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Expedition Familie – die Anti-”Super Nanny”

Katia Saalfrank wurde bekannt als “Die Super Nanny” bei RTL. Das frühere Erfolgsformat endete im vergangenen Jahr im Streit. Saalfrank warf RTL vor, zu sensationslüstern zu sein. Die Sendung selbst litt auch an sinkenden Quoten. Die Folge: eingestellt. Jetzt wagt Saalfrank beim öffentlich-rechtlichen SWR einen Neustart mit “Expedition Familie”. Die erste Sendung, bei der es ums Altwerden ging, hätte keinen größeren Gegensatz zur krawalligen “Super Nanny” bieten können.

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Eigentlich wäre “Expedition Familie,” das im Dritten Programm des SWR am Mittwochabend erstmals lief, eine ganz normale öffentlich-rechtliche Doku im besten Sinne gewesen. Eine Reporterin macht sich mit Kamerateam auf, um zu erkunden, wie Menschen und Familien mit dem Altwerden in unserer Gesellschaft umgehen. Da wurde die Großfamilie Krepp besucht, die im Kraichgau gemeinsam ein Hotel betreibt. Man wurde der Zeuge der Konflikte, wenn in einer anderen Familie der Großvater in ein Heim muss und dort schließlich stirbt. Und es wurde eine Senioren-WG vorgestellt, die eine alternative Variante des Zusammenlebens im Alter im Breisgau erfolgreich demonstriert.

Das alles war sensibel, zurückhaltend, emotional gefilmt. Das Besondere an “Expedition Familie” war dann aber doch Katia Saalfrank selbst, die frühere “Super Nanny”. Man spürte in jeder Szene, wie große Mühe sich Frau Saalfrank gab, um nur nicht zu aufdringlich zu werden, sensibel zu bleiben, den Menschen bei dem intimen Thema nicht zu sehr auf die Pelle zu rücken. Die meisten der besuchten Leute schienen sich über den Besuch des früheren RTL-Stars durchaus zu freuen. “Wir kennen sie auch”, rief jemand in der Senioren-WG die Treppe runter. Wo immer Katia Saalfrank auftauchte, freuten sich gerade auch die älteren Leute.

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Es war eine seltsame Situation: Eine frühere Ikone des pseudo-dokumentarischen Privatfernsehens erschien mitten im stinkseriösen und ein bisschen biederen Regionalfernsehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – und es funktioniert. Saalfrank schafft es, Empathie und Sensibilität über den Bildschirm zu vermitteln. Bei dem schwierigen und unpopulären Thema “Alter” ist das eine Kunst. Beispielhaft war, wie feinfühlig sie und das Team mit dem unerwarteten Todesfall des alten Mannes im Altersheim umgegangen sind. Und so ist dem ungewöhnlichen Duo SWR/Katia Saalfrank ein sehenswerter, lehrreicher und rührender kleiner Film über das Altwerden in Deutschland gelungen. In diesem Stil darf die “Expedition Familie” gerne weitergehen.

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