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Rabe setzt auf „akquisitorisches Wachstum“

Mit der Billigung eines teilweisen Verkaufs der RTL-Mehrheitsbeteiligung hat der Aufsichtsrat von Bertelsmann die Weichen für den von Vorstandschef Thomas Rabe forcierten Konzernumbau gestellt. Für Zukäufe dürfte sich dadurch das Budget des Managements spürbar erhöhen, allerdings kann das Bekenntnis von Rabe zur Zukunftsfähigkeit der Fernsehsparte nicht eins kaum verhindern: dass nun darüber spekuliert wird, ob Bertelsmann der RTL-Group langfristig hohes Wachstum nicht mehr zutraut.

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Als "Lokomotive, die den ganzen Bahnhof zieht" war der Fernsehbereich der Gütersloher oft beschrieben worden. Doch vor allem im vergangenen Jahr wurde deutlich, dass die Marktanteile von RTL bröckeln. Auch in der TV-Sparte scheint der digitale Umbruch erste Spuren zu hinterlassen, mit noch ungewissen Konsequenzen für die Standfestigkeit des Geschäftsmodells. Vor diesem Hintergrund scheint die Konzernspitze bemüht zu sein, dass ein möglicher Anteilsverkauf nicht als Zeichen von Wankelmütigkeit interpretiert werden könnte. Im Bertelsmann-Intranet veröffentlichte Gütersloh ein Interview mit Thomas Raabe über die Hintergründe der Entscheidung, das hier im Wortlaut wiedergegeben wird:
Warum erwägt Bertelsmann den Verkauf von RTL-Group-Aktien?
Thomas Rabe: Der Bertelsmann-Aufsichtsrat hat uns grundsätzlich grünes Licht gegeben, einen solchen Schritt zu gehen, der Vorstand hat aber noch keine finale Entscheidung getroffen. Die mögliche Abgabe von RTL-Group-Aktien wäre ein Baustein zur Finanzierung der langfristigen Konzernstrategie. Diese vollzieht sich entlang der vier strategischen Stoßrichtungen Stärkung des Kerngeschäfts, digitale Transformation, Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen und schließlich regionales Wachstum in aufstrebenden Märkten. Bertelsmann soll in den nächsten Jahren wachstumsstärker, digitaler und internationaler werden. Die geplante Transaktion würde den Rahmen dafür schaffen.
Warum würde Bertelsmann eine qualifizierte Mehrheit von ungefähr 75 Prozent an der RTL Group behalten?
Wir glauben weiter fest an die Zukunft des Fernsehens und an die RTL Group. Die RTL Group ist und bleibt ein sehr erfolgreiches Kerngeschäft von Bertelsmann und eine starke Säule unseres Portfolios. Wir unterstützen die Strategie der RTL Group und deren Management bei der Weiterentwicklung des Unternehmens. Bertelsmann würde auch im Falle eines Verkaufes von RTL-Anteilen weiterhin eine deutliche Mehrheitsbeteiligung von ungefähr 75 Prozent an der RTL Group halten. Bertelsmann ist von der langfristigen Attraktivität des TV- und TV-Produktionsgeschäfts überzeugt. Als größter Unternehmensbereich von Bertelsmann leistet die RTL Group maßgebliche Beiträge zum Ergebnis und zum Cash Flow und verfügt über vielversprechende Geschäfts- und Wachstumsmöglichkeiten.
Warum gibt es eine Abkehr zur früher geplanten Aufstockung?
Wir haben stets betont, dass für uns eine Veränderung der Beteiligungshöhe in beide Richtungen vorstellbar ist. Von daher steht unser Vorhaben, wenn wir es umsetzen sollten, im Einklang mit unserer bisherigen Position.
Wäre auch eine weitere Reduzierung auf 50,1 Prozent denkbar?
Nein.
Gilt die 100-Prozent-Regel für Bertelsmann-Unternehmensbereiche nicht mehr?
Wir haben immer betont, dass eine 100-Prozent-Beteiligung kein Dogma ist, sondern strategisch wie finanziell begründet sein muss. Durch die strategische Neuausrichtung und mit dem Ziel, das Portfolio von Bertelsmann breiter aufzustellen, erwägen wir eine Reduzierung unserer Beteiligung an der RTL Group. Der Führungsanspruch von Bertelsmann bei der RTL Group bliebe dadurch unberührt.
Warum ist die RTL Group ein attraktives Investment?
Die RTL Group ist Europas größter Unterhaltungskonzern mit einer seit Jahren exzellenten operativen Performance und einem erprobten digitalen Geschäftsmodell. Die Gruppe ist an 54 TV-Sendern beteiligt und verfügt mit Fremantle Media über eine globale Aufstellung im Bereich TV-Produktion.
Plant Bertelsmann mit dem möglichen Erlös Akquisitionen und wenn ja, in welchen Bereichen?
Die Strategie von Bertelsmann soll auch durch akquisitorisches Wachstum umgesetzt werden. Zu unseren definierten Wachstumsplattformen zählen beispielsweise das Musikrechtegeschäft, der Bereich Bildung sowie Information Services, E-Commerce etc.  

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