Anzeige

Print-Analyse: der typische stern-Leser

Der traditionsreiche stern bekommt einen neuen Chefredakteur: Dominik Wichmann übernimmt. Doch welches Publikum liest den stern derzeit eigentlich? Wie sieht das Profil der Zeitschrift aus? In welchen Zielgruppen wird sie nur wenig bis gar nicht wahrgenommen? MEEDIA startet nach der erfolgreichen Serie mit Analysen über die Nutzerschaft großer Online-Angebote eine neue Serie über die Leser großer Print-Objekte. Den Auftakt - zum Teil mit überraschenden Ergebnissen - macht der stern.

Anzeige
Anzeige

Zunächst die wichtigsten Zahlen des sterns: Im dritten Quartal 2012, dem aktuellsten Quartal für das derzeit komplette Zahlen der IVW vorliegen, verkaufte das Magazin sich im Durchschnitt 811.640 mal. Den größten Anteil hat dabei der Einzelverkauf in Kiosken, Supermärkten, etc. mit 255.586 Exemplaren. Die Abonnentenkartei des sterns umfasst 245.625 Leute, in Lesezirkeln werden 177.841 Hefte pro Woche verteilt und als Bordexemplar in Flugzeugen erreicht der stern 129.393 Abnehmer.

Die Leserschaft der G+J-Zeitschrift ist allerdings um ein Vielfaches größer. Glaubt man der aktuellsten media analyse 2012 Pressemedien II, so verfügt der stern über 7,93 Mio. Leser – also fast zehn Leser pro verkauftem Exemplar. Großfamilien dürften nicht der Grund für solche Zahlen sein, sondern eher zahlreiche Leser in Flugzeugen, Wartezimmern, etc. Unabhängig von den absoluten Zahlen der ma, die bei manchem Titel unrealistisch hoch aussehen, gibt es in der media analyse auch Zahlen über die Zusammensetzung der Leserschaft eines jeden Titels – und genau die sollen als Kern unserer Analyse-Reihe dienen.

Zunächst die Geschlechterverteilung: 56% der stern-Leser sind Männer, 44% Frauen. Im Vergleich zu den beiden anderen großen Wochenmagazinen Spiegel und Focus hat der stern damit eine deutlich weiblichere Leserschaft, im Gegensatz zu Titeln wie Bunte und Gala dominieren aber dennoch die Männer. Entsprechend der Geschlechterverteilung hat der stern damit auch eine höhere Prozentzahl von Haushaltsführenden (51%) als Spiegel und Focus, dafür aber eine geringere (64%) bei den Hauptverdienern.

Interessant ist die Verteilung auf die Altersgruppen, denn hier zeigen sich Probleme, die Dominik Wichmann lösen muss und soll: Nur 4% der stern-Leser sind 14 bis 19 Jahre alt, 13% 20 bis 29 Jahre alt. Bei den Unter-30-Jährigen hat die Zeitschrift damit schlechtere Werte als Spiegel und Focus. Die Zahlen in diesen jungen Altersgruppen sind zudem rückläufig. Einen höheren Anteil als die beiden Konkurrenten hat der stern hingegen bei den Über-60-Jährigen, den größten aber mit 22% bei den 40- bis 49-Jährigen. Entsprechend dieser Zahlen hat der stern auch eher wenige Leser, die sich noch in Ausbildung befinden, dafür mehr Rentner und Pensionäre. 63% der stern-Leser sind berufstätig – genau so viele wie beim Spiegel und weniger als beim Focus (67%).

Anzeige

Bei der genaueren Aufschlüsselung der jetzt oder früher ausgeübten Berufe liegt der stern bei Selbstständigen, Freiberuflern und leitenden Angestellten anteilsmäßig hinter Spiegel und Focus, bei den Facharbeiten hingegen vorn. Der größte Anteil sind die 45% "sonstigen Angestellten und Beamte". Hinter Spiegel und Focus liegt der stern auch bei den besonders gut Ausgebildeten: Mindestens über eine Fach- oder Hochschulreife verfügen 37% der stern-Leser, beim Spiegel sind es 54%, beim Focus 44%. Keine elementaren Unterschiede zu den beiden Konkurrenten gibt es beim Einkommen, etwas schwächer als Spiegel und Focus ist der stern hier bei denjenigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 3.000 Euro und mehr – mit 43% nehmen sie aber auch beim stern den mit Abstand größten Anteil ein.

Spannend wird es hingegen noch einmal bei der regionalen Verteilung der Leserschaft. Denn: der stern ist das westlichste der drei Blätter. Nur 9% der Leser stammen aus den fünf neueren Bundesländern, 3% zudem aus Berlin. Beim Spiegel kommen immerhin 11% und 6% aus diesen Regionen, beim Focus 15% und 4%. Der stern hat es also auch mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht geschafft, ein halbwegs relevantes Blatt im Osten der Republik zu werden. Höhere Leser-Anteile als Spiegel und Focus hat der stern hingegen in NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Das Fazit unserer Betrachtungen lautet also: Der typische stern-Leser ist männlich, 40 bis 49 Jahre alt, hat mittlere Reife oder Abitur, ist berufstätig als Angestellter oder Beamter und verdient in seinem Haushalt mehr als 3.000 Euro. Der stern hat allerdings eine weiblichere und ältere Leserschaft als Spiegel und Focus. Sie ist zudem etwas schlechter ausgebildet und verdient etwas weniger. Und: Der stern wird im Osten nur sehr wenig wahrgenommen.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*