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Neuer TV-Trend: Multi Rig Documentary

Ein neuer TV-Trend kommt nach Deutschland. RTL hat in der Entbindungsstation des Berliner Vivantes Klinikums mit den Dreharbeiten zu “Babyboom - Willkommen im Leben” begonnen. Dabei handelt es sich um eine Adaption der britischen Reihe “One Born Every Minute”, eine so genannte Multi Rig Documentary. Das besondere dabe: Automatische Kameras filmen rund um die Uhr. Das Ergebnis soll dann besonders authentisch sein. In Großbritannien hatte das Format großen Erfolg.

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Wenn man sich “One Born Every Minute” anschaut, das in England von Channel 4 ausgestrahlt wurde und gerade ein seine vierte Staffel geht, erkennt man auf den ersten Blick keinen großen Unterschied zu herkömmlichen Dokus. Den Unterschied nimmt der Zuschauer eher unterbewusst wahr: Es sind die vielen hoch emotionalen Szenen, die stimmige Dramaturgie – und alles mit dem Gefühl, das man hier trotzdem das echte Leben gezeigt bekommt und kein schlechtes Laien-Schauspiel von gecasteten Amateur-Darstellern. Multi Rig ist so etwas wie der Gegenentwurf zu den billigen Scripted Reality Reihen.

In England wurde “One Born Every Minute” bereits mit dem renommierten Fernsehpreis BAFTA ausgezeichnet und hatte bei der dritten Staffel über fünf Millionen Zuschauer. Das Geheimnis des Erfolgs liegt in der aufwändigen Machart. Bei so genannten Multi Rig Documentaries wird ausschließlich mit vollautomatischen und ferngesteuerten Kameras rund um die Uhr gefilmt. Das bedeutet: Kein TV-Team steht im Weg und kein besonderer Moment geht verloren.

Das bedeutet aber auch: Es ein ein enorm hoher technischer und personeller Aufwand nötig. Für eine Staffel “One Born Every Minute” wurden die Aufnahmen aus der englischen Geburtsklinik drei Wochen lang in drei Schichten pro Tag gesichtet. Jeder Raum war dafür mit mehreren Kameras ausgestattet, so dass jedes Ereignis gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven gefilmt wurde. Auf diese Weise kann später am Schneidetisch eine im wahrsten Sinne des Wortes echte Dramaturgie erzeugt werden. Eingestreut werden, wie bei solchen Dokus üblich, Interview-Ausschnitte mit Ärzten, Pflegern oder Patienten, die das Geschehen kommentieren.

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“One Born Every Minute” läuft mittlerweile auch erfolgreich in Frankreich und den USA. Wegen des großen technischen Aufwands und der teuren Produktion haben sich Sender hierzulande bisher nicht an eine Umsetzung des Formats für Deutschland gewagt. Bis jetzt. Die Produktionsfirma Shine, die auch das englische Original produziert, hat für RTL mit der Produktion begonnen. In der Entbindungsstation des Berliner Vivantes Klinikums sind nun 30 teils fest installierte, teils ferngesteuerte Kameras im Einsatz. Gesendet werden soll im Frühjahr oder Sommer.

Für den Sender bedeutet die aufwändige neue Reihe ein gewisses Risiko, gilt aber auch als Hoffnungsträger. Wie alle Sender ist auch Marktführer RTL dringend auf der Suche nach neuen, quotenstarken Formaten, da alte Hit-Formate wie Casting-Shows und Reality-Soaps deutliche Ermüdungserscheinungen zeigen. Bei Erfolg dürfte eine Fortsetzung und Ausweitung des Genres Multi Rig Documentary die logische Folge sein. In Großbritannien gab es bereits Multi Rig Documentaries, die den Alltag in einem Wohnhaus und in einer Schule im TV gezeigt haben. Für “Educating Essex” wurden an einer Schule 65 Kameras installiert. In Deutschland wäre dies allerdings nicht nicht ohne weiteres möglich. Im öffentlichen Raum Schule könnte kaum gewährleistet werden, dass während der Dreharbeiten keine Persönlichkeitsrechte von zufällig gefilmten Personen verletzt werden.

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