Google-Bildersuche verärgert Seitenbetreiber

Mehr Usability, kürzere Ladezeiten: Die neue Bildersuche von Google ist für Nutzer eine enorme Verbesserung. Bei Seitenbetreibern stößt das neue Feature allerdings auf Unmut. Denn nach Meinung der Kritiker bedient sich der Suchmaschinenkonzern bei Fotografen und Webseiten, schließt sie aber von den Erlösen aus. Der Nutzer soll nach Möglichkeit den Google-Kosmos nicht verlassen, auch wenn das für Webmaster sinkende Einnahmen bedeutet. Ist das die neue LSR-Debatte? MEEDIA klärt die wichtigsten Fragen zum Thema.

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Was hat Google überhaupt geändert?
Die neue Bildersuche präsentiert die Ergebnisse im neuen Design. Neben einer Slideshow wird das ausgewählte Motiv groß vor einem grauen Hintergrund präsentiert. Die neue Bildersuche ist vor allem schneller und übersichtlicher. Google erklärt den Relaunch mit einer “better search experience”.

Warum regt sich Kritik?
Für die Nutzer mag das Argument der “better search experience” zutreffen, nicht so für Webmaster. Denn sie werden weniger stark beteiligt an der Suche. Wurden bislang die Bilder nur im Google-Umfeld präsentiert, werden sie mit dem Launch der neuen Bildersuche auch gleich dort geladen. Tatsächlich lädt der Suchmaschinenkonzern die Bilder von der betreffenden Seite, zeigt sie aber innerhalb einer Web-App an. Für Seitenbetreiber bedeutet das: weniger Traffic und mitunter weniger Erlöse aus der Suche, da etwa Werbeanzeigen auf einer Webseite gar nicht erst angezeigt werden. Google erklärt, damit zum einen die Server-Ressourcen von Webmaster zu schonen, um zum anderen weniger zur Verfälschung von Nutzungstatistiken beizutragen.

SEO-Experte Philipp Klöckner resümiert zynisch: “Ich hoffe inständig, dass Google nicht irgendwann ein Green Planet Projekt startet und gar kein Traffic mehr auf Webseiten sendet und damit ganz viel Server-Kapazitäten und Strom spart.” Denn: Google greift auch weiterhin auf die Bilder einer Webseite zu und belastet damit die Server, spielt das Ergebnis aber auf den eigenen Seiten aus.

Darf Google das?
Wer bislang die Bildersuche aufrief, bekam zum Bild zwei Links angezeigt: den zum entsprechenden Artikel und zum Bild direkt. Im neuen Layout bekommt der Nutzer vier Links ausgespielt, unter anderem zur Seite, zum Bild sowie zur Startseite. Die Idee dahinter: Mehr Links bedeuten auch mehr Traffic. Ob Google damit richtig liegt, wird sich noch zeigen.

Warum der Suchmaschinenkonzern ohne Einverständniserklärung der Webmaster das neue Feature launcht, hat einen einfachen Grund: Sie haben es den Google-Crawlern nicht verboten. Per robots.txt steht es jedem frei, seine Bilder von der Google-Suche auszuschließen.

Der Bundesgerichtshof äußerte sich bereits 2010 zur Bildersuche, allerdings lag damals der Fokus auf den Vorschaubildern, den sogenannten Thumbnails. Die seien nach Meinung der Richter ein elementarer Bestandteil der Websuche, und wer seine Bilder nicht von dieser Suche ausschließe, der willige quasi ein, dass der Konzern daraus Vorschaubilder für seine Suche generiere. Spiegel Online zitiert Medienanwalt Christian Solmecke: “Nur der Urheber darf entscheiden, wie sein Bild genutzt wird." Die Rechtssprechung für Thumbnails kann angesichts bildschirmfüllender Inhalte nicht mehr greifen.

Ist das die Fortführung der LSR-Debatte?

Nein. Bei der neuen Bildersuche geht es nicht darum, dass Seitenbetreiber Geld von Google verlangen. Vielmehr geht es darum, weiterhin auch mit Hilfe von Google-Traffic Geld zu verdienen, etwa via Adsense. Da Google allerdings den gesamten Inhalt, also das Bild samt Beschreibung und Metadaten auf seinen Seiten anzeigt, sinkt das Bedürfnis von Nutzern, auf der Originalseite weiterzustöbern. Klöckner spricht hier von der Aufkündigung des “Content Contracts”, einem stillen Einvernehmen zwischen Google und Seitenbetreibern, wonach Google Traffic für die generiert, die Inhalte für die Suche bereitstellen.

Was bedeutet das für Seitenbetreiber?
Die überarbeitete Bildersuche soll weltweit gelauncht werden. Wann das neue Feature in Deutschland startet, steht noch nicht fest. SEO-Blogger Martin Mißfeldt bringt die Veränderungen für sich schon jetzt auf den Punkt: “Ich bin Künstler, und meine Bilder (auf mehreren‘>Galerie-Websitesverteilt)‘>
Springers Außenminister Christoph Keese verweist in seinem Blog auf das Webmaster World Forum
, wonach Seitenbetreiber über 30 Prozent weniger Traffic und einen Einbruch bei den Adsens-Erlösen von 50 Prozent klagen. Angelehnt an Googles "Verteidige Dein Netz"-Kampagne hat der Blogger die Aktion "Verteidige Dein Bild" gestartet. Die Fotografin Heike Rost gibt in ihrem Blog hilfreiche Tipps, wie sich Urheber vor den Nachteilen der neuen Bildersuche schützen können.

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