DLD: Bringt den Spirit zurück!

Publishing Burdas DLD-Konferenz ist noch immer ein überdurchschnittlich gutes Event für die Medien- und Techbranche. Vor allem im Vergleich zu den üblichen Digital-Fachkonferenzen in Deutschland. Weil die DLD eben nicht als Fachkonferenz, sondern als ein vorwiegend heiterer Jahrmarkt der Innovations- und Digitalelite angelegt ist. Die neunte Ausgabe der DLD fiel aber im Vergleich zu den Vorjahren etwas ab. Es fehlten die Höhepunkte, es fehlte an den spontanen Ausbrüchen von Begeisterung.

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Einer der meistzitierten Sätze des DLD13 war vermutlich Ben Horowitz’ Credo: "Die Startups, die es geschafft haben, sind die von Uniabbrechern mit verrückten Ideen für winzige Märkte mit null Monetarisierungschance." Das klingt gut, Horowitz (Mitgründer von AndreesenHorowitz) lieferte einen gute Auftritt ab und sprach über sein Investment bei Rap Genius. Horowitz kann sich solche Sprüche leisten, obwohl oder gerade weil sie gegen den Mainstream gehen. Denn weder Hubert Burda Media noch die meisten anderen Investoren würden heute einem Startup ohne ein Geschäftsmodell eine Chance geben.

Einen Ausblick in die Zukunft des Web gab Yahoos Henrique des Castro, der über zunehmende Personalisierung sprach: "Mein Web wird sich von deinem Web unterscheiden." Plattformen wie Yahoo müssten mehr Personalisierungsmöglichkeiten anbieten – und entsprechend auch auf neue Werbeformate setzen. Viel mehr über seinen neuen Arbeitgeber (Castro war bis vor kurzem Google-Manager) Yahoo sagte er allerdings nicht. Und es fiel auch der Satz, der immer fällt, wenn konkrete Szenarien oder Prognosen nicht möglich sind: Das Web der Zukunft werde sich sehr von dem Web der Gegenwart unterscheiden. Im Zweifelsfall kann man damit nicht verkehrt liegen.

Es gab gute Panels mit fachlich interessanten Aussagen – etwa das von Telefónica-Deutschlandchef René Schuster über mobiles Bezahlen, das von Investor Albert Wenger über die Zukunft von Search  und andere – aber die Momente, in denen es mit dem Publikum "klickte", waren selten. Andere Panels, in denen beispielsweise Israels Startup-Ikone Yossi Vardi eine Riege von erfahrenen "Haudegen" der Medien- und Techbranche auf die Bühne holte, waren zeitlich ungünstig gelegt. Dabei sind es Momente, in denen brillante Köpfe im Zusammenspiel überraschende Einsichten geben, die den DLD – auch – ausmachen. Positiv: Der Anteil von Panels zu Kultur- und Wissenschaftsthemen ist weiterhin hoch. Schön wäre es gewesen, manche Panels etwas stärker interdisziplinär zu mischen.  

Als Motto hatte sich die DLD "Patterns that connect" ausgesucht – Muster also, die sich verbinden. Ein gutes Motto. Schließlich würden wir alle gern wissen, wo die Berührungspunkte zwischen Wirtschaft, Technologie, Politik, Kultur, Wissenschaft sind. Dazu passte auch der Fokus auf Big Data – ein Tech-Thema, das in fast alle Lebensfelder hineinstrahlt. Eine Konferenz, die in alle gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Bereiche hineingeht und diese dann miteinander verbinden und ins Gespräch bringen will, ist immer ein Wagnis. Der spezielle DLD-Spirit, kombiniert mit der strategisch günstigen Platzierung vor dem World Economic Forum in Davos, hatte die DLD laut Wired zum "hottest invite" unter den Digitalkonferenzen Europas gemacht. Genau dieser Spirit wollte sich in diesem Jahr leider nicht so recht einstellen. 

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