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Unister zieht sich vom Kiosk zurück

Das wegen zahlreicher Affären in die Schlagzeilen und staatsanwaltliche Ermittlungen geratene Unternehmen Unister beendet offenbar seinen Vorstoß an den Kiosk. Die erst 2012 gestarteten Print-Ableger ab-in-den-urlaub.de-Magazin und auto.de-Magazin erscheinen nicht mehr im Einzelverkauf, die neuen Ausgaben, die am Freitag kommen sollten, wurden bereits nicht mehr ausgeliefert. Das ab-in-den-urlaub.de-Magazin soll laut Unister dennoch weiter erscheinen - offenbar als Magazin für Kunden und Abonnenten.

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Die beiden Print-Ableger der beiden recht populären Unister-Websites ab-in-den-urlaub.de (IVW 12/2012: 6,68 Mio. Visits) und auto.de (IVW 12/2012: 2,29 Mio. Visits) waren erst im vergangenen Jahr zum ersten Mal erschienen. Das ab-in-den-Urlaub.de-Magazin im Juli, das auto.de-Magazin im September. Beide Zeitschriften erschienen zunächst monatlich, das auto.de-Magazin im Dezember sogar 14-täglich. Die am 14. und 28. Dezember erschienen Ausgaben waren – zumindest am Kiosk – die letzten, die für den 11. Januar angekündigten Hefte wurden nicht mehr ausgeliefert. Grossisten teilten ihren Kunden mit, der Verlag habe sich entschlossen, die Magazine einzustellen.

Bei Unister selbst gibt man sich im Bezug auf die MEEDIA-Informationen sehr wortkarg. Das auto.de-Magazin sei "bislang ein Markttest" gewesen. Man wolle die Redaktion jetzt sogar ausbauen, unterziehe das Projekt aber noch einmal "einem grundsätzlich Markencheck". Redaktion ausbauen, das Heft aber pausieren lassen? Klingt nicht plausibel. Das ab-in-den-urlaub.de-Magazin erscheine "weiter ganz normal monatlich". Und tatsächlich ist auf der Website auch eine neue Ausgabe abgebildet. Sollte das Magazin wirklich weiter erscheinen, dann aber offenbar nur noch für Kunden und Abonnenten, nicht mehr im Einzelverkauf an Kiosken.

Trotz der in den Mediaunterlagen des ab-in-den-urlaub.de-Magazins genannten "verbreiteten Auflage" von 200.000 Stück ist die 4,50 Euro teure Zeitschrift nach MEEDIA-Infos am Kiosk nicht sonderlich gut angekommen. Offenbar brachte man stattdessen mit sehr aggressivem Marketing Probeabos und Abos an den Mann. Im Internet finden sich zahllose Beschwerden über diese Methoden – ein paar Beispiele, die wir unredigiert zitieren:

"Was nach der Buchung passierte ist aber unglaublich: täglicher Telefonterror jeweils mit Versuchen, Versicherungen zu verkaufen, horrende Stornogebühren und zuletzt auch noch das ungefragte Zusenden einer Zeitschrift inkl. Abofalle, wenn man das nicht bestellte Magazin nicht kündigt. Unfassbare Geschäftsmethoden. Nie mehr wieder." (http://www.trustpilot.de/review/www.ab-in-den-urlaub.de)

"Mich rief eine Dame von AIDU an und sagte mir, dass ich das Magazin erhalten habe. Und wenn ich es nicht kündige, ich es wie oben erwähnt 1 Jahr als Abo zahlen muss. Dürfen die das einfach so?! Ich hab da ja nirgendwo zugestimmt…" (http://hukd.mydealz.de/freebies/in-den-urlaub-magazin-3-monate-gratis-testen-100286)

"bei mir ist es so das meine eltern mich angerufen haben da bei ihnen vom konto die 55,60 € für das magazin abgebucht wurde das lustige oder erschreckende daran ist das meine eltern nicht mal internett haben und nie was bestellt oder gebucht haben wir (meine frau und ich ) haben über unseren namen mal anfang des jahres eine reise für meine eltern gebucht wo wir die kontodaten meiner eltern angegeben haben damit die kosten von ihren konto abgehen schon interessant wie es möglich sein kann das ab in den urlaub für ein nicht abgeschlossenes abo auf unser namen von einen fremden konto (meiner Eltern) geld abbuchen kann das ist doch gesetzeswidrig oder nicht und müsste man eigendlich zur anzeige bringen !" (http://www.unideal.de/90320/kostenloses-probeabo-des-ab-in-den-urlaub-magazins)

Auch der Westfälische Anzeiger hat im Zusammenhang mit Unister schon über einen solchen Fall berichtet: "’Meine Freundin und ich sind Anfang August nach Hamburg gereist‘, erinnert sich D. an den durchaus gelungenen Besuch der Hansestadt, den er über ‚ab-in-den-urlaub.de‘ gebucht hatte. Kurz darauf flatterte ihm eine Probeausgabe des Reisemagazins ins Haus. Im September rief dann eine Dame im Namen des Portals bei D. an. ‚Sie fragte, ob ich dieses Hochglanzreisemagazin mit den interessanten Themen weiter beziehen möchte.‘ Der 19-Jährige entgegnete damals, dass er es sich als Schüler den Jahresabo-Preis von 55,60 Euro nicht leisten könne. Die Frau ließ nicht locker. Sie sei richtig penetrant gewesen, sagt D. ‚Immer wieder redete sie davon, wie toll das Magazin doch sei – `wie eine Endlosschleife.‘ Als D. immer wieder ablehnte, brachte sie eine ominöse Kündigungsfrist ins Spiel, die angeblich abgelaufen sei. ‚Zur Sicherheit habe ich daraufhin sofort am Telefon ausdrücklich gekündigt, obwohl ich ja gar nichts abonniert hatte‘, erklärte D., der sich als durchaus umsichtigen Internetnutzer einschätzt. ‚Ich kaufe im Internet nur auf seriösen Seiten, wie zum Beispiel Amazon.‘ Einen Abo-Vertrag für das Reisemagazin sei er sicher nicht eingegangen, sagt D.: ‚Jedenfalls hab ich nie bewusst wahrgenommen, dass die Firma mir irgendeine Bestätigung zugeschickt hat.‘ Trotzdem wurden dem Hammer am 10. Dezember plötzlich 55,60 Euro Jahresbeitrag für das Magazin abgebucht. ‚Der Lastschrift werde ich natürlich widersprechen‘, sagt D.

Wie korrekt die vielen Berichte im Einzelfall sind – die im Übrigen auch die "Aktuelle Beiträge anderer Nutzer"-Rubrik der ab-in-den-urlaub.de-Facebook-Seite bevölkern – lässt sich natürlich nur schwer recherchieren, sie decken sich aber mit Informationen, die MEEDIA aus Unister-nahen Quellen erfahren hat. Und: Sie werfen auf jeden Fall kein gutes Licht auf die Print-Offensive des Unternehmens, die nun dem Ende entgegen zu gehen scheint.

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