Die Kanzlerin und die Fastnachts-Hacker

Kandidat Peer hat’s schwer. Erst die Honorar-Debatte, jetzt der ultrafiese Hacker-Angriff auf sein armes Peerblog. Aber die Kanzlerin hat’s auch nicht leicht. Karnevalistisch motivierte Hacker haben an Weiberfastnacht offenbar die Webadresse www.angelamerkel.de gekapert - aber (fast) keiner hat’s gemerkt. Jetzt muss Merkel Steinbrück nur noch ihr “volles Vertrauen” aussprechen und er ist komplett erledigt. Und Markus Lanz dokumentierte am Dienstag, wie kompliziert das mit dem Du im Deutschen ist.

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Mensch Peer! Hacker-Angriffe sollen dafür verantwortlich sein, dass das allzu vollmundig gestartete Peerblog nun schon wieder von der Bildschirmfläche verschwunden ist? Kommt einem seltsam bekannt vor. Es soll ja Firmen geben, in denen gewisse Techniker auch gerne von “Hacker-Angriffen” murmeln, wenn sie mal wieder nicht wissen, warum die Website zickt. Auch beliebt: Da muss die Telekom irgendwo (!) ‘ne Leitung aufgebaggert haben. Aber auch wenn es wirklich die bösen Hacker waren und die anonymen Großspender dem Peerblog keine “CIA-mäßige” (Peerblog-Macher Steinkühler) Firewall spendieren wollten: Musste das denn nun wirklich auch noch sein? Musste SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück nach der ganzen Fettnäpfchen-Arie mit Bochum-Honorar, Kanzlergehalt-Debatte und Eierlikörgate auch noch ein Blog von anonymen Spendern finanzieren lassen. Und dann hat er sogar noch zu Protokoll gegeben, er wisse auch nicht, wer das Ding finanziere, das seinen Namen trägt. Ei, ei, ei.

Aber auch “Mutti”-Merkel hat so ihre Probleme mit diesem Interdings. Wer am gestrigen Donnerstag (Weiberfastnacht!) in seinen Browser www.angelamerkel.de eintippte, bekam dies hier zu sehen:

Oben im Browser prangte das SPD (!) Icon und es war zu Lesen: “Geschlossen wegen Weiberfastnacht”. Die Adresse www.angela-merkel.de funktionierte dagegen tadellos un-karnevalistisch. Heute, einen Tag später, leitet www.angelamerkel.de wieder brav um auf www.angela-merkel.de. Die Weiberfastnacht ist offenbar auch im Kanzleramt vorbei und die Hacker kurieren ihren Kater aus. Merkwürdig nur, dass die närrische angelamerkel.de-Adresse ohne Bindestrich auf einen gewissen Victor Stoilov aus Odessa registriert ist. Die angela-merkel Adresse mit Bindestrich hat dagegen ganz brav die CDU Bundesgeschäftsstelle registriert. Das kann noch ein lustiger Web-Wahlkampf werden.

A propos Kanzlerin. Frau Merkel hat ihrer Freundin Annette Schavan in dieser Sache mit den Abschreibereien in deren Doktorarbeit von vor 30 Jahren diese Woche ja das “volle Vertrauen” ausgesprochen. Autsch! “Volles Vertrauen” der Kanzlerin – das bedeutet soviel wie „sehr schnell weg vom Fenster“. Thorsten Denkler hat das bei sueddeutsche.de schön beschrieben. Auch die Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung und Karl Theodor zu Guttenberg bekamen von der Kanzlerin das “volle Vertrauen” ausgesprochen. Kurz danach wegen sie weg. Und auch ein gewisser Christian Wulff genoss das “volle Vertrauen” der Kanzlerin. Wir wissen, wohin das führte.

Markus Lanz hat am Dienstagabend eine bemerkenswerte Sendung im ZDF gemacht. Zum einen, weil er dort dem katholischen Salon-Fundamentalisten Martin Lohmann erfreulich hartnäckig Paroli bot. Zum anderen, weil er ihm vor laufender Kamera die Anrede “Du” verweigerte. Das war jetzt weniger wegen Lohmanns rückwärtsgewandter Thesen interessant, sondern weil es diese ganze Du-Sie-Problematik im Deutschen so trefflich illustrierte. Lanz führte einige der Gäste mit einem vertrauten “Du” ein (“Schön, dass Du da bist.”) Für Lohmann wählte er in der Begrüßung das “Sie”. Lohmann allerdings duzte Lanz zurück und sprach ihn auch immer wieder mit Vornamen an (“Markus, Du weißt doch genau, dass …”). Als Lanz ihn daraufhin erneut siezte, sprach Lohmann das offensiv an. Ob sie nun weiter per Du seien oder wieder per Sie. Lanz sagte, dass er es bei solch einer schwierigen Diskussion (es ging um die “Pille danach” bei Vergewaltigungen) für angebracht halte, beim “Sie” zu bleiben um eine gewisse Distanz herzustellen. “Das hilft uns beiden”, sagte er und: “Lass’ uns mal beim Sie bleiben.”

Im späteren Bild-”Verhör” gab Lohmann zu Protokoll, dass das “Sie” nur für die Sendung gegolten habe, danach hätten er und Lanz sich wieder geduzt. Ganz schön kompliziert. Da haben es die Engländer mit ihrem „You“ sehr viel einfacher!

Ich wünsche Ihnen, bzw. Euch ein wunderbares Wochenende!

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