prozentual gesehen zwar seltener, zeitlich gesehen aber fast gleich oft wie vor 20 Jahren.

Neben den Kindersendungen, die Eltern gemeinsam mit dem Nachwuchs schauen, werden vor allem die Programme, von denen man das auch erwartet hatte, oft in Gemeinschaft geschaut: Fußball-Länderspiele, der "Tatort" und "Wetten, dass..?". Wie stark ein solcher gemeinschaftlicher Konsum noch sein kann, zeigt die Studie am Beispiel von Thomas Gottschalks Abschieds-Ausgabe von "Wetten, dass..?": 14,04 Mio. Menschen sahen im Dezember 2011 zu, 8,35 Mio. davon (59%) waren dabei nicht allein. Das TV-Lagerfeuer brennt also kleiner als vor 20 Jahren, aus ist es aber noch lange nicht.

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