Kubicki flirtet nicht mehr mit Journalistinnen

In einem Interview mit der Bild am Sonntag äußert sich FDP-Politiker Wolfgang Kubicki zu den Sexismus-Vorwürfen gegen Rainer Brüderle. "Hier wurde eine Geschichte zu einem Skandal aufgeblasen, die keiner ist", meint der 60-jährige FDP-Fraktionsvorsitzende in Schleswig-Holstein. Er glaubt, der Schaden für den stern, der in einem Porträt die Vorwürfe erhoben hat, sei größer als der für seine Partei. Für sich selbst und seine Arbeit als Politiker will Kubicki dennoch Konsequenzen ziehen.

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Die stern-Geschichte von Laura Himmelreich schildere vor allem die Eindrücke der Autorin, weniger Tatsachen so Kubicki im BamS-Interview: "Sie interpretiert in den Ablauf etwas hinein, was offenkundig in ihrer Vorstellung hätte passieren können, aber nicht passiert ist." Es gehe in der Geschichte darum, einen Hoffnungsträger der FDP zu beschädigen. "Wenn die Journalistin Rainer Brüderle auf den Vorfall angesprochen hätte, hätte der sich bestimmt bei ihr entschuldigt. Aber darum ging es ihr offenkundig nicht", so Kubicki. Und weiter: "Die stern-Chefredaktion sollte sich die Frage stellen, ob sie das Blatt auf ein Niveau bringen will, dass man es nicht mehr empfehlen kann."
Von einer Klage habe der gelehrte Jurist seinem Parteikollegen jedoch abgeraten. Der Beitrag enthalte nach seiner Sicht keine falschen Tatsachenbehauptungen. Aus den Empfindungen und Eindrücken der Autorin könne man keine Persönlichkeitsrechtsverletzung ableiten. "Die Meinungsfreiheit hat in Deutschland Verfassungsrang", sagt Kubicki im Interview.
Die Geschichte wertet der Politiker dennoch als "Tabubruch": "Bislang waren abendliche Gespräche, ob beim Essen oder nach einem Parteitag an der Hotelbar, ein durch Vertraulichkeit geschützter Bereich." Auch den im stern-Beitrag beschriebenen Handkuss halte er an sich nicht für verwerflich: "Das mache ich gern und häufig. Und eine wachsende Zahl von Frauen genießt inzwischen diese Form der Höflichkeit", wird Kubicki zitiert.
Dennoch will der Politiker für sich nun Konsequenzen ziehen: Künftig will Kubicki keine Journalistinnen mehr als Wahlkampfbegleitung in seinem Fahrzeug mitnehmen. Zudem wolle er Situationen wie Gespräche an der Hotelbar meiden, sofern Journalistinnen beteiligt sind. Kubicki: "Natürlich rutscht einem da schon mal eine lockere und nicht gelungene Bemerkung heraus. Jetzt muss ich damit rechnen, dass das gegen mich verwendet wird."
In Zukunft will der FDP-Mann mehr Distanz wahren: "Ich flirte für mein Leben gern, künftig aber sicher nicht mehr mit Kolleginnen von Ihnen", sagt er im BamS-Interview. Er fügt hinzu: "Denn ich möchte vermeiden, dass eine Journalistin, die ich anflirte, dies später als sexuellen Übergriff versteht und anprangert."

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