„Einige versuchen Frauenquote auszusitzen“

„Ich will zum Start erst einmal erklären, warum wir so erfolgreich sind“. Mit klaren Worten eröffnet Vorsitzende Annette Bruhns die Bilanz-PK von ProQuote. Rund einem Jahr nach dem Start der Journalisteninitiative, hat sich tatsächlich einiges getan. Zwar ist das Ziel, bis zum Jahr 2017 mindestens 30 Prozent Frauen auf jeder redaktionellen Hierarchieebene zu installieren, noch lange nicht erreicht. Doch die Bilanz kann sich trotzdem sehen lassen.

Anzeige

„Wir haben die Quote zu einem Dauerbrenner in den Redaktionen gemacht. Das strahlt auch in andere männerdominierte Branchen aus, über die wir Medien schließlich berichten“, sagt Bruhns stolz.

Herzstück der bisherigen Tätigkeiten des Vereins ist noch immer die vor einem Jahr gestartete große Brief-Aktion, mit der ProQuote zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung getreten ist. Das Schreiben hatten 350 deutsche Journalistinnen aus allen Medien unterzeichnet. Seitdem ist die Zahl der Unterstützer auf mehr als 4.000 gestiegen. Von den Adressaten haben mittlerweile ein Viertel auf den Brief geantwortet. Die Bilanz dazu fällt allerding gemischt aus: „Wir haben einerseits greifbare Erfolge zu verbuchen. Überall sind mehr Frauen aufgerückt, auch in die Chefredaktionen – etwa bei der Berliner Zeitung, beim Wirtschaftsmagazin Impulse oder, gleich zu dritt, bei Bild, sagt Bruhns. „Andererseits versuchen immer noch einige Chefredakteure, unser Anliegen einfach auszusitzen.“

Damit meint die Spiegel-Redakteurin unter anderem die Chefredakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung. Beide Blätter hätten genau zwei Ressortleiterinnen, und damit einen Frauenführungsanteil von jeweils neun Prozent. „Wir konstatieren: Die kritische Haltung von SZ und FAZ wird unkritisch, wenn es um Chancengleichheit in den eigenen Häusern geht.“

Gelobt wurden hingegen die Bemühungen der Zeit. Die Wochenzeitung habe inzwischen einen Anteil von 30,4 Prozent Frauen in der Führung. Die Berliner Zeitung kommt sogar auf 40 Prozent. Auch die tageszeitung beweise seit vielen Jahren, dass Blattmachen keine „Männersache“ sei.

Eine besonders griffige Statistik hat ProQuote parat, wenn es um das Missverhältnis von Politik und Journalismus geht. Immerhin sind fast alle Parteien längst quotiert. Anders die Medien. So sei die Bundeskanzlerin in dieser Legislaturperiode von 206 Männern, aber nur von 21 Frauen interviewt worden. „Je höher ein Politiker im Rang, desto höher auch der Rang des ihn interviewenden Journalisten“, erklärte Bruhns. ProQuote engagiert sich auch dafür, dass bis 2017 mindestens 30 Prozent aller Kanzler-Interviewer Frauen sind.

Pro Quote vergiebt "Preise mit Gefühl"

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das bisher erreichte will die Initiative am morgigen Samstag auf einer großen Party feiern. Dort sollen auch drei „Preise mit Gefühl“ überreicht werden. Die Auszeichnungen gibt es für besondere Antworten auf den ProQuote-Brief. Für besonderen Mut gibt es den goldenen „Hahn im Korb“. Zur Ermutigung verleiht die Initiative den Sonderpreis „Sei kein Frosch“ und für besondere Feigheit gibt das „Hasenherz“.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige