Armstrong: Social Web reagiert mit Hohn

Es ist wohl das meist erwartete TV-Interview des Jahres: Lance Armstrong und seine Doping-Beichte bei Promi-Talkerin Oprah Winfrey. Der erste Teil des zweistündigen Gesprächs wurde heute Nacht sowohl im Oprah Winfrey Network als auch im Web bei Oprah.com und auf ihrer Facebook-Fanpage ausgestrahlt. Die Reaktion in der Social Media-Welt fiel gnadenlos aus: So sehr sich Armstrong auch mühte, selbstkritisch mit der Vergangenheit umzugehen, so höhnisch waren die Reaktionen auf Twitter.

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Mehr Drama geht nicht: "Oprah and Lance Armstrong. The worldwide Exclusive", so kündigte Talkkönigin Oprah Winfrey das Medienereignis des bisherigen Jahres an – die Dopingbeichte des bis vor Kurzem noch siebenfachen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong.
Die Abstand bestbezahlte Person der Medienbranche (geschätzte Jahresgage 2012: 165 Millionen Dollar) machte das Interview zu einem echten multimedialen Ereignis: Seit 2011 verfügt Winfrey über ihren eigenen Sender OWN (Oprah Winfrey Network) inklusive aufwendig inszenierter Internetplattform, auf der das Interview wie auch auf ihrer Facebookseite weltweit parallel um drei und sechs Uhr deutscher Zeit übertragen wurde.
Selbstkritik "Arroganter Mistkerl" und "Charakter mit Schwächen"
Eine Überraschung war Armstrongs Beichte, die in Teilen schon durchgesickert war, nicht: Das Doping-Geständnis kursierte bereits seit Aufzeichnung der Sendung Anfang der Woche. Der 41-jährige Amerikaner zeigte sich über weite Strecken defensiv und betont selbstkritisch.
"Ich verdiene das", gab Armstrong zu und bezeichnete sich selbst als "Charakter mit Schwächen", als "Fiesling". Die Doping-Vergangenheit, die Armstrong auf die Zeit seit Mitte der 90er bis zu seinem letzten Sieg 2005 bezifferte, sein Comeback 2009 und 2010 aber davon freisprach, sei eine "rücksichtlose Zeit" in seinem Leben gewesen, in der er alles dem sportlichen Triumph unterordnete. Mit Bezug auf seine denkwürdige Rede nach dem siebten Tour de France-Sieg 2005, als er seine Kritiker verhöhnte, bezeichnete sich Armstrong selbst als "arroganten Mistkerl".
Unfreiwilliger Armstrong-Zinger: "Ich habe nie behauptet, sie wäre fett"
In der wahrscheinlichen besten Sequenz des Interviews konfrontierte ihn Winfrey, die hartnäckig, aber nicht penetrant nachbohrte, mit der Verfolgung seiner Kritiker wie der Ehefrau des ehemaligen Teamkollegen Andreu. "Was ist das für ein Vorgehen?" entrüstete sich Winfrey sichtlich angewidert: "Andere Leute zu verklagen, obwohl sie wissentlich die Wahrheit sagen?"
Armstrong reagierte dabei mit jener Arroganz, die man aus früheren Zeiten kennt: Ein ironisch gemeintes Lächeln, das abschätzig verrutscht, ein starrer Blick, als gäbe es noch irgendwas zu beschönigen und dann die Sequenz, die in den sozialen Medien hohe Wellen schlug: Armstrong gab zu, Betsy Andreu "verrückt" und "eine Schlampe" genannt zu haben – "ich habe aber nie behauptet, sie wäre fett", beharrte Armstring allen Ernstes.
Web-Spott für Armstrong, Lob für Winfrey
"Er hat dabei gelächelt", retweetet Henry Blodget vom Business Insider daraufhin.  "Lance, Du bist kein dicker Lügner. Aber nur, weil Du nicht fett bist", spottete die Mashable-Redakteurin Christina Warren ebenfalls auf Twitter. "Ganz ruhig Lance, deine Karriere liegt eh hinter Dir", höhnte auch der Finanzjournalist Timothy Collins ebenfalls auf dem 140-Zeichen-Dienst.
Der Ex-NHL-Spieler Theo Fleury twitterte: "Ich denke, wenn Armstrong ein netter Kerl wäre, würde es für ihn um einiges leichter sein. Er hat zu viele Brücken eingerissen." Nicht alle Nutzer setzten sich überhaupt ernsthaft mit Armstrong auseinander. Zu lesen waren Sätze wie "Armstrong gibt zu: ‚Ich habe nie gelernt, Rad zu fahren". Viele Nutzer waren auch zu Wortspielen mit den Namensvettern, dem Raumfahrer Neil Armstrong oder dem Musiker Loius Armstrong aufgelegt. Zu lesen waren Tweets wie: "Noch immer kein Wort darüber, ob Lance Armstrong zugibt, die Mondlandung gefälscht zu haben."
Oprah Winfrey wurde unterdessen für Ihr Interview gelobt. "Glückwunsch an Oprah und ihr Team, das war ein erfrischendes Gespräch", gab es den Ritterschlag vom Branchenkollegen Anderson Cooper von CNN. Selbst vom Sport gab es Zuspruch: "Oprah sieht stark aus", befand etwa der frühere US-Tennisstar Andy Roddick, der wie Armstrong Texaner ist. Und es ist ja noch nicht vorbei: Morgen um drei Uhr deutscher Zeit wird der zweite Teil ausgestrahlt…

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