FR-Verkauf läuft auf Minimallösung hinaus

Eine Rettung im großen Stil wird es für die Frankfurter Rundschau nicht geben. Zwar verhandelt Insolvenzverwalter Frank Schmitt weiter mit Interessenten, auch über den Stichtag 31. Januar hinaus. Doch um mehr als die Übernahme der Titelrechte und 30 bis 50 Redakteure dürfte es nicht mehr gehen. Kommt die FS-Medien zum Zuge, die auch die Frankfurter Neue Presse herausgibt, dann läuft es auf eine Minimallösung hinaus. Verdi kritisiert derweil den "desaströsen Fehler", die FR in die Insolvenz zu führen.

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Laut einem Bericht des Hessischen Rundfunk teilte Schmitt auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch der FR-Belegschaft mit, er führe weiter Gespräche mit zwei potenziellen Investoren. Auch über die Phase des vorläufigen Insolvenzverfahrens hinaus, die am Donnerstag endet. Das Erscheinen der FR ist damit zunächst über Donnerstag hinaus gesichert, die Altgesellschafter M. DuMont Schauberg und ddvg haben dem Aufbau einer Transfergesellschaft zugestimmt. Für den Verlag, zu dem auch eine Druckerei in Neu-Isenburg gehört, arbeiten zurzeit ca. 450 Angestellte.

Wahrscheinliche Variante Eins: Die FS-Medien kommt zum Zug, eine Schwestergesellschaft der FAZ GmbH. Der Verlag, in dem die Frankfurter Neue Presse erscheint, könnte die Rundschau nur übernehmen, wenn es kein anderes substanzielles und erfolgversprechendes Angebot gibt. Alles außer einer Sanierungsübernahme kommt wegen des Kartellrechts nicht infrage. Der Verlag könnte seine bereits vorhandene Infrastruktur in Frankfurt nutzen, um die Rundschau weiter zu betreiben. Nur ein Teil der Belegschaft würde übernommen.

Unwahrscheinliche Variante Zwei: Ein weißer Ritter wagt sich aus der Deckung und übernimmt Verlag und Druckerei. Für gewöhnlich ist es taktisch sinnvoll, nicht zu früh mit einem Angebot um die Ecke zu kommen. Doch wenn die Zeichen einen Tag vor dem eigentlichen Toresschluss zu stehen, wie sie stehen, wäre eine überraschende Wende eben das – eine Überraschung. Ein Angebot des türkischen Medienunternehmens Estetik Yayincilik für die Weiterführung der FR liegt vor. Ob es allerdings für Insolvenzverwalter Schmitt akzeptabel ist und ein tragfähiges Konzept dahintersteht, ist unklar. Da Schmitt sagt, er wolle weiter verhandeln, gibt es offenbar zumindest noch offene Fragen und Klärungsbedarf. Eine große Lösung wird aber angesichts der fortgeschrittenen Zeit immer unwahrscheinlicher.

Verdi-Vizechef Frank Werneke nannte die Entscheidung, den Verlag der Rundschau mitsamt Druckerei in die Insolvenz zu schicken, einen "desaströsen Fehler": der Schritt habe "die soliden Kundenbeziehungen für die im Kern gesunde Druckerei zerrüttet und in der Folge zum Aus der FR geführt". Die Verkaufsbemühungen seien "derart belastet gewesen, dass keine konstruktiven, am Erhalt der Druckerei und der Zeitung orientierten Übernahmekandidaten mehr gefunden wurden". 

Bereits am Dienstagabend signalisierten die Altgesellschafter nach Gesprächen mit dem FR-Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi, dass sie die Zeitung am Leben halten wollen, solange eine Übernahme noch nicht in trockenen Tüchern ist. Das heißt: Auch über den 31. Januar hinaus wollen sie das tägliche Erscheinen der Zeitung bis zu einem endgültigen Verkauf, der zum 1. März abgeschlossen werden könnte, garantieren.

Möglichst rasch solle zudem eine Transfergesellschaft gebildet werden. Mitarbeiter eines insolventen Unternehmens können freiwillig in eine solche neu zu gründende Gesellschaft wechseln, die für maximal ein Jahr mit Geldern der Bundesanstalt für Arbeit unterstützt wird. Die FR-Transfergesellschaft soll finanziell auch von den Altgesellschaftern unterstützt werden.

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