IVW: Landmagazine gehen durch die Decke

Publishing Freitag, 16 Uhr. Einen viel unglücklicheren Termin für die Veröffentlichung so relevanter Marktdaten wie den IVW-Quartalsauflagen könnte es kaum geben. Die Jubel-Meldungen werden seit Montag verschickt, die negativen Nachrichten versenden sich im Wochenende. MEEDIA liefert dennoch alle wichtigen Zahlen, wird ab Montag aber weitere, ausführliche Details liefern. Die Zeitschriften-Aufsteiger des Jahres sind Landlust und Mein schönes Land, bei den Zeitungen verliert die Bild weitere heftige 181.152 Käufer.

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Beginnen wir unsere Blitz-Analyse mit den Publikumszeitschriften. Der größte Gewinner heißt hier erneut Landlust: Weitere 173.129 Käufer hat das boomende Magazin im Vergleich zum vierten Quartal 2011 hinzu gewonnen – ein Plus von 19,5%. Auf den Fersen ist ihm in der Liste der Top-Aufsteiger der Haupt-Konkurrent Mein schönes Land: Mit 138.297 hinzu gewonnenen Käufern verzeichnet das Burda-Blatt sogar ein Plus von 70,7%. Der Rest der Top 10 wird vornehmlich von günstigen Frauenzeitschriften bevölkert: Vom Freizeit Monat bis zur neuen Pause. Ebenfalls noch dabei: Geo Epoche, Lust auf Genuss und freundin Donna.

In der Top 50 der am Kiosk erhältlichen Publikumszeitschriften hat Die Landlust nun auch Auf einen Blick überholt und belegt mit seiner Millionen-Auflage inzwischen Platz 7. Auch TV Spielfilm ist nicht mehr weit entfernt. Und: Die Landlust ist Deutschlands meistverkaufte Publikumszeitschrift abseits der Programmie-Branche. Auf den ersten sechs Rängen finden sich nämlich ausschließlich Programmzeitschriften. TV 14 führt weiterhin klar vor TV Digital, TV Movie, Hörzu, TV Direkt und TV Spielfilm. Der einzige Gewinner in dieser Riege: TV Digital mit einem weiteren Plus von 1,8%.

Weitere Aufsteiger in der ersten Hälfte der Top 50: Bild der Frau, nur TV, Focus, Computer Bild und Das Neue Blatt. Der Focus legte allerdings nur wegen mehr sonstigen Verkäufen und Bordexemplaren zu, bei den Abos und am Kiosk verlor er.

Weitere sechs Gewinner gibt es auf den Rängen 26 bis 50, insgesamt besteht die Top 50 also aus 13 Auf- und 37 Absteigern. Eine Erholung ist in der Publikumszeitschriftenbranche weiter nicht in Sicht. Die wenigen Gewinner wollen wir dennoch würdigen: Tina, Meine Familie & ich, mein Schönes Land, Gala, Laviva und TV für mich heißen sie. Allerdings: Für die Gala gilt dasselbe wie für den Focus: Nur wegen mehr Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen ging es nach oben, bei den Abos und am Kiosk büßte das Blatt satte 8,9% ein.

Der größten Verlierer des Quartals ist ganz eindeutig Reader’s Digest: Mehr als 100.000 Käufer verlor das Magazin im Vergleich zum Vorjahr – so viele wie keine andere Publikumszeitschrift. Ebenfalls radikal nach unten schossen Cosmopolitan, com!, hey! und Bravo – jeweils mit mehr als 70.000 verlorenen Käufern. Die Bravo liegt inzwischen nur noch bei 257.139 verkauften Exemplaren, gehört damit nicht mehr zur oben gezeigten Top 50.

In der Tabelle der Neulinge finden sich wie bei den Aufsteigern einige billige Frauenzeitschriften: Freizeit Express, Freizeit Exklusiv und Revue der Woche, auf Platz 2 aber Women’s Health und auf Rang 4 das Boulevardblatt Closer. Auch happinez ist in der Top 10 vertreten, ebenso wie Loox.

Nur einen echten Gewinner gibt es unter den überregionalen Tageszeitungen: die taz. Sie gewann im Gesamtverkauf 5,2% hinzu. Zwar liegt das auch an einem Plus bei den sonstigen Verkäufen, allerdings steigerte sich die taz auch bei den Abos um starke 3,0%. Das Handelsblatt, das in der Gesamtverkaufs-Tabelle ebenfalls als Gewinner zu sehen ist, schaffte das nur durch mehr Bordexemplare, bei den Abos und am Kiosk ging es nach unten. Die großen Verlierer des Quartals heißen hier Bild und Frankfurter Rundschau: Springers Boulevardblatt büßte weitere 181.152 Käufer (6,7%) ein, bei der Rundschau liegt das Minus sogar bei heftigen 9,7% – keine guten Nachrichten inmitten des Überlebenskampfes.

Einen neuen Rekord stellte bekanntlich Die Zeit auf: Mit einem Plus von 0,8% steigerte sich die Wochenzeitung auf inzwischen 513.883 verkaufte Exemplare. Allerdings: Das Plus entstand, weil erstmals die derzeit 6.347 ePaper-Verkäufe der Zeit mit einberechnet wurden. Ohne sie lägen nicht nur die Welt am Sonntag und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter dem Vorjahr, sondern auch Die Zeit.

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