Anzeige

Wie Zeitungen den Samstag verschlafen

Verlage, die sich keine Sonntagszeitung leisten können oder wollen, haben am Samstag viele Möglichkeiten, ein inhaltlich attraktives Wochenendangebot für ihre Abonnenten zu stricken. Und tatsächlich liegen die Samstags-Auflagen der überregionalen Zeitungen deutlich über den Auflagen in der Woche. Aber: Sowohl im Gesamtverkauf wie im Einzelverkauf sinken die Samstags-Auflagen der Überregionalen. Einzige Ausnahme ist die taz, die am Samstag ihre "sonntaz" anbietet. Verschlafen Verlage ihre Chancen am Samstag?

Anzeige
Anzeige

Der Samstag war und ist ein Tag, der Zeitungsmanager froh macht. Allerdings mit abnehmender Tendenz. Denn am Samstag werden immer weniger Stellenanzeigen geschaltet, auch andere Rubrikenmärkte, die traditionell am Samstag als eigene Bücher mitlaufen, nehmen vom Umfang her ab. Entsprechend sinken die Auflagen der überregionalen Zeitungen am Samstag – ganz besonders in der Sparte Einzelverkauf. Also: Die Zahl der Leser, die punktuell am Samstag eine Zeitung am Kiosk kauft, nimmt ab. Vermutlich auch, weil viele Rubrikenmärkte schon lange übersichtlicher und schneller im Netz zu finden sind. Die Gefahr ist nun, dass der Verlust an nutzwertigen Angeboten nicht ausreichend durch inhaltliche Angebote, auch durch Service, kompensiert wird.
Der Samstag bei den überregionalen deutschen Tageszeitungen sieht so aus (alle Auflagenzahlen beziehen sich auf das dritte Quartal 2012):
– FAZ, SZ, FR und taz weisen am Samstag eine höhere Auflage aus als unter der Woche. Die SZ-Auflage liegt am Samstag um knapp 19 Prozent höher als in der Woche, die der FAZ um 4,2 Prozent, bei der FR sind es 14,4 Prozent und bei der taz 17,3 Prozent. Bei der Welt ist der Vergleich nicht möglich, weil es am Samstag keine Welt Kompakt gibt und die Auflage in der Woche nur in Kombination mit der kleineren Ausgabe ausgewiesen wird. Die Welt verkauft also am Samstag 200.445 Exemplare im Durchschnitt, in der Woche (mit Kompakt-Ausgabe) 250.959 Exemplare.
– Beim Einzelverkauf ist der Samstag sogar noch wichtiger für die Zeitungen. Alle Blätter – wieder ohne Welt – verzeichnen an diesem Tag signifikant höhere Verkaufszahlen gegenüber den Tagen unter der Woche: FAZ + 31,1 Prozent, SZ + 44,2 Prozent, FR + 44,8 Prozent, taz + 46,1 Prozent
– Und jetzt zum negativen Aspekt bei der Betrachtung des Erscheinungstags Samstag: Vor allem der Samstags-Einzelverkauf sinkt deutlich, bei allen fünf Titeln. So verlor die SZ im Vergleich zum Vorjahresquartal 9,1 Prozent, bei der FR waren es fast 11 Prozent, bei der FAZ "nur" 5,5 Prozent , bei der Welt 13,5 Prozent und bei der taz 12 Prozent. Dies ließe sich möglicherweise darauf zurückführen, dass Verlage für spezielle Samstags-Abos werben und darum Kiosk-Käufer verlieren. Aber: Die Samstags-Abos sinken ebenfalls. Und die Gesamtauflagen am Samstag entsprechend.

Die Ausnahme bildet die taz, die im Gegensatz zu allen anderen Zeitungen im Jahresvergleich ihre Gesamtauflage am Samstag steigern konnte, um 3,2 Prozent. Sie legte knapp 4 Prozent bei den Abos zu. Im Unterschied zu den anderen Titeln sinkt der Einzelverkauf am Samstag auch weniger stark als unter der Woche – wo die taz im dritten Quartal 2012 im Jahresvergleich allerdings einen Besorgnis erregenden Wert von minus 19 Prozent aufweist.

Welche Aussagekraft haben diese Zahlen? Sie zeigen, dass es mit einem inhaltlich verbesserten Samstagsangebot und einer entsprechenden Verpackung/Vermarktung offensichtlich möglich ist, zahlende Leser zu halten oder sogar neue zu gewinnen. Siehe sonntaz. Und sie zeigen, dass der Relevanz-Verlust der Samstags-Ausgaben wegen mangelnder Serviceangebote (Jobs, Immobilien, etc.) bzw. wegen attraktiver digitaler Konkurrenzangebote zu einem schnelleren Verfall an Auflage führt.

Die Süddeutsche Zeitung plant schon seit einiger Zeit, ihr Wochenend-Buch am Samstag auszubauen. Wie andere Zeitungen auch bietet der Süddeutsche Verlag ein Abo für die Freitags- und Samstagsausgabe an. Auch bei der Welt gab es Pläne, am Samstag mit einem zusätzlichen redaktionellen Angebot aufzuwarten. Die FAZ "arrangierte" just ihre Seiten um, stellte ihre Beilage "Bilder und Zeiten" ein und verteilte die Inhalte neu, auch auf den Freitag.

Anzeige

Während der Sonntag ein guter Lesetag ist, muss eine Samstagsausgabe eine Vielzahl von Rollen spielen: nicht nur als Lektüre in Mußestunden, auch als Servicegeber, Wochenend-Strukturierer, Konsumentscheidungs-Ratgeber. Wenn also weniger "harter Service" wie Stellenanzeigen angeboten werden kann, muss "weicher Service" stärker werden, und das nicht auf platte, sondern möglichst intelligente Art und Weise.

In den USA und Großbritannien diskutiert die Branche in diesem Zusammenhang auch darüber, ob Tageszeitungen ihre Erscheinungsfrequenzen reduzieren sollten oder müssten. In Deutschland wird dieses Thema (noch) nicht intensiv unter die Lupe genommen, zumindest nicht öffentlich. Besonders für Regionalzeitungen könnte es sich lohnen, über eine Frequenzreduzierung ihrer gedruckten Ausgaben zumindest nachzudenken. Ein solcher Schritt ist allerdings nur denkbar, wenn gleichzeitig viele digitale Angebote gemacht werden können, um Lesern einen Übergang von Papier zu Tablet und Co. leicht zu machen.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*