Ulrich Ende: „Klare Kante“ bei dapd

Publishing Vor dem Eingang an der Reinhardtstrasse 52 in Berlin-Mitte haben sie grad noch eine Säule aufgestellt, auf der die Logos und Namen der Firmen stehen, die hier ihren Sitz haben. Ganz oben: dapd. Der designierte Investor Ulrich Ende stellte sich am Freitag vor Weihnachten den Fragen der Presse zu seinem Konzept für die Agentur und hinterließ einen souveränen Eindruck. Was er nach wie vor nicht nennen konnte, sind die Namen der Investoren hinter ihm. Zu lange dürfen diese sich nicht zieren.

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Die Zwickmühle, in der Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma und der mutmaßliche dapd-Käufer Ulrich Ende an diesem vorweihnachtlichen Freitag stecken: Eigentlich fehlen noch ein paar Unterschriften von Investoren, um die Übertragung des Eigentums perfekt zu machen. Doch gleichzeitig scharren die Kunden mit den Füßen: Sie wollen und müssen möglichst schnell im Bilde sein, wie es bei dapd weitergeht, mit welchen Partnern, zu welchen Konditionen. Unter "normalen" Umständen hätte Insolvenzverwalter Köhler-Ma wohl kaum eine Pressekonferenz einberufen, ohne Ross und Reiter zu nennen. Doch die Rettung der dapd ist nach wie vor ein Spiel auf Zeit.
Ulrich Ende kann die Investoren aber noch nicht nennen und verweist darauf, es handele sich bei den Investments ja  um eher "kleine Summen". Seine Investoren seien kein Großkapital, sondern "strategische Partner aus der mittelständischen Verlagswelt", die das Agenturgeschäft bereichern könnten. Deren Themengebiete seien u.a. Wissenschaft, Medizin und Lebensberatung: "Das sind Themen, die gerne genommen werden."
Es deutet also viel darauf hin – immer vorausgesetzt, die Unterschriften werden tatsächlich abgeleistet und die Eigentumsübertragung an Ende und Co. kann über die Bühne gehen – dass sich die Agentur thematisch-inhaltlich etwas neu sortiert. Ende spricht von einer "anderen Personalstruktur", die er im Januar aufbeuen wolle. Das heißt: Nicht unbedingt weniger als die verbliebenen 200 Redakteure, sondern anders verteilt. Texte sollten künftig "nicht mehr ganz so agenturmäßig" klingen, "vielleicht boulevardesker" und "pointierter" geschrieben sein, und vor allem besser mit den Fotos der Agentur korrespondieren. Die Bildsprache von dapd lobt Ende ausdrücklich, die mache ihm "sehr viel Spaß".
Sich selber sieht Ende auf die Nachfrage, welchen Anteil er persönlich an dem Unternehmen halten werde, als "armen Journalisten, der Knowhow mitbringt". Auch an einer anderen Stelle betont der Investor, er wolle "journalistisch etwas bewegen" und trete als Journalist an, nicht als Medienmanager. Und doch ist er etwas mehr – bei ihm laufen zurzeit die Fäden zusammen, an denen die Zukunft der Agentur hängt. Ihm müssen sowohl die Investoren wie auch die Kunden glauben.
Was das angeht, strahlt Ende, der auch im Berliner Winter leicht gebräunt ist und zumindest in der Öffentlichkeit einen entspannten Eindruck macht, viel Zuversicht aus. Bereits am vergangenen Montag habe er mehrere Anrufe auf seinem Handy gehabt, von potenziellen Investoren. Der ehemalige Chef des Nachrichtensenders N24  möchte mit dieser Pressekonferenz auch signalisieren, dass er einen schnitt machen will mit der Vergangenheit. Klar sei: "man kann sich Kunden nicht einfach erkaufen." Die Agentur solle ein "loyaler, aktueller Dienstleister" sein. Er wolle offen, aber "kontrolliert" kommunizieren und die Kunden nun "sehr schnell überzeugen". Ende wird bei Übernahme die Position des Geschäftsführers übernehmen.
Wo der Insolvenzgeschäftsführer Wolf von der Fecht noch betont hatte, die AP-Lizenz sei überlebenswichtig, sagt Ende nun, dass Dow Jones als Textagentur und andere, noch nicht genannte Bildagenturen" das bisherige AP-Angebot kompensieren könnten. Der Rückzug im Kampf um die AP-Lizenz sei mit ihm abgesprochen gewesen: "Ich bin gegen Hängepartien und für klare Kante."

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