Bewegtbild-Quote statt TV-Quote: Es wird Zeit

1,7 Mio. mal wurde die Amazon-Reportage der ARD inzwischen allein in der Mediathek des Senders angeschaut. Ein rekordverdächtiger Wert, der vor allem eins zeigt: TV-Sendungen erreichen längst ein riesiges Publkum abseits des herkömmlichen linearen Fernsehens. Problem: Die täglich veröffentlichten umfangreichen TV-Quoten ignorieren diese Tatsache bisher und spiegeln die Realität des Bewegtbild-Konsum längst nicht mehr wieder. Es wird höchste Zeit für die plattformunabhängigen Bewegtbild-Quoten.

Anzeige

1,7 Mio. mal wurde die Amazon-Reportage der ARD inzwischen allein in der Mediathek des Senders angeschaut. Ein rekordverdächtiger Wert, der vor allem eins zeigt: TV-Sendungen erreichen längst ein riesiges Publkum abseits des herkömmlichen linearen Fernsehens. Problem: Die täglich veröffentlichten umfangreichen TV-Quoten ignorieren diese Tatsache bisher und spiegeln die Realität des Bewegtbild-Konsum längst nicht mehr wieder. Es wird höchste Zeit für die plattformunabhängigen Bewegtbild-Quoten.

Es ist ja nicht so, dass die entsprechenden Unternehmen und Gremien das Problem nicht schon erkannt hätten – es geht nur einfach zu langsam. Zwar wollen AGF und GfK noch in diesem Jahr damit starten, auch die Abrufe von Online-Livestreams und -Mediatheken zu messen, doch mobile Geräte – wie Smartphones oder auch das iPad – bleiben nach aktuellem Stand weiterhin außen vor.

Wie komplex die Problematik der Zuschauermessung für Bewegtbild-Inhalte inzwischen geworden ist, zeigt allein ein Überblick darüber, auf welchen Wegen der Content heutzutage konsumiert werden kann: Neben dem linearen Fernsehen gibt es Festplatten-Rekorder, Mediatheken, Aufnahme-Services im Netz, Live-Streams der Sender und von Diensten wie Zattoo, Online-Videotheken, Services wie Sky Anytime, Angebote wie Youtube – und das alles auf zahllosen Geräten, technischen Plattformen und völlig zeitunabhängig.

Neben den technischen Problemen gibt es zusätzlich noch Diskussionen darüber, in welcher Form die Online-Zahlen in die ursprünglichen TV-Quoten eingerechnet werden können: Schaut jemand die Amazon-Doku eine Woche später in der Mediathek macht es ja z.B. wenig Sinn, die Zahl einfach zu den ursprünglichen TV-Zahlen hinzuzurechnen und damit die Marktanteile des stationären Fernsehens zu beeinflussen. Er hat sich in der Sekunde ja eben nicht für Das Erste und gegen einen anderen Sender entschieden. Und auch die für die Vermarktung der Werbebreaks relevante Zahl würde sich durch Mediatheken & Co. nicht erhöhen, da dort im Normalfall ja nicht die identische Werbung zu sehen ist wie im TV. Mehr Sinn würde daher machen, die TV-Zahlen unangetastet zu lassen und eine zusätzliche Bewegtbild-Einheit zu schaffen, in der die Gesamtzahlen der Sendungen – unabhängig von Sendern und Plattformen – ausgewiesen werden.

Auch aus einem anderen Grund ist es höchste Zeit für valide, unabhängig gemessene und vergleichbare Bewegtbild-Zahlen. Denn: Zwar haben inzwischen mehr als 1,7 Mio. Menschen die Amazon-Doku gesehen – doch im Durchschnitt offenbar nur jeweils 12 Minuten lang. Der mit der TV-Quote vergleichbare Durchschnitt läge also bei ca. 700.000 – und eben nicht bei 1,7 Mio. Derzeit werden einfach noch zu verschiedene Zahlen in einen Topf geworfen – auch damit wäre dann Schluss.

In den USA will Nielsen ab Herbst übrigens laut einem Bericht des Hollywood Reporters auch Zuschauerzahlen von Streaming-Diensten wie Netflix oder Amazon oder Konsolen wie X-Box oder Playstation messen und in die TV-Daten mit einberechnen. Eins ist klar: Die Messung von Zuschauerzahlen stand noch nie vor solch großen Herausforderungen wie jetzt. Will sie relevant bleiben, muss sie aber schnellstmöglich auf die Änderungen im Nutzungsverhalten reagieren.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige