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Plasbergs laues Hitler-Plauderstündchen

Hitler-Witze! Was für ein tolles Thema für eine Talk-Sendung! Und was für eine Enttäuschung in der Umsetzung. Bei der Ankündigung, dass Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ zum Thema „Hitler-Witze“ mit Titanic-Chefredakteur Leo Fischer, der CDU-Politikerin Erika Steinbach, Rudolf „das Gewissen“ Dreßler, Witze-Onkel Hellmuth Karasek und Komiker Oliver Pocher talken würde, da waren die Erwartungen an die Pointen-Dichte hoch. Sie wurden jedoch bitter enttäuscht.

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Eine Stunde und 15 Minuten talkten Frank Plasberg und seine Gäste über Hitler-Witze im Allgemeinen und Timur Vermes Bestseller „Er ist wieder da“, in dem Hitler in der heutigen Zeit auftaucht, im Besonderen. Zunächst einmal sollte man es begrüßen, dass in einer deutschen Talkshow mal wieder so lange über ein Buch debattiert wird. Und man konnte sich auch vorfreuen, dass mit Leo Fischer ein televisionär unverbrauchter und viel versprechender Gast eingeladen war.

Aber ach … Fischer sollte es sich nach dieser Sendung gut überlegen, ob er noch einmal in so eine Show geht. Es ist nicht zu empfehlen. Das Fernsehen ist nicht sein Medium. Seine distanzierten Späße und die ernsten Aussagen waren im TV schwer auseinander zu dividieren. Auch Plasberg bekam das nicht hin und regte sich einmal sogar fast richtig auf. Er und Pocher schienen sogar richtig stolz, dass sie das von Fischer gebrauchte Fremdwort Ambiguität (Mehrdeutigkeit) nicht kannten. Was für eine befremdliche Haltung. Zum Ende hin brachte es die Runde fertig, Fischers anfängliche, mehrdeutige, Aussage, die Titanic nehme Hitler ausschließlich wegen der positiven Effekte auf die Auflage aufs Cover („Das sind knallharte marktwirtschaftliche Interessen.“), eindeutig bierernst zu nehmen und als Vorwurf gegen ihn zu richten. Fischer behalf sich damit, dass er im weiteren Verlauf der Sendung meistens die Klappe hielt.

Hellmuth Karasek tat, was er schon neulich bei Jauch zum Thema Sexismus am liebsten tat: Er erzählte unwitzige Witze. Oliver Pocher versuchte so etwas ähnliches zu sein wie die Stimme der modernen Generation. Erika Steinbach fand Satire gegen Hitler im Prinzip Okay, Vermes Buch aber eher nicht und Rudolf Dreßler langweilte als das personifizierte schlechte Gewissen.

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Doch wo war der Autor des Buches, Timur Vermes? Keine Zeit, keine Lust, war er nicht eingeladen? Man hätte es gerne gewusst. Was ist mit Walter Moers und seinen lustigen Hitler Comics? Was ist mit den Internet-Verballhornungen der Bunker-Szene von Bruno Ganz in „Der Untergang“. Mit der genialen Synchronisierung einer Hitler-Rede mit dem Ton des Gerhard-Polt Sketches mit dem Leasingvertrag? Wo war „Schtonk!“, Helmut Dietls geniale Satire über die Fälschung der Hitler-Tagebücher. Das Genre Hitler-Witze ist doch viel vielschichtiger als nur „Er ist wieder da“. Das Thema hätte so viel mehr hergeben, als diese vertane Sendung geleistet hat.

Auch die humoristische Aufarbeitung von Hitler und den Nazis in Großbritannien wäre einen genaueren Blick wert gewesen, statt sich nur über ein paar alte britische Provinzler zu empören, die anlässlich eines Geschichts-Festivals in SS-Uniformen über die Straße flanieren. Erwähnt sei nur die großartige, sehr komische Episode „Don‘t mention the War“ der britischen Sitcom „Fawlty Towers“. Gegen Ende von „Hart aber fair“ sagte Oliver Pocher „Und nächste Woche diskutieren wir über den Erfolg von ,Shades of Grey‘ und was das über die Deutschen aussagt.“ „Gute Idee“, meinte Plasberg. Man traut es ihm mittlerweile zu, dass er das ernst meinen könnte.

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