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Piel-Rücktritt: „Eine Chance für den WDR

Die Branche rätselt über den Rücktritt von Monika Piel: Mit wenigen Worten verabschiedete sich die WDR-Intendantin am Freitag aus dem Amt. Sie beende ihre Tätigkeit "aus persönlichen Gründen". Die Intendantin will nur noch so lange bleiben, bis ihre Nachfolge geregelt ist. Piel hätte sich verdient gemacht, attestieren die Kritiker, sie hätte allerdings nur wenige Erfolge verbuchen können während ihrer Amtszeit. Die Presse spekuliert, ob WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn die 61-Jährige ersetzen könnte.

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Die Rheinische Post
sieht in Piels Ausscheiden eine Chance für den WDR, "wenn es einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger deutlicher gelingt, den WDR nicht nur in der wolkigen Welt der ARD zu positionieren, sondern auch als informatorisch verlässlichen Regional-Anbieter zu positionieren. Sonst verliert die größte deutsche Rundfunkanstalt auf Dauer die Akzeptanz der Beitragszahler."

Jürgen Overkott berichtet in der WAZ über Piel Verdienste: "Piel hatte sich im Ersten für mehr Information eingesetzt. Auf ihrer Habenseite steht der erfolgreiche ‚Marken-Check‘ der ARD. Dennoch war sie in den eigenen Reihen nicht unumstritten. Die Programmdirektion in München um Volker Herres kreidete ihr das Quotendebakel um den zeitweiligen Vorabendtalker Thomas Gottschalk an. Auch gelang es Piel in ihrer Amtszeit nicht, den Streit mit den Tageszeitungsverlegern um die umstrittene ‚Tagesschau‘-App für Smartphones beizulegen."

Michael Hanfeld attestiert der 61-Jährigen in der FAZ Führungsqualitäten: "Es kommt vielmehr auf Kommunikation, Durchsetzungsfähigkeit und den persönlichen Umgang an, der bei Monika Piel fast schon etwas Klandestines hatte. Der Kreis ihrer Vertrauten muss winzig und ihr Verlangen groß sein, wenigstens kurz Herrin über die Nachricht zu sein, dass sie geht und – vorerst – alle rätseln, warum."

Daniel Bouhs spekuliert in der taz über einen Nachfolger: "Wer macht es nun? Spontan rechnen im Sender viele mit Jörg Schönenborn. Er harrt seit gut zehn Jahren als Chefredakteur des WDR-Fernsehens aus. Er hat sich gerade mit dem Spruch profiliert, der neue Rundfunkbeitrag sei eine ‚Demokratieabgabe‘. Parolen wie diese stehen derzeit hoch im Kurs."

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In der Welt erinnert Kai-Hinrich Renner daran, dass Piel nicht nur erfolgreich war: "Innerhalb der ARD war die Senderchefin allerdings nicht unumstritten. Bis Ende 2012 war sie auch als erste Frau überhaupt ARD-Vorsitzende. In ihrer zweijährigen Amtszeit gab es nur wenige Erfolge für das Erste. In Erinnerung bleibt vor allem die gescheiterte Reform des Vorabendprogramms. Dort hatte sich Piel insbesondere für Thomas Gottschalks Talk ‚Gottschalk live!‘ stark gemacht, der frühzeitig wegen miserabler Quoten abgesetzt werden musste."

Spiegel Online konzentriert sich in der Berichtstattung auf die "Herrscherin" Piel: "Was Piel als Kind des Systems in ihrer knapp sechsjährigen Amtszeit mitschleppte, war die Attitüde einer Herrscherin – bei weit mehr als 4000 festangestellten Mitarbeitern kein Wunder. Zuletzt spotteten einige im Sender darüber, dass Piel, die doch so sehr vom Sparen sprach, es sich nicht nehmen ließ, höchstpersönlich beim Stabwechsel im Washingtoner ARD-Büro vorbeizuschauen – ein Zimmer im noblen Ritz Carlton inklusive. Ein leuchtendes Vorbild in Sachen Genügsamkeit war sie nicht."

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