Warum Domian keinen Dschungel mehr guckt

Publishing Zwischen sechs und sieben Millionen Zuschauer verfolgen derzeit täglich das Dschungelcamp bei RTL. Die Show ist und bleibt ein Phänomen - auch weil sie so gnadenlos polarisiert. Manchmal werden Dschungelfans aber auch zu Dschungel-Gegnern. So wie WDR-Talker Domian, der in Staffel 7 plötzlich gemerkt hat, dass dort (huch) lebendige Tiere gegessen werden. Und sonst: Bild hat einen Narren an Philipp Rösler gefressen, die FAZ kann keine Links und Oli Pocher macht dem ZDF schöne Augen.

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Die Faszination Dschungelcamp ist ungebrochen. Jeden Tag schauen Millionen dabei zu, wie die “Promis” im Menschen-Zoo von RTL mit Kakerlaken gefüttert werden oder possierliche Intrigen schmieden. Einer mag jetzt nicht mehr hinschauen: Jürgen Domian. Der Late-Night-Talker vom WDR hat auf seiner Facebook-Seite verkündet, dass er immer ein “eifriger Zuschauer” des Dschungelcamps war, die Show nun aber boykottiert. Er begründet seine Dschungel-Abstinenz mit den tierquälerischen Inhalten der Sendung. Zitat: “Solange dort Tiere ausschließlich zum Spaß getötet, gequält oder verletzt werden, ist diese Sendung für mich inakzeptabel.” Wenn vor laufender Kamera lebende Raupen, Kakerlaken oder Regenwürmer zerbissen werden, höre für ihn der Spaß auf. Komisch, dass Domian das erst in der siebten Staffel merkt. Einiger seiner Facebook-Fans machten ihn darauf aufmerksam, worauf Domian erklärte: “Mein Blick aber hat sich im Laufe der Jahre verändert. Meine Position auch. Wir alle verändern ja in bestimmten Bereichen unsere Ansichten und Meinungen. Wir werden toleranter – oder auch strenger. Je nach dem. Und dieses Jahr nun war für mich das Maß voll. Warum gerade jetzt, kann ich gar nicht sagen. Vielleicht ist es das Resultat von vielen Gesprächen und Diskussionen über diese Sendung.”

Mit diesem Internet und den sog. “Holzmedien” ist das so eine Sache. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, hinter der laut Werbung immer ein “kluger Kopf” steckt, hat immer mal wieder ihre Probleme mit diesem neumodischen Zeug. Mit einem “Link” zum Beispiel. OK, in einem gedruckten Artikel in der gedruckten Zeitung kann man nicht “verlinken”. Im Internetz geht das aber. Doof nur, wenn man Premium-Artikel aus der gedruckten Zeitung auch online veröffentlicht und dabei die Links vergisst. Oder zu faul ist, sie zu setzen. Oder was auch immer. Das führt dann zum Beispiel dazu, dass auf FAZ.net ein wunderbarer Artikel über eine 24-Stunden-Kita erscheint, der aus der gedruckten FAZ stammt. In dem Artikel wird auch ein Beitrag des NDR angesprochen, in dem es um eine 24-Stunden-Kita in den USA geht. Zitat aus dem FAZ-Artikel: “Wer sich davon überzeugen will, sollte auf Google die Worte ‘Kita USA Video’ eingeben. In einem Beitrag des NDR ist zu sehen, wie ein Kind morgens um 4 Uhr aus dem Schlaf gerissen und in eine 24-Stunden-Kita in Ohio gebracht wird.” Man hätte natürlich das NDR-Video einfach verlinken können. Oder man kann auch den Print-Text unverändert und ohne Link online stehen lassen. Stattdessen verweist man im Online-Angebot den Leser auf die Suchmaschine Google, die sonst in Blättern wie der FAZ als digitaler Hehlerverein geschmäht wird. Ein kleines Beispiel, das zeigt, dass das mit der digitalen Denke in manchen Redaktionen noch ein weiter Weg ist. (gefunden über den Twitter-Feed von @fiete_stegers).

Für Oliver Pocher könnte der Auftritt bei “Maybrit Illner” diesen Donnerstag karrieretechnisch eine gute Sache gewesen sein. Pocher war gut drauf in der Sendung über TV-Gebühren, redete frei Schnauze und hatte die Lacher auf seiner Seite. Das brachte ihm vor laufender Kamera eine Offerte von ZDF-Intendant Thomas Bellut ein: “Sie kommen auch noch zu uns!” Darauf Pocher: “Wenn sie mich engagieren, habe ich das Alles niemals gesagt!” Er meinte seine zuvor geäußerte Fundamental-Kritik an ARD und ZDF. Gut möglich, dass Pocher tatsächlich beim ZDF landet. Bei Sat.1 und der ARD ist er durch. Sein Engagement bei RTL (“Alle auf den Kleinen”) und die Tätigkeit bei Sky werden ihn kaum auslasten.

Die Rubrik “Gewinner des Tages / Verlierer des Tages” auf der ersten Seite der Bild-Zeitung gab schon oft Anlass zum Stirnrunzeln. Am Dienstag machte Bild allen Ernstes den mehr als angezählten FDP-Chef Philip Rösler zum “Gewinner des Tages”. Und zwar, weil Rösler zum 20. Jubiläum des Focus ein Cover für die Focus-Jubiläumsausgabe gestaltet hatte (wie andere Promis auch, siehe hier). Röslers Titel-Vorschlag: “Startup Szene Deutschland. Die 100 wichtigsten Apps.” Dazu passt ein aktueller Jubel-Artikel bei Bild.de zum Thema "So macht Rösler die deutsche Wirtschaft fit". Es geht darum, dass Rösler den Beirat "Junge Digitale Wirtschaft" ins Leben gerufen hat. Wieter heißt es in dem Artikel: "Unterstützung für Start-ups – damit liegt der Minister voll im Trend. In immer mehr Städten gibt es Gründer-Messen, Konferenzen. U. a. treffen sich ab heute mehr als 150 europäische Jungunternehmer und Geldgeber (Venture Capitalists) zur Gründer-Messe ‘Hy!’ in Berlin." Und jetzt raten Sie mal, wer "stolzer Partner" (O-Ton Christoph Keese) der Messe hy! Berlin ist und "vergessen" hat, das in dem Artikel zu erwähnen? Richtig: die Axel Springer AG. Na sowas. Wie sagte Keese noch bei Maybrit Illner: "Bei Bild sind Redaktion und Werbung ganz scharf getrennt." Jaja, schon recht. Bild meinte zu Rösler: “Richtiger Riecher”. Wir meinen: riecht komisch.
Schönes Wochenende!

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