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„Raab muss noch sehr an sich arbeiten“

Stefan Raab als Moderator des Kanzler-TV-Duells? Darauf läuft es derzeit hinaus. Und so blicken Politik und Medien gespannt auf Raabs zweite Runde im Polit-Talk "Absolute Mehrheit". Die Quote brach ein und das Fachpublikum ist geteilter Meinung: Die WAZ bezeichnet Raab als "lustlos", der Berliner Kurier urteilt genau entgegengesetzt. Zeit Online sieht in Raab eine Bereicherung für das TV-Duell, laut taz reiche Raabs Performance für das Kanzlerduell sicher nicht.

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Bernd Gäbler kommentiert für stern.de: "Durchgängig wirkte Raabs zweiter Polittalk vor allem harmlos. Er wolle die Politik für junge Leute attraktiver machen, hat Raab sich auf die Fahne geschrieben. Dazu aber gehört mehr, als bloß das Naheliegende zu benennen. Natürlich ist er kein Intellektueller. Das muss er auch nicht sein. Aber nur ein bisschen Flottheit reicht eben auch nicht aus. Ein Polit-Talkshow-Moderator muss schon Wichtiges von Nebensächlichem trennen und auf Widersprüche in Argumentationen hinweisen können. Raab muss noch sehr an sich arbeiten."
Sonja Pohlmann kommt für den Tagesspiegel zu einem ähnlichen Ergebnis: "Nun könnte man annehmen, dass Raab vielleicht nur provozieren will. Ein solcher Versuch würde auch aufgehen, nur müsste der Moderator dann andererseits beweisen, dass er auch das Gegenteil kann: Substantielles abliefern. Vorgestanzte Politikerstatements entlarven. Aber diese Lieferung blieb Raab den Zuschauern und auch seinen Gästen schuldig."
Simone Schmollack bilanziert in der taz vor allem "Lamgeweile" und schreibt: "Da wäre mehr rauszuholen gewesen. Raab war gut vorbereitet, warum hat er das nicht genutzt? Für die Moderation des Kanzlerduells im Fernsehen reicht das sicher nicht."
Zu einem anderen Fazit komm Stefan Kuzmany bei Spiegel Online: "Was in anderen Polit-Talks mit heiligem Ernst anmoderiert und verhandelt würde, "kommt bei Raab locker daher, unverbraucht, mit frischen Gesichtern." Kuzmany weiter: "Nach dieser Sendung ist klar: Selbstverständlich hat Stefan Raab auch das Zeug dazu, mit am Tisch zu sitzen, wenn sich im Herbst Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) im Fernsehen um die Kanzlerschaft duellieren."
Auch Lisa Caspari von Zeit Online schreibt, dass Raab mit einer betont dreisten Direktheit "eine Bereicherung für das oft als dröge empfundene Kanzler-Duell sein könnte." Allerdings würde Raab auf seine gewohnte Art beim Duell verzichten müssen und "ohne seine Frotzeleien ist Raab nunmal nicht die Marke Raab." Zur Sendung meint sie: "Für Raab war es keine schlechte Sendung. Er war weniger nervös als beim letzten Mal, schäkerte nach links und rechts. Seine weiblichen Gäste machten mit."
Irene Helmes kommentiert auf süddeutsche.de: "Was bleibt also, lässt man die Aufregung im Umfeld außen vor? Keine schlechte Sendung. Keine revolutionäre Sendung. Einfach eine Sendung, die leider durch Aktionen wie die Schnellfragerunde gegen Ende doch noch genau den Klamauk nachlieferte, der erfreulich lange gefehlt hatte." 
Ingo Junat wirft Raab in der WAZ Lustlosigkeit vor: "Das Problem war weniger mangelnde Kompetenz als Lustlosigkeit. Nach der 550. TV-Total-Wok-WM-Turmspring-Stockcar-Poker-Box-Sendung hat man den Eindruck, Raab wisse selbst nicht mehr so recht, in welcher seiner trostlosen Fließbandshows er eigentlich steckt." 
Ganz anders die Meinung von Stefan Düsterhöft vom Berliner Kurier: "Mit der zweiten Ausgabe von ‚Absolute Mehrheit‘ gab der Entertainer eindeutig eine Moderations-Empfehlung für sich ab. Raab präsentierte sich gut informiert, hakte immer wieder kritisch nach und versuchte, Politiker-Worthülsen zu hinterfragen. Der Moderator hörte seinen Gästen zu, wirkte dabei hellwach und konzentriert. Als Zuschauer merkte man: Der Entertainer hat Lust auf politische Themen, auch wenn ihm hin und wieder noch etwas die Routine fehlt."

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