NDR untersucht Cascada-Song „Glorious“

Ist der Siegertitel des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Song Contest eine Kopie des Vorjahres-Siegertitels? Der NDR geht dem Vorwurf nun offiziell nach und hat ein musikwissenschaftliches Gutachten in Auftrag gegeben. Damit reagierte der Sender auch auf einen Bericht der Bild am Sonntag. Die Zeitung hatte das Lied ihrerseits von der Universität Kiel untersuchen lassen. Ergebnis: Die Ähnlichkeiten sind gravierend. Cascada selbst bestreiten die Vorwürfe und bekommen juristische Rückendeckung.

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"’Glorious‘ wirkt wie eine Kopie von ‚Euphoria‘ mit kleinen, raffinierten stilistischen Änderungen", zitiert die Bild am Sonntag die Phonetikerin Tina John. Viele Elemente der Lieder würden übereinstimmen. "Am Anfang ist der Gesang absolut identisch, der Refrain benutzt die gleiche Akzentuierung, der Schluss gipfelt in einer identischen Kombination. Die Sängerinnen benutzen sogar die gleiche Atemstylistik", so John.
Schon vor dem Vorentscheid vergangene Woche waren Plagiatsvorwürfe zu vernehmen gewesen. Brisant dabei: Sollte sich der Beitrag als Plagiat herausstellen, dürfte er nicht zum Eurovision Song Contest antreten. Der NDR lässt den Beitrag daher nun offiziell untersuchen. Thomas Schreiber, Unterhaltungschef des NDR, sagte dem Kölner Express: "Der NDR hat bereits am Sonnabend ein musikwissenschaftliches Gutachten in Auftrag gegeben, über dessen Ergebnisse wir informieren, sobald es uns vorliegt." 
Cascada selbst weisen den Vorwurf zurück. Unterstützung erhalten sie vom Rechtsanwalt Christian Solmecke. Der Song sei "weit von einer "Euphoria"-Kopie entfernt." Solmecke betont: "Beide Stücke weisen typische Elemente eines Dance Songs auf. Intro, Refrain und Überleitungen sind ähnlich aufgebaut. Die Harmonien und die Texte der Songs sind jedoch so weit voneinander entfernt, dass keinesfalls von einer illegalen Kopie zu sprechen sein dürfte."
Und weiter: "Im aktuellen Fall ähneln sich zwar der Gesang des Wortes Glorious und des Wortes Euphoria etwas, das reicht jedoch noch lange nicht aus, um von einer Kopie zu sprechen." Der Anwalt kritisiert auch, dass Medien sich auf die Darstellung in so genannter Waveform stützen. Damit könnten Lautstärken und die Anordnung einzelner Songelemente dargestellt werden. Eine Ähnlichkeit hier sei jedoch nicht "der für die urheberrechtliche Schutzfähigkeit maßgebliche kreative Teil." Es ließen sich im Dance-Bereich dutzende Waveformen finden, die in ihrem Aufbau dem Aufbau des Liedes Euphoria ähneln. 
Solmeckes Fazit: "In der Summe ist Glorious in dem Fall als eigenständiges Werk zu werten, das keine Urheberrechtsverletzung darstellt." Entscheidend wird nun sein, welchem Urteil sich die vom NDR beauftragten Wissenschaftler anschließen werden. 

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