Weiterer Klecker-Investor für dapd

Als zweiten Investoren für die insolvente Nachrichtenagentur dapd hat Ulrich Ende den Buchverleger Wolfgang Pabst benannt. Dies sagte Ende in einem Interview mit dem Branchendienst textintern. Pabst betreibt in Lengerich den wissenschaftlichen Verlag Pabst Science Publishers (u.a. "Jahrbuch Intensivmedizin"). Pabst steige mit "deutlich weniger" als einer Million Euro bei der Agentur ein. Der Unternehmer Christoph Bausinger, den Ende zunächst nannte, hüllt sich derweil in Schweigen. Fast.

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Auf seiner Facebook-Seite schrieb Bausinger: "Nun wird es öffentlich. Eine Beteiligung an der Nachrichtenagentur dapd ist vollbracht. Ein wichtiger Schritt in einen pluralen Journalismus ist mit dem Ausbau zur zweiten vollen Nachrichtenagentur geschaffen." Die wenigen Worte des mutmaßlichen Investors reichen aus, um Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Absichten zu säen. Denn die Agentur dapd hatte sich unter ihren Vorbesitzern schon lange an dem Aufbau einer zweiten deutschen Vollagentur versucht – und war daran gescheitert. Bei allem, was Peter Löw und Martin Vorderwülbecke vorzuwerfen ist: Mit Nachrichtenagenturen und der Branche kannten sie sich schon aus.  

Ob das bei Bausinger und dem nun via textintern verkündeten Investor Wolfgang Pabst, der Pabst Science Publishers als Einzelunternehmer führt, auch der Fall ist, darf zumindest bezweifelt werden. Sollte der Journalist und Medienunternehmer Ulrich Ende, der einst Chef des Nachrichtensenders N24 war, mit seiner Investorensuche erfolgreich sein und ein stimmiges Konzept umsetzen, wäre das eine gute Nachricht für dapd und die verbliebenen 200 Mitarbeiter. Doch die zwei bisherigen genannten Investoren lassen erhebliche Zweifel aufkommen, wie nachhaltig die neu gegründete dapd Nachrichten Beteiligungs GmbH mit Sitz in Tutzing wirklich finanziert ist.

Auftreiben wollte Ende insgesamt vier Millionen Euro an Eigenkapital, um den laufenden Betrieb der Agentur zu sichern. Pabst wolle mit "deutlich weniger" als einer Million Euro einsteigen, Bausinger mit einer Million. Als Vollagentur der Bauart Löw/Vorderwülbecke verbrannte dapd zuletzt mehr als eine Million Euro im Monat. Der Buchverleger Pabst will sich in Kürze schriftlich zu Fragen äußern, die MEEDIA zu seinem Engagement gestellt hat.

Nachtrag, 22:20: Wolfgang Papst teilt auf unsere Nachfragen mit, er werde diese zurzeit nicht beantworten. Versehen mit der Begründung, die MEEDIA-Berichterstattung sei "tendenziös". Ulrich Ende werde zu einem späteren Zeitpunkt über Details informieren.

Unsere Fragen lauteten:

– Warum beteiligen Sie sich an der Nachrichtenagentur dapd?
– Wie ist der Kontakt mit Herrn Ende zustande gekommen?
– Wo sehen Sie die Zukunftschancen für eine Agentur wie dapd? Wie sieht ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell aus, wie eine nachhaltige Positionierung?
– Wie hoch ist Ihre Einlage?
– Versprechen Sie sich mittelfristig einen Return-on-investment?
– Sie selber betreiben einen Kleinverlag im Wissenschaftsbereich – wird es Synergien zwischen Agentur und Verlag geben?
– Werden Sie selber bei operativen Entscheidungen mitreden?

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