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Presserat-Bilanz: 1.500 Beschwerden in 2012

Etwas wilder als 2011 und leicht ruhiger als 2010: Der Deutsche Presserat zieht eine erste Bilanz für das gerade abgelaufene Jahr. So beschwerten sich 2012 rund 1.500 Leser über mögliche Verstöße gegen den Pressekodex. 2011 zählten die Berliner noch 1.323 Bitten nach einer presserechtlichen Überprüfung. 2010 waren es 1.661. Am häufigsten regten sich Leser über das Papstcover der Titanic (180 Beschwerden) und eine Bild-Kolumne von Franz-Josef Wagner (70 Beschwerden) zum Thema Homosexualität auf.

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Zudem sorgten vor allem zwei Stücke über Thilo Sarazin, eine taz-Kolumne und ein FR-Kommentar für einen erhöhten Blutdruck bei manch einem Leser. "Die Fälle wurden in der Medienbranche, aber auch in der Öffentlichkeit insgesamt ausführlich diskutiert", kommentiert die Sprecherin des Presserates, Ursula Ernst. "Wie weit darf die Presse gehen, wo endet eine Kritik, wo beginnt eine Diffamierung? Solche ethischen Diskurse anzustoßen, ist eines unserer Hauptanliegen."
Grundsätzlich ist die Zahl der Leser-Anzeigen mittlerweile weit höher, als noch vor Jahren. 2007 wendeten sich beispielsweise nur 735 Leser an die Medienwächter. "Die Anzahl der Beschwerden hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt", sagt Ernst. Dies sei jedoch kein Anzeichen für eine verminderte Qualität der Berichterstattung. Tatsächlich wurden prozentual gesehen nicht mehr Sanktionen ausgesprochen als in den vergangenen Jahren. "Es zeigt jedoch die gestiegene Relevanz des Presserats in der Leserschaft, die sich mit der Qualität der Presse kritisch auseinandersetzt."
Insgesamt prüften die Medienwächter im vergangenen Jahr 670 Fälle. Daraus resultierten 17 öffentliche Rügen, fünf nicht-öffentliche Rügen, 51 Missbilligungen, 91 Hinweise, 24 begründete Beschwerden, die allerdings keine  Maßnahmen nach sich zogen und 220 unbegründete Beschwerden.
Am häufigsten empörten sich die Leser über Regional-und Lokalzeitungen (436 Fälle), gefolgt von den Publikumszeitschriften (320 Fällen). Für die Boulevardzeitungen nennt die Statistik 198 Fälle. Nur ganz wenige Beschwerden erreichten den Presserat gegen Wochen- und Sonntagszeitungen (26), Fachzeitschriften (11) und Nachrichtenagenturen (3).

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