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Frankreich: Google zahlt 60 Millionen Euro

Google und die französischen Presseverleger haben eine Einigung erzielt. Der US-Konzern wird einmalig 60 Millionen Euro zahlen. Dieses Geld wird jedoch nicht an die Verlage fließen, sondern in einen Fonds, der den Online-Journalismus in Frankreich generell unterstützen soll. Außerdem soll die „Partnerschaft“ in Sachen Anzeigen vertieft werden. Springer-Lobbyist Christoph Keese kritisiert, Google tarne die Übereinkunft als Partnerschaft: "In Wahrheit wird für Snippets gezahlt, um Gesetze zu vermeiden."

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"Google hat zugestimmt, einen 60 Millionen Euro schweren ‚Digital Publishing Innovation Fund‘ einzurichten, der dabei helfen soll, transformative Initiativen zur digitalen Veröffentlichung für französische Leser zu unterstützen", schreibt Google-Manager Eric Schmidt. Außerdem werde man die "Partnerschaft" mit französischen Verlagen vertiefen, um ihnen zu helfen, durch Googles Anzeigen-Technologie die Online-Einnahmen zu erhöhen.
Was genau man sich darunter vorzustellen hat und wie die Fonds-Gelder verwendet werden, ist bislang noch nicht bekannt. Berichten zufolge wird ein Gremium mit Vertretern von Google, den Verlegern und der französischen Regierung darüber entscheiden, wie die Gelder genutzt werden.
Mit dieser Übereinkunft dürften in Frankreich die Pläne für ein Leistungsschutzrecht zunächst einmal vom Tisch sein. Anders als in Deutschland verhandelten hier Verleger und Google direkt miteinander, der Staat wollte nur eingreifen, wenn es zu keiner Einigung gekommen wäre. Vor kurzem hatte Google ein Angebot in Höhe von 50 Millionen Euro gemacht, was die Verleger jedoch ablehnten. Ein Grund: Ähnlich wie bei der Abmachung in Belgien sollten offenbar vor allem Gelder im Tausch für Werbung fließen. Stattdessen hat man sich nun also auf einen Fond geeinigt.
Frankreichs Präsident François Hollande betonte bei der Bekanntgabe des Deals: "Es ist besser, eine Vereinbarung zu haben als ein Gesetz." Via Twitter kommentierte Springer Chef-Lobbyist Christoph Keese den Deal und warf Google Täuschung vor. Er schrieb: "Google verkleidet Deal in Frankreich wie schon in Belgien. Eine Camouflage. In Wahrheit wird für Snippets gezahlt, um Gesetze zu vermeiden."
Google-Sprecher Kay Oberbeck konterte, ebenfalls auf Twitter: "So ein Blödsinn! Google zahlt nicht für Snippets, weder in Frankreich noch in Belgien"
In seinem Blog schrieb Christoph Keese: "Da weder Details noch Bedingungen dieses Fonds genannt werden und er in überaus auffälliger zeitlicher Nähe zum französischen Ultimatum steht, darf getrost davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Einmalzahlung als Ausgleich für Nutzung von Inhalten in der Vergangenheit handelt." Mit dem Fonds könne man unauffällig direkte Zahlungen an Online-Redaktionen erwirken.
Im Hinblick auf die von Google angekündigte Partnerschaft in Sachen Online-Werbung schreibt der Springer-Mann: "Eine einmalige Zahlung von 60 Millionen Euro wäre ein schlechtes Geschäft für die französischen Verlage gewesen." Die Ankündigung besagte jedoch, dass Google die Werbeumsätze der Verlagswebseiten mithilfe seiner Technologie steigern wolle. Dies gelinge "indem Links und Snippets besser als bisher positioniert werden und Verlage einen eingebauten Vorsprung bei der Suchmaschinen-Optimierung bekommen." Keese weiter: "Aus Sicht der französischen Verleger ist diese Lösung so gut wie Bargeld."

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