„Ein maximal spannendes Heft abliefern“

Gut einen Monat nach Dienstantritt in München hat der Focus-Chefredakteur Jörg Quoos sich erstmals ausführlich geäußert. Gegenüber dem Fachdienst Horizont bekennt sich der neue Blattmacher ausdrücklich zu "Ratgeberfunktion und Nutzwertcharakter", der "DNA" des Fakten-Magazins, an welcher er nicht "rütteln" werde. Der ehemalige Bild-Vize kommt im Interview sympathisch und kompetent rüber, nach einer "Killer-Formel" für die Zukunftsstrategie allerdings sucht man vergebens.

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Quoos, Jahrgang 1963, macht mit vielen Statements deutlich, dass er ein seriöser und erfahrener Journalist ist und eben kein Dampfplauderer der Branche, bei dem alles ab sofort höher, schneller und weiter geht als bei den Wettbewerbern. Er tut gut daran, denn der Focus hat wechselvolle Jahre hinter sich und die Branche (sicher auch die Redaktion) von vollmundigen Ankündigungen genug.
Von daher macht der neue Chefredakteur in seinen Äußerungen eigentlich alles richtig. "Ich denke gar nicht daran, mich oder den Focus über eine Anti-Position zu einem Mitbewerber zu postionieren", sagt er etwa. Oder: "Ich möchte künftig aus der Redaktion eine Mannschaft aus Teamplayern machen, die in immer neuen auch ressortübergreifenden Konstellationen aufs Ziel stürmt." Quoos berichtet von den Erfahrungen der Wahlnacht in Niedersachsen, als der Focus eine 28-seitige Beilage im Tageszeitungstempo stemmte. Ihm selbst kommt dabei seine langjährige Erfahrung am "Balken" der Bild zugute, und eine solche Produktionssicherheit weiß das Team in München zu schätzen.
Dass er überdies Probleme mit der oft bemühten Vokabel des "Qualitätsjournalismus" hat, ehrt ihn. Er hat erkannt, dass viele dieses Wort vor allem benutzen, um andere auszugrenzen und abzukanzeln. Der Focus-Chef sagt: "Journalismus ist für ein Handwerk, das in allen Segmenten funktioniert." Quoos hat unbestritten Macherqualitäten, die er niemandem unter Beweis stellen muss.
Was aber sagt der Neue in München über sein Blattkonzept? Dass er "Ratgeberfunktion und Nutzwert-Charakter" als Bestandteile der Focus-"DNA" erhalten will, erscheint sinnvoll. Dass er die Parole zum "Mut zur längeren Strecke" im Heft ausgibt, ebenfalls. Dass er auf die Bedeutung politischer Themen für die Leser und damit auch für die Wahl der Titelstoffe betont, wird dem Verleger gefallen. Aber wird alles zusammen reichen, den Focus mittel- und langfristig abzusichern? Die Beobachter der Entwicklung der aktuellen Magazine wissen, dass gerade der Focus sich überaus schwer tut, mit einem politischem Cover zu bestehen; dafür gibt’s am Kiosk meist eine blutige Nase, wie auch er mit seinem Erstling über den angeschlagenen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück erfahren musste.
Quoos sagt: "Diejenigen Magazine werden eine Zukunft haben, die klar definieren, was wichtig ist." Das ist sicher richtig, aber auch recht nebulös. Wahrscheinlich ist dies auch dem gerade inthronisierten Redaktions-Boss bewusst, der seine Herausforderung im Interview wie folgt definiert: "Was ich machen kann, ist, ein maximal spannendes Heft abzuliefern."
So einfach und zugleich so schwer ist die Rolle des neuen Focus-Chefs. Und – was sollte er auch sonst sagen – er ist "überzeugt", ihr gerecht zu werden und gemeinsam mit Team und den unternehmerisch Verantwortlichen "die journalistischen wie kaufmännischen Ziele erreichen zu können". 

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