Datenschützer: „Hände weg von Facebook!“

Die am Dienstag vorgestellte soziale Suche von Facebook stößt auf Kritik bei deutschen Datenschützern. Deutschlands größten Facebook-Kritiker Thilo Weichert findet das neue Feature "überhaupt nicht toll". Die neue Funktion ermögliche es, dass völlig unkalkulierbar Daten ausgewertet würden. Auch Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband warnt vor Missbrauch. Auch aus Hamburg, dem Sitz der deutschen Facebook-Dependance, regt sich Protest gegen die neue Suche.

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Mark Zuckerberg betonte bei der Präsentation des neuen Features, dass Nutzer nur die Daten sehen können, die ihnen ohnehin zugänglich seien, weil sie von Freunden mit ihnen geteilt würden oder als öffentlich eingestellt seien. Die Suche solle lediglich den Überblick und eben die Suche innerhalb der Informationen verbessern. Mit ihr soll es künftig zum Beispiel möglich sein, Fotos von Freunden zu suchen, die in Berlin aufgenommen wurden. Auch andere Verknüpfungen von Orten, Interessen und Zeiten sind möglich.
Weichert findet, dass dadurch auch Dritte "hochsensible Informationen" zur Kenntnis nehmen können: "Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen", sagt der Datenschützer. Im Nachhinein würden so möglicherweise Informationen auffindbar, die nur für bestimmte Freunde gedacht waren. Es führe dazu, "dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden". Weichert: "Hier wird definitiv ein weiterer Eingriff ins Datenschutzrecht vorgenommen, der meines Erachtens nicht akzeptabel ist."
Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter in Hamburg, äußerte gegenüber der dapd ebenfalls Kritik an der Facebook-Suche. Sie ermögliche eine "gezielte private Rasterfahndung über bestimmte Merkmale". Dadurch könnten Nutzer von anderen Nutzer kategorisiert werden, auch bei Kindern, was Capsar "beondere Bedenken" bereite. Facebook sollte seine Anwender daher umfassend informieren. Auch sei zu prüfen, ob eine Einwilligung der Nutzer nötig sei.
Auch Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die neue Funktion kritisch, zumal Facebook sich bereits "in der Vergangenheit bei der Einführung neuer Dienste nicht immer vorbildlich verhalten" habe. Man erkenne die "Gefahr einer weiteren Profilbildung", die vor allem für Unternehmen interessant sei. Wichtig sei, dass die Nutzer immer wüssten, was mit ihren Daten passiert.
Weichert, schon lange als Facebook-Kritiker bekannt, gibt den Radikal-Rat: "Ich kann eigentlich nur den Ratschlag geben: Hände weg von Facebook."

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